NRW-Tag

Keine Stadt wollte NRW-Tag ausrichten: Land überredete Essen

Ob Ruhr Games, Zechenfest oder – wie hier im Bild – die Extraschicht: Die Zeche Zollverein ist eine beliebte Kulisse für große Feste. Hier soll auch der NRW-Tag 2018 gefeiert werden.

Foto: Ulrich von Born

Ob Ruhr Games, Zechenfest oder – wie hier im Bild – die Extraschicht: Die Zeche Zollverein ist eine beliebte Kulisse für große Feste. Hier soll auch der NRW-Tag 2018 gefeiert werden.

Essen.  Seit 2013 suchte das Land einen Bewerber für den NRW-Tag 2018 – und fand keinen. Am Ende sprach man Essen an, das nun an der Bewerbung arbeitet.

Die Nachricht sorgte für Debatten: Erstmals soll das Stadtfest Essen Original dieses Jahr nicht in der City veranstaltet werden, sondern auf Zollverein. Dort finde ja auch der NRW-Tag statt, argumentierte der Geschäftsführer des Essen Marketing Gesellschaft (EMG) Richard Röhrhoff. Allerdings hat sich die Stadt offiziell noch nicht für das prominente Fest beworben, auch Kostenfragen sind noch offen. Den Zuschlag dürfte Essen auf jeden Fall erhalten: Keine andere Stadt will den NRW-Tag ausrichten.

Dabei hatte die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bereits im März 2013 sämtliche 427 Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister des Landes aufgefordert, Bewerbungen für die NRW-Tage 2016, 2018 und 2020 abzugeben. Mit dem Bürgerfest wird seit 2006 der Landesgeburtstag gefeiert, erst jährlich, nun alle zwei Jahre. Selbst dieser Turnus scheint zu ambitioniert: Mit Düsseldorf und Arnsberg gab es nur zwei Bewerber – für 2016. Als die Landeshauptstadt dafür den Zuschlag bekam, mochte Arnsberg nicht auf ein anderes Jahr weichen.

Plötzlich fiel auf, dass es keine Ausrichter fürs Fest gibt

Ein paar Jahre und einen Regierungswechsel später, fiel der neuen Landesregierung auf, „dass noch keine Ausrichter für die folgenden NRW-Tage feststehen“, heißt es aus der Staatskanzlei. Mangels freiwilliger Kandidaten wählte man nun die Überredung: Am Rande des Sommerkonzerts der Landesregierung im Juli 2017 „wurde der Gedanke entwickelt“, die Stadt Essen solle prüfen, das Fest auszutragen.

Essen reagierte eher zögerlich: Erst Ende Dezember 2017 bekundete Oberbürgermeister Thomas Kufen in einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet „grundsätzliches Interesse“, den NRW-Tag auszurichten, und regte an, ein Konzept zu erarbeiten. Anfang Januar stimmte Laschets Haus zu.

Land steuert 500 000 Euro bei, Stadt plant Programm

Stadtsprecherin Silke Lenz sagt dazu, die Stadt habe Interesse am NRW-Tag „im Zusammenhang mit dem Ende des Steinkohlebergbaus einerseits und dem Start in die Grüne Dekade“. Im Februar habe der Ältestenrat zugestimmt, nun werde ein Konzept erarbeitet. Der Rat befasse sich wohl in der März-Sitzung mit dem Thema. „Eine Entscheidung ist also noch nicht getroffen.“

Dabei dürfte auf die Stadt noch viel Arbeit zukommen: So erklärt die Staatskanzlei, „die Gesamtprogrammplanung liegt bei der Ausrichterkommune“; das Land bringe aber eigene Programmpunkte ein und beteilige sich mit 300 000 Euro an den Kosten der Kommune. Weitere 200 000 Euro gebe es für das eigene Programm aus.

„Zollverein wird als Kulisse gute Bilder liefern“

Wie hoch die Kosten für die Stadt sind, kann die mit dem Konzept betraute EMG noch nicht beziffern. Geschäftsführer Röhrhoff betont zwar, dass das Land den größeren Anteil trage.„Aber wenn wir mit Essen Original und NRW-Tag zwei Veranstaltungen machten, bekämen wir ein Finanzierungsproblem.“ So sei die Idee geboren worden, beide Feste zusammenzulegen und das Essen-Original-Budget („ein kleiner sechsstelliger Betrag“) einzubringen.

„Wir haben das Thema sehr spät bekommen“, sagt Röhrhoff. Daher liege dem Land noch keine Bewerbung vor. Doch nächste Woche werde man die Pläne für das Fest, zu dem traditionell auch Ministerpräsident und Kabinett kommen, im EMG-Aufsichtsrat vorstellen. „Ostern ist das über die Bühne“, sagt Röhrhoff selbstbewusst. Bis zum NRW-Tag im August bleiben dann noch fünf Monate – bisherige Ausrichter hatten mehr Vorlauf.

Röhrhoff schreckt das nicht, und ob die Bewerber Schlange gestanden hätten, müsse allenfalls das Land kümmern. Für ihn gelte: „Die Story ist gut – und Zollverein wird als Kulisse gute Bilder liefern“.

>>>> BÜRGERFEST ZUM GEBURTSTAG VON NRW

2006 feierte Nordrhein-Westfalen sein 60-jähriges Bestehen mit einem Bürgerfest in Düsseldorf: der erste NRW-Tag. Seither wird der Landesgeburtstag in wechselnden Städten gefeiert.

NRW-Tage fanden bisher statt in: Paderborn (2007), Wuppertal (2008), Hamm (2009), Siegen (2010), Bonn (2011), Detmold (2012), Bielefeld (2014) und Düsseldorf (2016).

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