Randale

Hooligans verwandeln packendes Pokalderby in Chaosspiel

Nachdem MSV-Fans in der Halbzeit Böller und Bengalos aufs Spielfeld geworfen hatten, provozierten Essener Chaoten einen Spielabbruch: Sie zündeten Nebeltöpfe und brachen ein Tor zum Spielfeld auf.

Nachdem MSV-Fans in der Halbzeit Böller und Bengalos aufs Spielfeld geworfen hatten, provozierten Essener Chaoten einen Spielabbruch: Sie zündeten Nebeltöpfe und brachen ein Tor zum Spielfeld auf.

Foto: WAZ FotoPool

Essener.   Bis zur Halbzeit erlebten die Zuschauer im erstmals ausverkauften Stadion Essen beim Pokalhit zwischen RWE und MSV Derby-Atmosphäre im besten Sinne. Dann verwandelten Chaoten aus Duisburg und Essen den Fußballkrimi in ein Chaosspiel mit Hundertschaften auf dem Platz und langer Unterbrechung.

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Dieses hochspannende und stimmungsvolle Pokalderby wird als Chaosspiel in die Geschichte des Niederrheinpokals eingehen – und für Rot-Weiss Essen sowie den MSV Duisburg ein vermutlich teures Nachspiel haben: Im erstmals überhaupt ausverkauften Stadion Essen provozierten Essener Hooligans vor den Augen des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger und der Essener Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr eine 30-minütige Spielunterbrechung. Als die vermummten Randalierer in der 78. Spielminute an der Westtribüne der RWE-Fans ein Tor zum Innenraum öffneten und auf den Platz stürmen wollten, schickte die Einsatzleitung der Polizei fünf Hundertschaften aufs Spielfeld. Erst um 20.41 Uhr pfiff der Schiedsrichter das Halbfinale wieder an, die Polizeiketten vor den beiden Tribünen blieben bis zum Ende des Elfmeterschießens in Stellung.

Zunächst beste Derby-Atmosphäre mit viel Prominenz

Bereits in der Halbzeit des von Sport1 live im Fernsehen übertragenen „Hochrisikospiels“ hatten Duisburger Chaoten bengalische Fackeln und Böller aufs Spielfeld geworfen und Leuchtspurmunition abgefeuert. Bis dahin hatten die 20 650 Zuschauer – unter ihnen zum Beispiel OB Reinhard Paß, Meistertrainer Otto Rehhagel, RWE-Legende Willi „Ente“ Lippens und Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah – Derby-Atmosphäre im besten Sinne erlebt:

Die Ultras Essen zeigten auf der Westtribüne eine große Choreografie, und mit den mehr als 4000 MSV-Fans lieferte sich das restliche Stadion einen leidenschaftlichen „Gesangs-Wettstreit“ mit Schmähgesängen und Hafenstraßen-Klassikern. Die Gegengerade schmetterte „Rot“, die West „Weiss“ und die Haupttribüne „Essen“. Von schlechter Akustik nichts zu hören!

Fahnendiebe gaben nur eine Hälfte des Banners zurück

Allerdings hatten Essener Hooligans ihre Duisburger Kontrahenten vor dem Spiel bis aufs Äußerste provoziert: Am Dienstagmittag bestätigte die Polizei Duisburg, dass Unbekannte in die Kneipe der ältesten Duisburger Hooligangruppierung „Duisburg Forever“ eingebrochen waren und dort ein Jubiläumsbanner der 30 Jahre alten Gruppe gestohlen hatten. Unter gewaltbereiten Fußballfans kommt das einer Kriegserklärung gleich – und das vor einem Spiel, zu dem die Polizei über 1000 Fans der Kategorien B (gewaltbereit, u.a. viele Ultras) und C (Gewalt suchend, Hooligans) erwartete.

Die Fahnendiebe, so berichtete Harald Hagen, Leiter der Inspektion Nord, informierten die Polizei einige Stunden später, dass sie das Banner an einem bestimmten Ort hinterlegt haben. Allerdings fanden die Ermittler dort am Dienstagnachmittag nur eine Hälfte des Forever-Heiligtums. Die andere aber präsentierten Maskierte dem MSV-Fans während des Spiels auf der Westtribüne.

Dieselben Chaoten riefen dann kurz vor Spielende, beim Stand von 0:0, die Polizei auf den Plan. Zunächst zündeten sie mehrere Nebeltöpfe auf der Westtribüne, dann öffneten sie das Tor zum Spielfeld mit Gewalt. Die Polizei baute mit ihren Hundertschaften eine Abwehrkette auf, verzichtete jedoch darauf, Einsatzkräfte in den Fanblock zu schicken.

RWE-Fans feierten Mannschaft bis zum tragischen Ende

Während der 30-minütigen Spielunterbrechung machte sich im Stadion bei vielen Fans zeitweise Ratlosigkeit breit. Der Stadionsprecher drohte den Fanszenen auf Initiative von Schiedsrichtergespann, Veranstalter Rot-Weiss Essen und Polizei einen endgültigen Spielabbruch im Falle weiterer Ausschreitungen an. RWE-Vorsitzender Dr. Michael Welling und Sportvorstand Uwe Harttgen versuchten sich an der Seitenlinie im Krisenmanagement. Mit Erfolg: Um 20.29 Uhr kehrten die Mannschaften auf den Platz zurück.

Und als der Ball dann wieder rollte, waren auch die friedlichen Fans im Stadion wieder voll da: Sie feierten das Team von der Hafenstraße für seine kämpferische Leistung. Beim 1:0 der Rot-Weissen gab es kein Halten mehr, im VIP-Bereich erwischte eine Bierdusche sogar Innenminister Jäger. Dann allerdings das 1:1, das die Duisburger wieder ins Spiel brachte. Und am Ende verließen die Essener die Kräfte und die Nerven: Drei verschossene Elfmeter hintereinander machten den schönen Traum zunichte. Eine Strafe durch den Verband droht RWE nun obendrein.