Geschäft auf Rüttenscheider Markt läuft trotz Corona bestens

Andrea Raab bietet in Rüttenscheid regelmäßig frische Eier an. Der Plüschhahn, ihr Maskottchen, kann mit den Flügeln schlagen, steht allerdings nicht zum Verkauf.

Andrea Raab bietet in Rüttenscheid regelmäßig frische Eier an. Der Plüschhahn, ihr Maskottchen, kann mit den Flügeln schlagen, steht allerdings nicht zum Verkauf.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Rüttenscheid.  Der Rüttenscheider Markt ist der älteste in Essen und wohl auch der erfolgreichste. Trotz Corona brummt das Geschäft.

Der Rüttenscheider Wochenmarkt läuft glänzend – Corona zum Trotz. Wo andere Märkte der Stadt um ihre Existenz bangen, brummt am Platz unterhalb des Rüttenscheider Sterns selbst in Krisenzeiten das Geschäft.

Gleich am Eingang des Marktes am Rüttenscheider Platz, gegenüber der Apotheke, steht Andrea Raab (58) mit den Eiern. Weiße und braune, aus Boden-, Freiland- oder Biofreilandhaltung liegen in allen Gewichtsklassen auf dem rot-weiß karierten Wachstuch. Ein alter Mann mit „Hackenporsche“ kauft sechs bunte. Ein Stammkunde. „Lassen Sie sie sich gut schmecken“, sagt die Marktfrau und wünscht dem Kunden einen schönen Tag.

Der „Schnarchklatscher“ auf dem Tisch – eine Art Holzhammer gegen störende Nachtgeräusche - ist unverkäufliche Deko. „Aber er sorgt für ein Lachen“, erklärt die Eierfrau. Wie Erwin, das tanzende Plüschhuhn, das per Knopfdruck mit den Flügeln schlägt und für allgemeine Unterhaltung sorgt. Das gibt es im Supermarkt nicht. Warum läuft der Verkauf an den Rüttenscheider Ständen – zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags – so gut, während andere Märkte ums Überleben kämpfen? „Das liegt an der angebotenen Warenvielfalt“, meint Andrea Raab.

Rüttenscheider Markt zieht wegen seiner großen Bandbreite viele Kunden an

Dem kann Martin Möllin (40) aus Duisburg-Rheinhausen nur zustimmen. Um 4 Uhr morgens ist er aufgestanden und mit zwei Helfern zum Großmarkt gefahren. Elf Sorten Kartoffeln hat er mitgebracht, acht verschiedene Zwiebel- und sechs Knoblaucharten. „Gegen Viertel nach sechs haben wir den Stand aufgebaut“, erzählt er und zeigt die Ware. Kartoffeln mit etwas Erde, frisch vom rheinischen Acker. Neben den Klassikern „Annabelle“ und „Celena“ locken die festkochend-würzige „Alexandra“ und „Glorietta“. Seit 13 Jahren fährt Möllin zum Rüttenscheider Markt. Der sei groß und ziehe wegen seiner großen Bandbreite viele Kunden an. „Sie finden beste Qualität und Spezialitäten bis hin zu Trüffeln“, so Möllin.

Zurück zum Knoblauch. „Der frische ist der mildeste. Lecker sind auch der geräucherte und der fermentierte, schwarze Knofi. Der Champagner unter den Sorten ist der Rosé aus Frankreich. Da reicht eine Zehe, wo man sonst drei nimmt.“ 2,90 Euro kostet die Knolle und ist damit gekauft.

Anbieter von Billigklamotten bleiben eher die Ausnahme

Corona-Riechtest bestanden: Von Weitem schon lockt der Duft vieler mediterraner Gewürze und Tees an einem anderen Stand. Gleich davor bieten zwei Verkäufer Stoffmasken das Stück für einen Euro in allen Farben und Mustern an. Eine einfache Hose gibt es gegenüber für einen Zehner. Kein Geld, aber auch ohne jeglichen Rü-Schick. Entsprechend gering ist das Interesse der vorwiegend älteren, gut betuchten Käufer. „In Altenessen ist es mittlerweile wie auf einem Basar“, meint eine Händlerin. Die zahlreichen Stände mit schnell genähten Billigklamotten hätten das Flair leider verdorben.

In Rüttenscheid genießt Jutta Rudolph aus Haarzopf die Riesen-Auswahl an regionalem Obst und Gemüse. Früher hat sie in Rüttenscheid gewohnt, dann in Schweden. Seit sieben Monaten ist sie zurück in ihrer Heimat Essen und kennt den Markt seit Kindesbeinen. „Die beiden Stände in Haarzopf, das reicht mir nicht“, sagt die 63-Jährige. Kaufen will sie „alles, was sieben Kilometer in den Fahrrad-Packtaschen schadlos überlebt.“

Mittwochs ist weniger Gedränge, weil die Berufstätigen eher samstags einkaufen

Laslo Heyden aus Recklinghausen mag vor allem den Samstag. „Mittwochs ist es ruhiger, weniger Käufer. Das liegt daran, dass im Stadtteil viele Berufstätige leben, die in der Woche über arbeiten“, sagt der Gemüsehändler. Auch in Unna, Herten und Münster steht er regelmäßig. „Aber hier ist es noch besonders“, findet er.

Das sieht Lutz Dietrich auch so. Der Rüttenscheider ist mit seiner Frau und den Enkelinnen zum Einkauf in frischer Luft gelaufen. „Angst vor Corona muss man hier nicht haben“, so der 67-Jährige. Er habe so seine Stammstände. „Man kennt sich und wechselt ein paar Worte.“ Enkelin Thea gefällt der Markt ebenfalls. Was fehlt? „Ein Stand mit Kuscheltieren“, so die Siebenjährige.

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