Naturschutz

Icktener Bürger kämpfen weiter für den Erhalt ihres Bachtals

Heribert Pohland (l.) und Gunter Zimmermeyer (2. v.l.) mit weiteren Mitstreitern der Interessengemeinschaft Icktener Bachtal vor dem aufstrebenden kleinen Wald. Edgar Strobl (2. v.r.) hat auf dem ehemaligen Tennisgelände zahlreiche Tierarten entdeckt, die sich angesiedelt haben.

Heribert Pohland (l.) und Gunter Zimmermeyer (2. v.l.) mit weiteren Mitstreitern der Interessengemeinschaft Icktener Bachtal vor dem aufstrebenden kleinen Wald. Edgar Strobl (2. v.r.) hat auf dem ehemaligen Tennisgelände zahlreiche Tierarten entdeckt, die sich angesiedelt haben.

Foto: Julia Tillmann

Essen-Kettwig.  Die Umwidmung des Landschaftsschutzgebietes in Baugrund hat die IG Icktener Bachtal nicht entmutigt. Die Akteure wollen weiter kämpfen.

Der Kettwiger Panoramasteig ist seit gut einer Woche eröffnet. Der Rundweg bietet mit rund 34 Kilometern jeweils nördlich und südlich auf den Ruhrhöhen zwischen Werden und Kettwig viele Naturerlebnisse für die Wanderer. Ein Teil der Route führt durch das Icktener Bachtal, an der ehemaligen Tennisanlage vorbei, deren Areal nach den Plänen der Stadt bald Baustelle werden soll.

„Als der Sauerländische Gebirgsverein vor ein paar Wochen den Auftrag von der Unteren Naturschutzbehörde bekommen hat, hier den Weg freizuschneiden, haben wir uns einerseits gefreut, andererseits auch gewundert“, erzählt Gunter Zimmermeyer von der Interessengemeinschaft (IG) Icktener Bachtal. Denn das Hinweisschild zum Panoramasteig mit der typischen rotgeschlängelten Linie und dem blauen Strich ist genau am Treppengeländer befestigt, auf dem es zur ehemaligen Tennisanlage hinuntergeht.

Vernetzung mit anderen Bürgerinitiativen in der Stadt

Natürlich werde nicht schon in einem Monat ein Bagger anrollen, „aber wir fragen uns schon, wie das beides funktionieren soll“, sagt IG-Mitglied Heribert Pohland mit einer gewissen Ironie in der Stimme. Schließlich habe der Rat der Stadt Essen im Dezember eine Änderung des Regionalen Flächennutzungsplanes (RFNP) beschlossen. Damit wurde der Landschaftsschutz für die Fläche aufgehoben und der Weg frei für die Stadtverwaltung, um einen Bebauungsplan aufzustellen.

Gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes hatten die IG Ickten und andere Kettwiger Bürger im Offenlegungsverfahren Einspruch eingelegt. Neben Unterschriftenlisten wurden die Icktener auch bei Demonstrationen vor dem Rathaus aktiv. Im Herbst 2019 schlossen sich die Icktener dann mit den anderen Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften im Stadtgebiet zusammen, die ebenfalls für den Erhalt von Freiflächen im Essener Stadtgebiet kämpfen.

Anwohner schließen Klageweg nicht aus

Trotzdem einige Politiker und der Beirat Untere Naturschutzbehörde auf ihrer Seite standen und die Pläne ablehnten, mussten die Icktener im Kampf für den Erhalt des Landschaftsschutzes im Bachtal, den sie seit 2017 führen, eine Niederlage einstecken. Was sie allerdings nicht entmutigt habe, bekräftigt IG-Mitglied Edgar Strobl: „Wir haben weitere Optionen.“ Auch der Klageweg sei nicht ausgeschlossen.

Strobl ist regelmäßig auf dem Gelände unterwegs und hat mehrere geschützte Tierarten entdeckt. „Feuersalamander und Blindschleichen haben sich zum Beispiel angesiedelt.“ Unübersehbar, ergänzt Gunter Zimmermeyer, sei die üppige Vegetation, die vergessen ließe, dass sich darunter Ascheplätzen befinden: „Es ist ein richtiger kleiner Wald entstanden.“

Entwässerungsproblem ist noch immer ungelöst

Ein Wald, der drei Häuser mit 25 bis 30 Wohneinheiten Platz machen soll. Bis zu sieben Geschosse sollen sich am Hang bis zur Icktener Straße hinauf ziehen, „die selbst die Bestandsbauten überragen werden“, so Zimmermeyer. Doch nicht nur die Massivität der Häuser stößt auf den Widerstand der IG. Hinzu komme die ungelöste Entwässerung.

„Die Kanalisation des Schmutzwassers ist bei starkem Regen jetzt schon oft überfordert. Das Abwasser strömt ungefiltert in den Icktener Bach“, sagt Heribert Pohland. Unrat finde sich nicht nur an den Ablaufgittern, sondern auch im Geäst entlang des Gewässers wieder. Komme das Abwasser von bis zu 30 Wohneinheiten hinzu, sei das kein haltbarer Zustand mehr.

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