Nachtschicht am Stauwehr

Stauwart Frank Kiebeler macht in Kettwig Hochwasserdienst

Stauwart Frank Kiebeler an seinem Arbeitsplatz, im „Bauch“ des Kettwiger Wehrs.

Foto: Reiner Worm

Stauwart Frank Kiebeler an seinem Arbeitsplatz, im „Bauch“ des Kettwiger Wehrs. Foto: Reiner Worm

Kettwig.   Ob Weihnachten, Silvester oder Neujahr – wenn die Wehre in Kettwig oder am Baldeneysee geöffnet sind, arbeiten die Stauwarte rund um die Uhr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ist 22.30 Uhr und vor einer halben Stunde hat die Nachtschicht für Frank Kiebeler begonnen. Bis sechs Uhr in der Früh dauert sein Dienst in der „Kommandozentrale“ des Kettwiger Stauwehrs. An diesem Donnerstagabend ist alles ruhig. Zwischen den Jahren, zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel.

Insgesamt 24 Monitore zeigen die Schleusen am Baldeneysee und am Kettwiger Stausee aus verschiedenen Perspektiven. „Die Kettwiger Schleuse steuern wir mit den Monitoren auf Sicht – und irgendwann sollen wir auch von hier aus die Schleuse am Baldeneysee steuern“, sagt der 54-Jährige. Mit zwei Kollegen teilt er sich derzeit in Kettwig die Schichten, denn „wir machen Hochwasserdienst.“

Nikolausregatta musste abgesagt werden

Und das ist seit dem 10. Dezember so – da musste das Kettwiger Wehr geöffnet werden. An diesen Tag können sich auch die Verantwortlichen der Kettwiger Rudergesellschaft sicherlich noch gut erinnern, denn zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte musste das traditionelle Nikolausrudern abgesagt werden. 900 Ruderer sollten bei der 37. Auflage der Veranstaltung an den Start gehen, doch der Pegelstand in Hattingen hatte die kritische Marke von 3,58 Meter überschritten – „und dann muss die Schifffahrt komplett eingestellt werden“, sagt Frank Kiebeler. Dazu kamen noch heftige Schneefälle und starker Wind.

Von der Hochwasser-Marke war der Wasserstand am Freitag allerdings weit entfernt. Nur knapp drei Meter zeigten die Messgeräte an, aber „eine der drei Turbinen des Wasserkraftwerks der Kettwiger Schleuse ist momentan defekt. Und da diese Leistung ausfällt, müssen wir das mit dem geöffneten Wehr auffangen. Richtig dickes Hochwasser hatten wir hier schon lange nicht mehr. Hochwasser ist erst, wenn die Menschen, die in der Straße Zur Alten Fähre leben, zu schwitzen anfangen.“

In entspannteren Zeiten, wenn das Wehr komplett geschlossen ist, und der Wasserstand des Stausees auf dem gewünschten Niveau von knapp 43 Metern über Normalnull steht, arbeiten die drei Kettwiger Stauwarte immer von 7.20 bis 16.30 Uhr, und „dann müssen wir auch nicht ständig die Monitore im Blick haben, sondern können uns auch um die Wartung des Stauwehrs kümmern“.

Knallerei auf der Brücke war am Anfang schlimm

Seit 1998 hat Frank Kiebeler seinen ungewöhnlichen Arbeitsplatz quasi im Bauch des Kettwiger Wehrs, unterhalb der Ruhrbrücke, der Landesstraße 441. Wenn das Wehr geöffnet bleibt, wird er auch in der Silvesternacht Dienst machen. „Die Knallerei auf der Brücke war am Anfang schlimm. Die haben die Raketen quer über die Brücke geschossen oder gezielt in unser Boot, das in der Schleuse liegt. Aber in den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden.“

Heiligabend hatte der Kettwiger, der mit seiner Familie nur wenige Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt in einer Dienstwohnung lebt, Frühschicht. Am ersten Weihnachtstag musste er um 22 Uhr ran. Kein Problem, denn „ich mag die Arbeit hier. Man hat Verantwortung, es ist abwechslungsreich.“ Der gelernte Energieanlagen-Elektroniker mag es, „mit dem Kopf und mit den Händen arbeiten zu können.“ Und die 24 Monitore hat er immer im Blick.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik