Glück auf, Film ab

Foto: WAZ FotoPool

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Das traditionsreiche Filmstudio wird kurz vor Weihnachten wiedereröffnet

Nach all der Zeit des Wartens macht das bisschen Überlänge auch nichts mehr aus: Nicht wie geplant am 19., 20. November, sondern am 18., 19. Dezember wird die Wiedereröffnung des Filmstudios im Glückauf-Haus gefeiert. Dafür wird das älteste Kino des Ruhrgebiets sich dann – mit kleinen Abweichungen – so präsentieren, wie es die Filmfans von früher kennen, verspricht Marianne Menze, die Betreiberin der Essener Filmkunsttheater. Die eingelagerte Ausstattung wird dieser Tage komplett wieder eingebaut: darunter die Möbel, die Theke und die Sitzecke fürs Foyer, die hölzernen Kinositze mit den roten Stoffbezügen und die historischen Lampen. Auch die Filmkamera, die auf der Rüttenscheider Straße für das Kino Werbung machte, soll wieder aufgestellt werden. Mit der Eröffnung endet eine fast unendliche Geschichte: Nachdem die Polizei ausgezogen war, das an der Rüttenscheider Straße gelegene Glückauf-Haus also leerstand, wurde das im Keller gelegene Kino 2001 geschlossen. Von 2002 bis 2005 absolvierte das Filmstudio ein Gastspiel in einer der Zollverein-Hallen. Schließlich erwarben die Projektentwickler „Kölbl Kruse” 2004 das Gebäude und gewannen später „ifm electronic” als Ankermieter. Lange wurde darüber diskutiert, ob und wie das Kino im Keller gerettet werden kann – bis die Finanzierung stand (siehe Kasten). Nun kann die gemeinnützige Baugesellschaft, die aus einem Unterstützerverein für das Kino hervorgegangen ist, mit Stolz auf einen Mietvertrag über 20 Jahre verweisen – plus zwei Optionen für je fünf Jahre, wie Wilfried Breyvogel, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Baugesellschaft, erklärt.Mehr Beinfreiheit Kleine Änderungen wird es aber auch geben: Die Sitzreihen werden nicht mehr so eng stehen, wodurch sich die Beinfreiheit vergrößert, aber die Zahl der Plätze wird um 45 auf 250 verringert. Die Toiletten werden nicht mehr neben der Leinwand zu finden sein, sondern ins Foyer verlegt. Hinter der Leinwand, die sich einrollen lässt, entsteht ein kleiner Raum, der als Bühne für Lesungen oder kleine Konzerte genutzt werden kann. Gefeiert wird die Eröffnung über mindestens zwei Tage. Unter anderem soll der Film gezeigt werden, mit dem das Kino 1924 eröffnet wurde, noch ist allerdings unklar, ob die Kinomacher „Nanuk der Eskimo” beschaffen können.

Zur Finanzierung: Rund 2,4 Millionen Euro kostet die Wiederherrichtung des Filmstudios im Glückauf-Haus. Rund 1,15 Millionen Euro bezahlen die EU und das Land NRW. Etwa 290 000 Euro kamen durch private Spender und Sponsoren zusammen, rund 1000 Spender gaben kleine oder sehr große Beträge. Je 250 000 Euro spendierten die Projektentwickler „Kölbl Kruse” und der Glückauf-Haus-Mieter „ifm electronics”. Insgesamt rund 175 000 kommen von der NRW-Stiftung und der Filmstiftung NRW. Um die öffentlichen Gelder fließen zu lassen, bediente man sich zudem einer ungewöhnlichen Konstruktion: Zur Sicherung bürgten die Sparkasse mit 400 000 Euro und 200 Bürger (die je 1000 verzinste Euro einzahlten).

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