Schultoiletten

In Essen-Frohnhausen explodieren Kosten bei WC-Sanierung

Die Dependance der Gervinusschule an der Frohnhauser-/Diergardtstraße.

Die Dependance der Gervinusschule an der Frohnhauser-/Diergardtstraße.

Foto: Rüdiger Hagenbucher

Essen-Frohnhausen.  Jahrelang kämpften Lehrer und Eltern für neue Toiletten an der Diergardtschule. Jetzt ziehen sich die Arbeiten hin und die Kosten explodieren.

Jahrelang haben Eltern und Lehrer für die Sanierung der Toiletten an der Diergardtschule an der Frohnhauser Straße, dem zweiten Standort der Gervinusschule in Frohnhausen, gekämpft. Offenbar berechtigt, denn die Stadt setzte die Instandsetzung bereits vor vier Jahren auf ihre Arbeitsliste. Doch seitdem hat ein kompletter Jahrgang seine Grundschulzeit mit einer WC-Baustelle verbracht. Und die Sanierung verzögert sich nicht nur bis ins kommende Frühjahr, sondern wird auch erheblich teurer als geplant: Der Rat muss jetzt Gesamtkosten in Höhe von 558.000 Euro absegnen, 355.000 Euro mehr als bei Baubeginn veranschlagt.

In Essen-Frohnhausen wollte die Stadt in Eigenregie arbeiten

Das Immobilienmanagement der Stadt hat auf Eigenregie gesetzt, um die Toiletten an drei Schulen zu erneuern: in Bochold an der Höltingschule, in Horst am Abzweig Schule am Hellweg sowie an der Diergardtschule. Ausdrücklich mit dem Ziel, „keine Baunebenkosten anfallen“ zu lassen. Doch in Frohnhausen ging das schief. Denn schon kurz nach Baubeginn im April 2017 stießen die Bauarbeiter bei der Entkernung auf eine faustdicke Überraschung: Der Flachbau verfügt über einen Keller, dessen „Zugänglichkeit vorher nicht gegeben war“, wie es umständlich in der Vorlage für die Kommunalpolitiker heißt.

Die Baustelle musste daher „wegen „gravierender statischer Baumängel“ stillgelegt werden. Gleichzeitig stiegen die Baukosten zu diesem Zeitpunkt auf 320.000 Euro, also mehr als das Doppelte. Der Rat musste im März 2018 zustimmen.

Für die Schulkinder wurden derweil Container auf dem Schulhof ausgebaut. „Das ist ein Provisorium, das zu akzeptieren ist. Aber es hat uns eingeschränkt“, sagt Rainer de Nuccio, der seit knapp einem Jahr die Schule leitet. „Im Sommer ist es darin 40 Grad heiß, und im Winter friert man am Klodeckel fest.“

Baufirma musste die Statik neu berechnen

Um weiter arbeiten zu können, musste die Baufirma die Statik neu berechnen. Doch dank der Auslastung im Baugewerbe fand sie dafür keine Zeit, so dass die Prüfung der Statik erst im November 2018 abgeschlossen werden konnte. Aber damit noch nicht genug: „Durch das Bekanntwerden der Bauschäden hat sich eine komplett neue Raumaufteilung und Baukonstruktion ergeben“, teilt die Stadtverwaltung weiter mit. Liest sich wie: „Neubau“.

Anfang 2019 wurde dann die Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft (EABG) mit den weiteren Arbeiten beauftragt, die im Sommer letzten Jahres fortgesetzt werden konnte.

Gute Konjunktur lässt die Preise nach oben schießen

Nun werden weitere 229.000 Euro benötigt, um alles – vom Dach bis zur Beleuchtung, von der Trinkwasserleitung bis zu Tischlerarbeiten – überarbeiten zu können. Damit läuft den Kalkulatoren aber die Zeit davon: „Auch die gestiegenen Preise aufgrund der starken Konjunkturlage sind ein wesentlicher Bestandteil der Mehrkosten.“

Wenn jetzt nichts mehr schiefgeht und das Wetter mitspielt, dann sollen die neuen Toiletten im 2. Quartal diesen Jahres endlich fertiggestellt sein. Vielleicht erfahren die Kinder des 4. Jahrgangs doch noch vor ihrem Schulwechsel, wie moderne Toiletten aussehen. . .

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