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Verkehr

Gladbecker Straße: Gutachter erteilt Ausbau eine Absage

Auf drei Fahrspuren morgens hinein in die Stadt, auf drei Spuren am Abend wieder hinaus? Der Mittelstreifen wäre laut Gutachten ein Problem.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Der Ausbau der Gladbecker Straße in Essen würde laut Gutachter das Verkehrsproblem nicht lösen. Neue Lösungen gegen den Stau sind gefragt.

47 000 Fahrzeuge rollen laut einer Erhebung aus dem Jahr 2014 täglich über die Gladbecker Straße (B 224). Mittlerweile dürften es ein paar mehr sein. Damit zählt die Bundesstraße zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Stadt. Staus sind seit Jahren an der Tagesordnung. Im Bemühen, dem Verkehr Herr zu werden, dreht die Stadt sich allerdings im Kreis.

Das jüngste Beispiel: Im Auftrag von SPD und CDU hat die Verwaltung jetzt untersucht, ob sich der Verkehrsfluss auf der vierspurigen Straße nicht anders steuern ließe, und zwar so: morgens, wenn die Berufspendler aus dem nördlichen Ruhrgebiet nach Essen hinein fahren, auf drei Fahrspuren in Richtung Innenstadt; in Richtung Norden stünde nur eine Spur zur Verfügung. Nachmittags, wenn der Berufsverkehr wieder ins Rollen kommt, wäre es dann genau umgekehrt. Im Fachjargon heißt das „dynamische Fahrstreifensignalisierung“. So viel sei an dieser Stelle vorweg genommen: Das von der Verwaltung mit der Untersuchung beauftragte Ingenieurbüro RK GmbH rät davon dringend ab.

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Gladbecker Straße: Verkehrsbelastung ist problematisch

Problematisch ist bereits die Verkehrsbelastung. Morgens fahren auf der Gladbecker Straße 60 Prozent stadteinwärts und 40 Prozent stadtauswärts. Nachmittags dreht sich dieses Verhältnis um. In den Spitzenstunden sei die Gladbecker Straße somit in beiden Richtungen bis an die Leistungsgrenze belastet, zeitweise sogar darüber.

Dazu kommt: In weiten Teilen der Gladbecker Straße befindet sich in Fahrbahnmitte eine Art durchgehende Verkehrsinsel. Eine dritte Fahrspur befände sich links davon, mal in die eine Richtung, mal in die andere. Linksabbieger müssten sich frühzeitig einordnen, da ein Spurwechsel nicht mehr möglich wäre. Die Gutachter fürchten, dies könnte zu Chaos führen: „Eine verkehrsichere Abwicklung der erforderlichen Fahrstreifenwahl wird bezweifelt.“

Alternative würde Nebenstraßen erheblich belasten

Idealerweise würde das Linksabbiegen untersagt, heißt es. Die Alternative hieße: Drei Mal rechts abbiegen und auf diesem Weg einmal rum um den Block. Die Folge: Die Wohnstraßen zu beiden Seiten der Gladbecker würden „unzumutbar mehrbelastet“. Theoretisch könnte die Stadt noch einen Schritt weiter gehen und auch das Queren der Gladbecker Straße unterbinden. In diesem Fall würde die Bundesstraße zu einer reinen Durchgangsstraße.

Auf anderen Hauptverkehrsstraßen würde das tägliche Verkehrsaufkommen allerdings deutlich anwachsen – auf der Hafenstraße um 3700 Fahrzeuge, auf der Stoppenberger Straße um 4000, auf der Altenessener und auf der Frohnhauser Straße um 3000 und auf der Altendorfer Straße um 5000 Kfz.

Die Fahrbahn müsste um 7,5 Meter verbreitert werden

Kurz: Trotz eines erheblichen Aufwands sei durch den dynamischen Spurwechsel keine Verbesserung zu erwarten.

Alternativ haben sich die Gutachter auch mit der Frage beschäftigt, ob ein sechsspuriger Ausbau der Gladbecker Straße des Rätsels Lösung wäre. Im Vergleich zu heute würde dies bedeuten, dass die Straße um mindestens 7,5 Meter verbreitert werde. Angesichts der abschnittsweisen Straßenschlucht ähnlichen Bebauung ist diese Überlegung wohl eher von theoretischer Natur.

Die Gutachter weisen darauf hin, dass nicht nur Stellplätze wegfielen, sondern auch Privatgrundstücke benötigt würden. Weitere Häuser wären abzureißen, ein Bebauungsplan aufzustellen.

CDU-Ratsherr spricht von "Alibi-Alternativen"

Auch dieser Aufwand würde sich nach Einschätzung der Gutachter nicht lohnen. Die Kreuzungen wären überlastet, „die Qualität bleibt mangelhaft.“

Zufriedenstellend sei all das nicht, sagt Uwe Kutzner, CDU-Ratsherr aus Altenessen und planungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, hörbar frustriert. Kutzner spricht von „Alibi-Alternativen“. Den Stein der Weisen hat aber auch die Politik noch nicht gefunden.

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