Kommentar

Hatte Essen den Titel „Grüne Hauptstadt“ verdient?

NRZ-Redakteur Michael Mücke kommentiert die Bemühungen von Essen als „Grüne Hauptstadt“.

Foto: Philipp Wahl

NRZ-Redakteur Michael Mücke kommentiert die Bemühungen von Essen als „Grüne Hauptstadt“. Foto: Philipp Wahl

Essen.   Essen gibt turnusgemäß seinen Titel „Grüne Hauptstadt“ an den Nachfolger ab. Doch für eine endgültige Bilanz ist es immer noch zu früh.

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Den Titel der „Grünen Hauptstadt“ muss Essen zwar jetzt an seinen Nachfolger Nijmegen abgeben. Aber als „grüne Stadt“ will die Ruhr-Metropole auch künftig für sich werben und den Bogen weiter spannen.

Umweltdezernentin Simone Raskob spricht von einer „grünen Dekade“. Mit dem Hauptstadt-Jahr 2017 hat es angefangen. Der Abschluss des Emscher-Umbaus im Jahre 2020 ist das nächste prägende Datum. Dann folgt zwei Jahre später die „KlimaExpo.NRW“ in Essen, die Leistungsschau und das Ideenlabor des Landes für den Klimaschutz. Das Ganze endet 2027 mit der „Internationalen Gartenausstellung“, die – wenn alles klappt – in der Metropole Ruhr und damit auch in Essen organisiert wird.

Essen will auf der IGA 2027 punkten

Fast könnte man glauben, die Beigeordnete Simone Raskob will immer wieder vor den Spiegel treten und die selbe Frage stellen:„Wer ist die grünste Stadt im ganzen Land?“ Doch bei allem Ehrgeiz – große Events werden nicht reichen, um die Umwelt-Konflikte in dieser Stadt zu lösen.

Sie können und sollten allerdings Antrieb sein, Probleme deutlich anzusprechen, konsequent nach Lösungen zu suchen und natürlich auch nach Sponsoren und Fördermitteln, um das ein oder andere zu finanzieren. 14,5 Millionen Euro würde Essen allein für seine Projekte anlässlich der Internationalen Gartenausstellung IGA erhalten.

Grüne Hauptstadt – der Titel verpflichtet

Woran sich die Grüne Hauptstadt von 2017 in Zukunft kritisch messen lassen muss, sind ihre Bemühungen, die Luftverschmutzung endlich in den Griff zu bekommen. Das hat die Stadt nicht mal im Ansatz geschafft. Sie hat zwar ihre wohl gemeinten Ansprüche formuliert, will den öffentlichen Nahverkehr voranbringen und den Autoverkehr reduzieren. Aber das steht bis heute nur auf dem Papier. Der richtige Sprung nach vorne fehlt.

Bleibt die Frage: Hat die Stadt den Hauptstadt-Titel wirklich verdient? Man könnte sie mit „Ja“ beantworten, weil Essen sich ein Programm zum Ziel gemacht hat, das sich sehen lassen kann. Man könnte die Frage aber auch unbeantwortet lassen, weil gerade in Fragen der Mobilität und Luftqualität den Worten noch Taten folgen müssen. Da ist es doch gut, dass Essen „Grüne Hauptstadt“ war. Denn der Titel verpflichtet. Die Stadt muss der EU weiterhin berichten, was sie geschafft hat. Das spornt an, hoffentlich.

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