Kino

Kerkeling-Star Julius Weckauf dreht jetzt mit Otto Waalkes

Julius Weckauf beim Besuch in der Essener Lichtburg. Das historische Ambiente gefällt ihm – „so richtig alte Leuchten statt LED“.

Julius Weckauf beim Besuch in der Essener Lichtburg. Das historische Ambiente gefällt ihm – „so richtig alte Leuchten statt LED“.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Warum Julius Weckauf, der kleine Kerkeling aus „Der Junge muss an die frische Luft“, gern Brot backt und am liebsten mal einen Asi spielen möchte

Es dauert zwei Minuten, da hat Julius Weckauf das Publikum in der Essener Lichtburg um den Finger gewickelt. „Man hat mir gesagt, das sei hier Seniorenkino. Aber wo sind denn hier Senioren? Hier sind doch alle topfit“, umgarnt der Elfjährige seine Zuschauer im schönsten rheinischen Humoristenton. Applaus für einen Jungschauspieler, der als Miniausgabe des Entertainers Hape Kerkeling in der Verfilmung „Der Junge muss an die frische Luft“ den größten deutschen Kinoerfolg seit Jahren eingefahren hat. Vor knapp zehn Monaten hat er in Essen die Welturaufführung gefeiert. An diesem sonnigen Nachmittag ist er noch einmal gekommen, um über den Film zu sprechen. Schon im Frühjahr soll die nächste Premiere mit Julius Weckauf in der Lichtburg gefeiert werden.

„Enkel für Anfänger“ heißt das neue Werk. Darin spielt Julius an der Seite von Maren Kroymann und Barbara Sukowa eine hyperaktive Betreuungs-Herausforderung für Leih-Großeltern. Außerdem hat er in der Kinobiografie „Lindenberg! Mach Dein Ding!» über die jungen Jahre Udo Lindenbergs eine Nebenrolle. Und Anfang 2020 steht der Elfjährige dann mit Spaßmacher Otto vor der Kamera. Julius Weckauf noch eine Entdeckung zu nennen, ist in Anbetracht der Nachfrage schon eine Untertreibung. Seit Heintje hat vielleicht kein Kinderstar mehr so die Herzen einer Nation gerührt. So präsent und gleichzeitig natürlich, so wirkungsbewusst und dabei doch unbefangen, dass inzwischen über 3,5 Millionen Menschen ins Kino gepilgert sind, um einem kleinen Jungen dabei zuzuschauen, wie er die Dramen des Lebens mit Petersilienschnauzbart und Prinzessinnenkrönchen weglacht.

So kommt derzeit ein Projekt zum anderen und für Julius kommt das gerade recht. Er mag die Filmarbeit, vor allem wegen der Drehpausen, „weil man da quatschen kann“. Und weil das Catering längst weiß, wie man Julius erfreuen kann: Wassermelone und ab und an ein Teller Gummibärchen. Vier Kilo mehr hat er als Pummelchen Hans-Peter noch auf den Rippen gehabt. Die sind längst wieder weg. Julius streicht sich über den flachen Bauch: „Nur im Freibad erkennen sie mich manchmal und sagen: Guck mal, das ist der pummelige Junge aus dem Film.“

Statt Gummibärchenfuttern pflegt Julius zu Hause inzwischen auch ein ganz anderes Hobby: Brot backen. Auf seinem Instagram-Account präsentiert der Elfjährige den Followern deshalb auch keine coolen Bildchen vom aktuellen Dreh, sondern Stuhllenkreationen samt Rezept: Nussbrot, Baguette und Dinkelvollkorn. Sehr viel mehr Kinofans wollen allerdings noch wissen, wie dieser phänomenale Kinderdarsteller nach seinem großen Durchbruch zurück in den Alltag gefunden hat .

„Alles ganz gechillt“, erklärt Julius. Ab und an signiert er nach den Hausaufgaben im Schreibwarenladen seiner Eltern ein paar DVD für Kunden. Zwischendurch geht er zu Filmpreisverleihungen und moderiert bei Galas wie der „Lola“ mal eben die erwachsenen Kollegen an die Wand. Beim Seattle International Film Festival wurde er sogar zum besten Darsteller gekürt. „Da bin ich ausgeflippt“, lächelt Julius und es klingt doch so herrlich selbstverständlich, als würde er über eine ziemlich geglückte Mathearbeit reden. In seinem Kinderzimmer stehen die Trophäen auf dem Sideboard, der Recklinghäuser „Hurz“ neben der österreichischen „Romy“. „Aber das sind ja Nachwuchspreise“, erklärt Julius. Will heißen: Der Blondschopf mit dem Entertainmentgen hat noch einiges vor.

Dass die Schauspielerei sein Ding ist, davon ist Julius momentan überzeugt. Und wer ihn fragt, welche Rolle er gerne mal spielen würde, bekommt eine überraschende Antwort. „Ich weiß, ich seh nicht so aus, aber ich würde unheimlich gerne mal ein Asi sein“, grinst der Fünftklässler schelmisch. Noch besetzen ihn die Regisseure allerdings lieber als Bilderbuch-Enkel, der mit Horst-Schlämmer-Jargon und Roy Black-Songs Zuschauer jeder Generation erreicht. Warum er so eine Leichtigkeit besitzt, mit Erwachsenen ins Gespräch kommt, dafür hat der Elfjährige eine einfache Erklärung. „Das liegt am Geschäft meiner Eltern.“ Früher hat er in den Sommerferien draußen vom Laden die Kartoffeln vom Bauernhof seines Großvaters verkauft und die Leute einfach angequatscht. Das lief so gut, dass der Opa bald beschlossen hat: „Wir müssen jetzt Hälfte Hälfte machen.“

Die Leute im elterlichen Schreibwarenladen waren es auch, die Simone und Bernd Weckauf damals auf das Casting und diese gewisse Ähnlichkeit mit Kerkeling hingewiesen haben. Dass Julius am Ende aus tausenden Bewerbungen ausgewählt wurde, hat das Leben in Jüchen-Hochneukirchen schon verändert, aber doch nicht zu sehr. Die Eltern begleiten ihren Sohn bei allen Auftritten. Inzwischen kümmert sich auch eine Agentin um die vielen Angebote, die den gefragten Kinderstar erreichen. Und es gibt Regeln. Privates soll privat bleiben. Und die besten Freunde sind ohnehin die, die eigentlich gar nicht übers Filmemachen reden, findet Julius.

In der großen Pause bleibt er lieber Zuschauer, wenn seine Klassenkameraden draußen toben. Das ganze Rumrennen und Schubsen, dieses ruppige Jungsding liegen ihm nicht. „Nur beim Sprücheklopfen traut sich keiner gegen mich“, grinst Julius. Und man glaubt es ihm aufs Wort, als er wieder raus geht, ins Kino, um dem Publikum noch mal tschüs zu sagen. „Die meisten Fanzuschriften“, verrät Papa Bernd Weckauf, „kommen derzeit von älteren Damen.“

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