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Kettwiger Bildhauerwerkstatt „Freischlag“ startet mit Kursen

Mit einem Tag der offenen Tür ist die Bildhauerwerkstatt „Freischlag“ wieder in den Kursbetrieb gestartet. Zu sehen sind Kunstwerke früherer Teilnehmer.

Mit einem Tag der offenen Tür ist die Bildhauerwerkstatt „Freischlag“ wieder in den Kursbetrieb gestartet. Zu sehen sind Kunstwerke früherer Teilnehmer.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Kettwig.  Die Bildhauerwerkstatt „Freischlag“ ist seit fünf Jahren im Gewerbegebiet Kettwig-Süd etabliert. Nach Wochen des Stillstands starten neue Kurse.

Wer eine handwerkliche Ader hat und gerne kreativ tätig werden möchte, ist hier genau richtig. Anette und Lukas Lenzing haben ihre Bildhauerwerkstatt „Freischlag“ ganz am Ende des Gewerbegebietes Kettwig-Süd etabliert. Nach endlos scheinenden Wochen des Stillstands können nun wieder Kurse besucht werden.

Fast schon ein wenig versteckt am Bahndamm liegend, laden die Ateliers ein zum Besuch. Da Bildhauerei Dreck und Lärm macht, hat man sich bewusst für diese Lage entschieden, um ein störungsfreies Arbeiten zu ermöglichen.

Gearbeitet wird mit Marmor und Holz sowie Bronze und Ton

Vor fünf Jahren wagte das Paar den Sprung und eröffnete die Werkstatt. Eigentlich sollte das im März gefeiert werden, doch da geriet Corona dazwischen. So abrupt wie die Schließung kam die Lockerung: „Wir haben samstags erfahren, dass wir am Montag wieder aufmachen können.“ Sogleich wurde ein Tag der offenen Tür daraus. Groß war die Freude über einen entspannten Bummel durch die Ausstellung – trotz Abstands- und Hygieneregeln.

In den großzügigen Räumen beherbergen hohe Regale sich stapelnde Kunstwerke und Werkzeuge. Überall Steine wie Marmor, Alabaster, Serpentin und Travertin. Aber auch Bronze oder Ton. Und natürlich Holz, wie zum Beispiel Roterle, Kirsche oder Gingko. Es ist ein Spielen mit verschiedenen Anmutungen, mit Farbschattierungen, mit Maserungen. Polierte und raue Oberflächen.

Auch überrascht so mancher intelligente Materialmix, etwa bei „Gletschersee“ aus Speckstein und geschickt eingefügtem blauen Glas oder beim Pferdekopf „Wendy“ aus Holz mit Pelz-Applikationen.

Kursteilnehmer erlernen klassische Bildhauertechniken

Bei den Materialien bieten die Bildhauer größtmögliche Freiheit: „Es gibt Leute, die nur mit Holz arbeiten. Aber nach einer Zeit möchten viele sich auch mal mit Stein ausprobieren. Wir bieten eine Auswahl an Materialien an, man kann aber auch seine eigenen Steine mitbringen“, so Anette Lenzing.

Zum Einstieg geht es ums Erlernen der klassischen Bildhauertechniken sowie den professionellen Umgang mit traditionellen Werkzeugen wie Meißel, Beitel, Knüpfel oder Feile. Schon bald können erste Skulpturen aus weichem Baumberger Sandstein oder Vaaster Kalkstein entstehen: „Wenn man was haut, hat man direkt ein Ergebnis“, erklärt Lukas Lenzing. Bei gutem Wetter reizt die geräumige Freifläche zum Arbeiten in freier Natur. Also alles gut in diesem kreativen Paradies? Nun ja.

Ehrlich gibt Anette Lenzing zu: „Erst kleckerte alles ein wenig, dann aber wurde es. Doch bis man davon leben könnte, dauert es noch ein wenig. Aber es wird kontinuierlich besser.“ Die Lenzings haben einen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau, der sichert den Lebensunterhalt.

Präsentation bei der „Kunstspur“ im September geplant

Bei „Freischlag“ ist immer was los: So wird eine Sommerakademie über eine ganze Woche angeboten. Mitte September zur alljährlichen Atelier-Aktion „Kunstspur“ werden die Lenzings eigene Werke ausstellen. Sie präsentiert ihre Rauminstallationen und er seine gegenständlichen Holz- und Steinskulpturen. Im Oktober dann ein Highlight, zum Workshop „Akt modellieren in Ton“ ist das Profimodell Tanja Wilking aus München eingeladen.

Wer kommt denn so zu „Freischlag“? Sind Bildhauer mehr so der bodenständige Typ? Anette Lenzing hat da ihre Beobachtungen gemacht: „Es sind sehr viele Pädagogen dabei, auch Architekten. Etwa gleich viel Männer und Frauen, Altersstruktur so ab 40 Jahren aufwärts, aber immer auch Jüngere dazwischen.“ Bildhauerei sei schon speziell. Wer sich darauf einlasse, „ist doch eher handfest“. Die Leute seien auch in ihren Beziehungen stabil. „Das sind Menschen, die nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen.“

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