Kriminalität

Gruppenvergewaltigungen in Essen: Weitere Verdächtige im Visier

Milva Schonhauer, Kriminaloberkommisarin, Ulrich Schmitz, Kriminalhauptkommissar, und Anette Milk, Oberstaatsanwältin (v.l.), auf der Pressekonferenz am 14. Februar.

Milva Schonhauer, Kriminaloberkommisarin, Ulrich Schmitz, Kriminalhauptkommissar, und Anette Milk, Oberstaatsanwältin (v.l.), auf der Pressekonferenz am 14. Februar.

Foto: dpa (Archiv)

Essen/Gelsenkirchen.   Möglicherweise waren im Fall der Gruppenvergewaltigungen mehr junge Männer beteiligt, so die Essener Staatsanwaltschaft. Der Behörde liegen mittlerweile fünf Anzeigen von Opfern vor.

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Nicht nur mehr Opfer, sondern vermutlich auch mehr Täter als bislang angenommen: Die Ermittlungen nach den so brutalen wie abscheulichen Vergewaltigungen junger Frauen durch eine Gruppe heranwachsender Männer aus Essen und Gelsenkirchen wachsen sich aus. Die Polizei hat mittlerweile weitere Verdächtige im Visier, die ihre arglosen Opfer getäuscht, entführt und in ihren Autos missbraucht haben könnten.

„Möglicherweise waren mehr Täter beteiligt“, bestätigte Oberstaatsanwältin Anette Milk am Montag auf Anfrage dieser Zeitung. Es handele sich um eine „unbestimmte Zahl“. Zu den Verdächtigen wollte Milk keine näheren Angaben machen. Möglicherweise gebe es auch noch mehr Geschädigte, als die fünf, die sich bislang gemeldet haben, so die Behördensprecherin: „Wir ermitteln mit Hochdruck.“

Anzeigen dürften die Verdächtigen schwer belasten

Inzwischen liegen der Staatsanwaltschaft fünf Anzeigen wegen Gruppenvergewaltigungen vor, die die fünf jungen Männer im Alter von 16 bis 23 Jahren schwer belasten dürften. Vier von ihnen, „die sich selbst als Sinti bezeichnen“, so Milk, sitzen nach ihrer Festnahme weiterhin in Untersuchungshaft. Gegen den fünften der Beschuldigten, den die Ermittler identifizierten, wurde aufgrund seines jugendlichen Alters bekanntlich kein Haftbefehl erlassen.

Dass sich der Kreis der mutmaßlichen Täter ausweiten könnte, sei am 14. Februar noch nicht absehbar gewesen. An diesem Tag hatten Staatsanwaltschaft und Polizei mit dem ausdrücklichen Verweis auf die Festnahme der mutmaßlichen Vergewaltiger Opfern Mut machen wollen, sich den Behörden anzuvertrauen. Drei 16-Jährige hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Anzeige erstattet.

Vergewaltiger gingen immer nach gleicher Masche vor

Die neuen Verdachtsmomente hätten sich erst nach der Aussage weiterer jugendlicher Opfer und der fortschreitenden Auswertung von Chatverläufen auf den Handys der Verdächtigen ergeben.

Nach bisherigen Erkenntnissen gingen die Vergewaltiger in allen nun bekannten Fällen nach der gleichen Masche vor, sagte die Oberstaatsanwältin. Opfer und mindestens ein Täter kannten sich flüchtig, man verabredete sich über soziale Netzwerke zu einem angeblich netten Abend und einem Ausflug mit dem Auto. An entlegenen Orten im Essener Süden wurden den Mädchen dann die Handys abgenommen. Die Täter drohten ihnen mit körperlicher Gewalt und damit, sie an Ort und Stelle auszusetzen, um sie gefügig zu machen.

Die Behörden appellieren an mögliche weitere Opfer, sich bei der Polizei zu melden unter der Rufnummer 0201/829-0.

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