Soziales

Heidhauser Fachklinik „Die Fähre“ zieht im Frühjahr 2018 um

Wollen die Fachklinik sichern (v.l.): Stefan Sobotta (Leiter), Markus Frieling (Geschäftsführung Contilia) und Dr. Harald Pfannkuch (Geschäftsführer GBS).

Wollen die Fachklinik sichern (v.l.): Stefan Sobotta (Leiter), Markus Frieling (Geschäftsführung Contilia) und Dr. Harald Pfannkuch (Geschäftsführer GBS).

Foto: Uwe Möller

Essen-Heidhausen.   Die Einrichtung für Suchtkranke stellt zum 31. März den Betrieb in Heidhausen ein. Der Pachtvertrag läuft Ende 2018 aus. Das sind die Pläne.

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Der Nebel wabert über den Wiesen, Dr. Harald Pfannkuch lässt den Blick schweifen. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für den Betrieb von Sozialeinrichtungen (GBS) schwärmt: „Dieser Ort hat seine ganz eigene Magie.“ Die Suchtfachklinik Am Korstick schwebt förmlich über Heidhausen. Mitten im Grünen, eine ideale Insel der Ruhe, aber doch stadtnah. Dieser Standort wird aber nun aufgegeben, zum 31. März stellt „Die Fähre“ mit ihren 36 Behandlungsplätzen den Betrieb ein.

Dieses paradiesische Fleckchen Erde hat eine durchaus bewegte Geschichte: Einst stand hier im „Luftkurort Heidhausen“ das sogenannte Leichtkrankenhaus der Firma Krupp. Die hart arbeitenden Kruppianer sollten die saubere Luft genießen dürfen. Durch Vermittlung von Berthold Beitz übernahm 1980 die Suchthilfeeinrichtung die „Fähre“. 1987 wurde die Fachklinik gegründet, 2002 durch die GBS übernommen und als gemeinnütziger Träger an zwölf Standorten in fünf Bundesländern breit aufgestellt. Die Gesellschaft feierte 2016 ihr 20-jähriges Bestehen in Heidhausen.

Im nahen Velbert wird zurzeit die sozialtherapeutische GBS-Einrichtung „Gut Stock“ für rund drei Millionen Euro umfassend und aufwändig saniert. Der Standort Heidhausen hatte eine gute Auslastung: Mit der Übernahme durch GBS ging es steil bergauf, durch die Arbeit des ärztlichen Leiters Stefan Sobotta und eine enge Kooperation mit der zuständigen Deutschen Rentenversicherung stiegen die Zahlen und auch die Qualität.

Topographie gab den Ausschlag

Doch das Auslaufen des Pachtvertrages zum Ende 2018 setzte bei der GBS einen Denkprozess in Gang, so Pfannkuch: „Wir nahmen dies zum Anlass, die zukünftige Ausrichtung unserer Angebote auf den Prüfstand zu stellen.“ Eine aktuelle Abnahme der Vermittlungen durch die Rentenversicherung, aber besonders die topographischen Gegebenheiten gaben den Ausschlag: „Hier besteht nun mal keine Möglichkeit einer Barrierefreiheit. Und es ist doch sehr abgelegen. Wir brechen also das insulare System auf und öffnen uns stadtbezogen.“

Die entstandenen Parallelstrukturen wurden als nicht mehr zeitgemäß befunden. Durch Kooperationen mit anderen Leistungsträgern können Abläufe für die Nutzer verbessert und leichtgängiger gemacht werden. Da lag es nahe, Gespräche mit einem Partner zu führen, dessen Kernkompetenz ähnlich und ergänzend definiert ist.

Contilia-Gruppe als Partner

So kamen die Contilia-Gruppe und Markus Frieling ins Spiel. Er ist Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel, die 2013 die nur unweit gelegene Fachklinik Kamillushaus mit ihren insgesamt 115 Therapieplätzen vom Kamillianerorden übernommen hatten. 30 Betten sind dem qualifizierten Entzug vorbehalten, 85 Plätze sind zur stationären Rehabilitation und ganztägig-ambulanten Therapie. Mit einer Belegung von 96,5 Prozent liegt dies weit über dem bundesweiten Schnitt.

Der dunkelrote Klinkerbau war 1901 die erste katholische Heilstätte in Deutschland, die sich der Sorge alkoholabhängiger Menschen widmete. Markus Frieling weiß um diese lange Tradition: „Wir haben bewusst kräftig investiert in den Standort. Sowohl baulich als auch inhaltlich. So kam mit Chefärztin Dr. Wibke Voigt zur Alkoholsucht das Thema Trauma dazu. Zukünftig könnten noch Spiel- und Internetsucht folgen. Auch könnten wir uns vorstellen, weitere Plätze zu schaffen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

Angebote bleiben erhalten

Nichts sollte wegfallen, die Angebote auf dem gewohnt hohen Niveau erhalten bleiben. GBS und Contilia-Gruppe wollen gemeinsam an einer weiteren Optimierung des Essener Hilfesystems für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen arbeiten.

Das bedeutet: Alle bestehenden Angebote von GBS und Contilia-Gruppe werden beibehalten und sogar noch ausgebaut. Im Rundumangebot des Suchthilfeverbandes „Die Fähre“ arbeiten zurzeit 50 fest angestellte Mitarbeiter sowie zahlreiche ehrenamtliche Helfer. Die zunächst verbleibenden Einrichtungen wie das therapievorbereitende „Beschützte Wohnen“, die Arbeitsprojekte und der Suchtnotruf werden bis zum 31. Dezember vor Ort fortgeführt, ab dem 1. Januar 2019 dann an einem neuen Standort in Essen weitergeführt.

Das Heidhauser Gelände selbst ging von Thyssen-Krupp zur Thelen-Gruppe über, auch hier wird man sich Gedanken über die Zukunft dieses Ortes mit der „ganz eigenen Magie“ machen.

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