Prozess

Gericht entlässt Libanesen „Pumuckel“ aus der U-Haft

Foto: Kerstin Kokoska

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Essen.   Auch bei Libanesen aus der Essener Nord-City prüfen Gerichte die Beweise. Ergebnis: ein niedriges Urteil für eine Erpressung im eigenen Milieu.

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Die Verteidiger hatten zwar Freispruch gefordert. Dennoch gab es am Freitagabend Applaus von den Freunden auf den Zuhörerplatzen, nachdem die VII. Essener Strafkammer Ali H., einen Libanesen aus der Essener Nord-City, wegen Nötigung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Gleichzeitig entließ sie ihn aus der Untersuchungshaft. „Das ist Gerechtigkeit“, sagte nachher ein Landsmann des Angeklagten.

Staatsanwalt Wolfgang Kolpatzik hatte zwar am Ende des seit dem 14. November laufenden Verfahrens fünf Jahre Haft gefordert, war aber von anderen rechtlichen Voraussetzungen ausgegangen.

Es ging nur noch um 20 Euro

Offenbar war es auch nicht der passende Fall, um die Umtriebe libanesischer Clans zu ahnden. Letztlich ging es bei der angeklagten räuberischen Erpressung nur um 20 Euro, die der wegen seiner früher roten Haare „Pumuckel“ genannte Ali H. einem Landsmann abgenommen hatte. Dass er dafür immerhin eineinhalb Jahre Haft bekam und keine Bewährung, ist vor allem seinem Vorstrafenregister geschuldet. Acht Monate lang hatte er für das neue Verfahren in U-Haft gesessen.

Keine leichte Beweislage, denn das Opfer hatte schnell einen Rückzieher gemacht. Am 17. Juni hatte K. den Angeklagten bei der Polizei angezeigt. „Pumuckel“ fordere schon seit längerer Zeit unberechtigt Geld von ihm. Diesmal habe er ihn mit dem Messer bedroht. Zwei Tage zuvor, am 15. Juni, habe Ali H. ihn in der City getroffen und direkt gewürgt. Da habe er ihm 20 Euro gegeben, berichtete das Opfer der Polizei.

Anzeige aus Angst vor der Familie zurückgezogen

Dabei blieb der Mann nicht lange. Er zog seine Anzeige zurück, sprach von Angst vor der Familie H. und dass er keinen Ärger bekommen wolle. Diesen Rückzieher nahm die VII. Kammer ihm aber nicht ab, sondern bezog sich im Urteil auf die Angaben in der Strafanzeige.

Die gab rechtlich aber nicht so viel her. Die Bedrohung mit dem Messer wurde während der Verhandlung eingestellt. Und für den Fall mit den 20 Euro unterbrach die Kammer am Freitag noch einmal ihre Urteilsberatung, die schon eine Stunde länger als geplant dauerte.

Die räuberische Erpressung fiel weg

Richter Nils Feldhaus erläuterte die Beweiswürdigung: Das Gericht sehe keine Grundlage mehr für die angeklagte räuberische Erpressung, weil Ali H. offenbar gedacht habe, er fordere von dem anderen Mann geliehenes, also sein eigenes Geld zurück.

Und das sei rechtlich nur noch eine Nötigung, erklärte Feldhaus, der den weit niedrigeren Strafrahmen für dieses Delikt umriss. Zudem sei das Würgen am Hals nicht so heftig gewesen und ohne Zeichen einer Verletzung geblieben.

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