Kettwiger Ruhraue

Altarm der Ruhr in der Kettwiger Aue soll reaktiviert werden

Durch die Reaktivierung des Altarms der Ruhr entsteht eine Insel, die Flora und Fauna Schutz bietet.

Foto: Ingolf Hahn

Durch die Reaktivierung des Altarms der Ruhr entsteht eine Insel, die Flora und Fauna Schutz bietet. Foto: Ingolf Hahn

essen-Kettwig.   1,8 Millionen Euro kostet die Maßnahme: In der Kettwiger und Mintarder Ruhraue werden bis Frühjahr 2019 30 Hektar naturnah umgestaltet.

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Das Rotkehlchen hüpft immer näher heran. Jürgen Klingel von der Bezirksregierung Düsseldorf lächelt und verspricht: „Auch für dich tun wir was.“

Die Ruhr, nach der eine ganze Region benannt ist, fließt gemächlich und träge im Hintergrund. An vielen Stellen erheblich verändert durch Wehre und Staustufen. Schiffbar gemacht, begradigt, förmlich eingemauert. Das soll jetzt anders werden, sagt Klingel: „Wir möchten die Ufer entfesseln.“

Rund 30 Hektar werden aufgewertet

Die naturnahe Umgestaltung in der Kettwiger und Mintarder Aue ist wesentlicher Bestandteil dieser Planung. Rund 30 Hektar werden ab Juni aufgewertet – die Maßnahme wird im Frühjahr 2019 beendet sein und 1,8 Millionen Euro kosten. Finanziert wird sie über das Wasserentnahme-Entgelt.

„Wir führen hier europäisches Recht durch. Seit 2000 ist die Aufwertung der Gewässerqualität EU-Gesetz“, sagt Jürgen Klingel. Bis 2027 sollen Flüsse, Bäche und Seen wieder zu Lebensadern der Natur werden, wurden überprüft auf Schadstoffe, Anzahl der Fische, Kleinstlebewesen und Pflanzen: „Wir haben hier zwar eine gute Wasserqualität, aber von den Strukturen her ist die Ruhr in keinem guten Zustand. Wir müssen die Artenvielfalt verbessern.“

Artenvielfalt soll verbessert werden

Zum Beispiel habe sich hier der Eisvogel nicht mehr zum Brüten niedergelassen. Doch wenn die Uferbereiche naturnaher gestaltet sind, siedelten sich auch ursprünglich heimische Tiere wieder an. Jürgen Klingel ist Optimist.

Der alte „Ruhrspiek“ ist versandet, soll zu neuem Leben erweckt werden. Er wird durch eine 900 Meter lange und bis zu acht Meter breite Wasserrinne verlängert werden. Die dadurch entstehende Insel bietet Flora und Fauna Schutz. Auentypische Bäume wie Weide, Schwarzerle und Esche halten das Ufer. Der anfallende Ruhrschotter wird als vegetationsarme Fläche gestaltet, als ideale Fortpflanzungsstätte für Flussregenpfeifer und Kiebitz: „Diese Tiere und ihr Gelege sind im Kies praktisch nicht mehr zu sehen.“

Ideales Laichgebiet auch für den Aal

Die Befestigung des Ruhrufers soll entfernt und das dann flachere Ufer auf unterschiedliche Arten modelliert werden. Auch hier dient Ruhrschotter der Fortpflanzung. Sogenannte „Kieslaicher“ wie Forelle, Nase, Hasel oder Äsche finden ideale Bedingungen, da Eier und Jungfische sich in den durchströmten Zwischenräumen ungestört entwickeln können. Der neu geschaffene Nebenarm wartet auf Schleien oder Barben: „Und wir hoffen auf den Aal.“

Wanderfische wie Aal und Lachs dringen schon seit einigen Jahren bis Mülheim vor und laichen dort. Auf ihrem weiteren Weg flussaufwärts sind jedoch Stauwehre zu überwinden. Am Baldeneysee wird daher ein Hydro-Fischlift gebaut. Die Fische werden durch eine künstliche Gegenströmung in Körbe gelockt, die sie dann nach oben hieven. Weiter geht es dann zu den Laichgründen. Funktioniert der Prototyp, könnte so ein Lift auch am Kettwiger Wehr gebaut werden.

Das nördliche Ruhrufer am Leinpfad soll ebenfalls „entfesselt“ werden, beginnend von der Kläranlage in Richtung Mülheim. Jürgen Klingel: „Es geht ja auch darum, was wir unseren Enkeln und Urenkeln hinterlassen.“

Ordnungsamt wird seine Kontrollen verstärken

Die Maßnahme begann mit vorbereitenden Rodungsarbeiten, die wegen der Nist- und Brutzeit bis zum 1. März beendet sein mussten. Die Fällungen im alten Naturschutzgebiet stießen auf Kritik. Experten bezeichnen die Baumfällung aber als geringen und notwendigen Eingriff. Neben der östlichen Anschüttung wird eine zusätzliche Flutmulde geformt. Diese dient neben der ökologischen Aufwertung auch dazu, Spaziergängern den Zugang zu erschweren.

Denn auf der benachbarten offiziell ausgewiesenen Hundewiese dürfen Hunde zwar toben, aber nicht jeder respektiert das Naturschutzgebiet. Freilaufende Hunde jagen dort Kraniche, Rehe oder Schwäne; im Sommer wird gefeiert und gegrillt, der Müll bleibt liegen. Dabei ist es streng verboten, die Wege zu verlassen oder Hunde frei laufen zu lassen. Das Ordnungsamt wird seine Kontrollen verstärken. Bei Verstößen können Bußgelder bis zu 400 Euro verhängt werden.

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