Stadtgeschichte

Gedenktafel für ermordete Borbecker soll erneuert werden

Auf dem Gehweg an der Frintroper Straße soll in Höhe der Hausnummer 2 und im Bereich der Leitplanke eine Gedenktafel angebracht werden. Foto:Jörg Schimmel

Auf dem Gehweg an der Frintroper Straße soll in Höhe der Hausnummer 2 und im Bereich der Leitplanke eine Gedenktafel angebracht werden. Foto:Jörg Schimmel

Essen-Borbeck.   Hermann Riesner und Friedrich Lichtenauer wurden im April 1920 von Kapp-Putschisten erschossen. Verschwundene Mahntafel soll erneuert werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die blutigen Spuren des Kapp-Putsches, bei dem 1920 die junge Weimarer Republik gestürzt werden sollte, führten auch nach Borbeck. Mordend umherziehende, reaktionäre deutsche Freikorps-Soldaten brachten noch Wochen nach dem vereitelten Putsch willkürlich Unschuldige um, etwa Hermann Riesner und Friedrich Lichtenauer. Bereits zweimal wurde dieser Gräueltat auf einer Tafel gedacht, beide Male aber kam die auf dubiose Weise abhanden – und soll nun erneut erneuert werden.

„Bei einer Bestandsaufnahme aller Mahnmale in der Stadt für das Historische Portal stellten wir im vergangenen Jahr fest, dass von den 80 Tafeln drei fehlten“, so Klaus Kaiser, Geschäftsführer des Historischen Vereins Essen. Darunter eine in Borbeck, die, wie im Buch „Essen erinnert“ des 2009 verstorbenen Kommunalhistorikers Dr. Ernst Schmidt zu lesen ist, folgende nüchterne Inschrift trug: „Am Fliegenbusch fanden Hermann Riesner und Friedrich Lichtenauer, Angehörige der Sicherheitswehr, in den Wirren des Kapp-Putsches am 7. April 1920 den Tod“.

Nazis entfernten eine Gedenktafel

Irgendwann nicht lange nach Bekanntwerden der Tat muss bereits eine erste Gedenktafel aufgehängt worden sein. An der längst verschwundenen Gaststätte „In der Weide“ nahe der Schloßstraße hat Andreas Koerner vom Kulturhistorischen Verein Borbeck recherchiert. „Die wurde aber von den Nazis entfernt, weil denen die Tat wohl sympathisch war.“

In den 80er Jahren wurde eine ähnliche Tafel neben dem einstigen Postgebäude an der Frintroper Straße 9 angebracht, die aber auch wieder verschwand. Kaiser: „Wer sie entfernte, ist nicht bekannt.“

Und so entschloss man sich im Haus der Geschichte, den Antrag auf Erneuerung bei der Bezirksvertretung IV einzureichen, die nun am Dienstag, 10. Oktober, entscheidet. Eine Verkehrsinsel vor dem Haus an der Frintroper Straße 9 scheidet als Standort aus Gründen der Verkehrssicherheit aus, der zweite Standort befindet sich auf der anderen Straßenseite seitlich des Gebäudes Frintroper Straße 2.

Ereignisse machen fassungslos

Künden wird die Tafel von Ereignissen, die fassungslos machen. Von Friedrich Lichtenauer, wohnhaft Ardelhütte 68, und Hermann Riesner, Kesselstraße 56. Auf Veranlassung von Ferdinand Baasel, letzter Borbecker Bürgermeister, und mit Wissen der Reichswehr taten sie am Fliegenbusch in jener Nacht Dienst, um bis zum Einzug der Reichswehr Plünderungen zu verhindern. Beide trugen weiße Armbinden und bei sich Ausweise der Stadt. Reichswehr-Leutnant Wilhelm Göcke, später SS-Obersturmbannführer und Lagerkommandant der KZ Warschau und Kauen, ließ sie dennoch erschießen. Eigenen Angaben zufolge „auf der Flucht und in Notwehr“.

Carl Severing, Innenminister im Freistaat Preußen, beurteilte das später wie folgt: „Die Erschießungen waren rein willkürlich. Irgendeine Truppe hat sich ohne Auftrag Leute herausgeholt, die im Geruch des Bolschewismus oder Spartakismus standen.“ Ohne Worte.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik