Stadtplanung

In den Kita-Streit im Eltingviertel kommt Bewegung

Die Anwohner-Initiative im Eltingviertel bringt dieses freie Grundstück an der Süderichstraße als Standort für eine Kita ins Spiel. Der Grundstückseigentümer zeige sich dem gegenüber aufgeschlossen.

Die Anwohner-Initiative im Eltingviertel bringt dieses freie Grundstück an der Süderichstraße als Standort für eine Kita ins Spiel. Der Grundstückseigentümer zeige sich dem gegenüber aufgeschlossen.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Die Pläne des Wohnungsunternehmens Vonovia für eine Kita im Eltingviertel stehen vor dem Aus. Anwohner bringen eine Alternative ins Spiel.

Kommt doch noch Bewegung in den Bau einer so dringend benötigten Kindertagesstätte im Eltingviertel? Das Vorhaben des Wohnungsbauunternehmens Vonovia, das gerne eine Kita auf dem Ostermannplatz errichten würde, steht, wie berichtet, vor dem Aus. Der von Platanen umsäumte Platz ist ein bei Anwohnern beliebter Treffpunkt im Viertel. Auch Grün und Gruga hält die Freifläche für unverzichtbar. Nun lenkt eine Anwohner-Initiative den Fokus auf eine Freifläche ganz in der Nähe.

Es handelt sich dabei um ein unbebautes ehemaliges Kirchengrundstück an der Süderichstraße/Ecke Karolinger Straße. Die städtische Planungsverwaltung hatte es als eine denkbare Alternative zum Ostermannplatz genannt. Der Haken: Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz. Die Anwohner-Initiative, die sich für den Erhalt des Ostermannplatzes engagiert, suchte den Kontakt zu dem Besitzer, der im Ausland lebt. Mit Erfolg.

Anwohner sind von Alternative zum Vorschlag von Vonovia begeistert

„Es war ganz einfach. Wir haben über Whatsapp kommuniziert“, berichtet Anwohner Roland Wulftange, der für die Initiative spricht. Der Grundstückseigentümer habe sich sehr aufgeschlossen gegenüber dem Wunsch nach einer Kindertagesstätte gezeigt. Zwei Mal sei er selbst vor Ort gewesen. Inzwischen liege ein Architekten-Entwurf für eine Kita vor. Im Eltingviertel seien alle begeistert. Wird der Streit um die Bebauung des Ostermannplatzes also bald beerdigt?

Ronald Graf, Leiter des Planungsamtes und Chef der Bauordnungsbehörde, äußert sich zurückhaltend. Für das Grundstück an der Süderichstraße liege der Stadt bislang weder ein Bauantrag vor, noch eine Bauvoranfrage. Ob die Vorstellungen des Eigentümers und potenziellen Investors die planungsrechtlichen Vorgaben erfüllen, bleibt also vorerst offen.

Und: Für eine Kita mit vier Gruppen, wie sie Vonovia auf dem Ostermannplatz plant, wäre die Fläche an der Süderichstraße augenscheinlich nicht groß genug. Planungsrechtlich seien bis zu drei Gruppen möglich, heißt es von Seiten der Verwaltung. Aus Sicht des Jugendamtes wäre eine Kita auf dem ehemaligen Kirchgrundstück eine Ergänzung, aber keineswegs ein Ersatz.

Vonovia hält wohl auch deshalb an seinem Vorhaben für eine Kita auf dem Ostermannplatz fest. Eine Bauvoranfrage hatte die Stadt schließlich positiv beschieden. Dass es nun doch nicht möglich sein soll, auf dem Ostermannplatz zu bauen, können sie bei Vonovia nicht nachvollziehen. Alle Fragen seien im Vorfeld eigentlich geklärt gewesen, heißt es. Nicht zu vergessen: Das Wohnungsunternehmen ist Eigentümer des Grundstücks.

Grün und Gruga will die Freifläche in jedem Fall erhalten; der gültige Bebauungsplan sieht eine solche auf dem Ostermannplatz vor. Begründung: Nach einer Erhebung der Stadt gibt es im Nordviertel zu wenige Flächen, auf denen Kinder spielen können. Insbesondere der Bolzplatz wäre unwiederbringlich verloren. Dass heute noch einmal ein Bolzplatz inmitten eines Wohngebietes genehmigt würde, gilt als ausgeschlossen. Konflikte mit Anwohnern wären programmiert.

Bevor die Stadt den Bauantrag endgültig ablehnt, hat die Verwaltung Vonovia noch einmal Gelegenheit gegeben, Stellung zu nehmen. Das Unternehmen ist der Aufforderung nachgekommen. Es dürfte ein Austausch bekannter Argumente sein. Spekuliert wird darüber, ob Vonovia womöglich vor das Verwaltungsgericht zieht, um auf diesem Weg den Bau einer Kita auf dem Ostermannplatz zu erzwingen.

Schulleiterin wirbt eindringlich für Kita-Plätze im Viertel

Von Seiten der Stadt heißt es, Ziel sei es weiterhin, „eine gesamtstädtische Lösung“ zu finden, die allen Ansprüchen gerecht werde – „allen voran einer Lösung zur Schaffung neuer Kita-Plätze“. Nach den Osterferien will die Verwaltung der Politik entsprechende Alternativen vorstellen. Man darf gespannt sein.

Dass im Eltingviertel dringend Kita-Plätze her müssen, ist unstrittig. Betül Durmaz, Leiterin der Grundschule an der Beisingstraße, lässt daran keinen Zweifel. Bei Schuleingangsuntersuchungen fielen regelmäßig Kinder auf, die keinen Kindergarten besucht hätten. „Sie sind oft extrem verzögert in ihrer Entwicklung, was ihre Motorik angeht, beherrschen kein Deutsch oder haben noch nie einen Stift in der Hand gehalten.“ In den ersten sechs Lebensjahren hätten diese Kinder erkennbar keine Förderung von zu Hause erhalten. „Diese Mängel soll unsere Schule dann wettmachen“, beklagt Betül Durmaz.

Etwa jedes vierte Kind falle extrem auf. Auch wenn darunter Kinder seien, die eine Kita besucht hätten, gibt es nach Beobachtung der Schulleiterin und ihres Kollegiums einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsstand eines Kindes und dem Besuch eines Kindergartens. „Wir sehen hier jedenfalls jedes Jahr, wie fatal es für die Entwicklung der Kinder ist, wenn Kita-Plätze fehlen“, betont Betül Durmaz. „Wir als Grundschule benötigen dringend eine Kita in der Nähe.“

>>>DAS ELTINGVIERTEL

  • Das Eltingviertel grenzt an die nördliche Innenstadt. Städtebaulich war das Viertel lange Zeit in Vergessenheit geraten. Das Wohnungsunternehmen Vonovia, dem zahlreiche Häuser im Eltingviertel gehören, investiert in seinen Bestand.
  • Eine Aufwertung dürfte das Viertel auch durch den Energiekonzern RWE erfahren, der dort einen neuen Campus baut.

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