Fridays for Future

Klimastreiktag in Essen will auf den Burgplatz ausweichen

Dirk Bussler (51) vom Konsumreform-Shop an der Viehofer Straße in Essen gehört zum Organisationsteam des Klimastreiktages am 20. September.

Dirk Bussler (51) vom Konsumreform-Shop an der Viehofer Straße in Essen gehört zum Organisationsteam des Klimastreiktages am 20. September.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Essener Fridays for Future-Team zwischen Hoffen und Bangen: Der Klimastreiktag am 20.9. könnte am Burgplatz stattfinden – das Okay fehlt noch.

Vor zehn Tagen herrschte noch Fruststimmung bei den „Fridays for Future“-Veranstaltern in Essen, weil sie sich mit ihrem Klimastreiktag am 20. September auf den Weberplatz und damit an den Rand der City verdrängt fühlten: Der gewünschte Willy-Brandt-Platz ist an diesem Tag mit einer Grüne-Hauptstadt-Aktion belegt, auf dem Kennedyplatz läuft der Aufbau der „Arche Noah“. Doch nun verkündet Dirk Bussler vom Organisationsteam: „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Bühne auf dem Burgplatz aufbauen können.“

Das habe die Essen Marketing Gesellschaft (EMG), die sich um Veranstaltungen auf dem Burgplatz kümmert, vergangene Woche signalisiert. Allerdings müssen noch einige Detailfragen geklärt werden: Darum sind die Klimastreiktag-Veranstalter am Mittwoch (11. September) zum Kooperationsgespräch mit der EMG und der für Versammlungen zuständigen Polizei gebeten worden.

Demonstranten sollen vor die RWE-Zentrale ziehen

Er hoffe sehr, dass es am Ende eine Zusage geben werde, sagt Bussler. Er arbeitet im Konsumreform-Shop an der Viehofer Straße und lebt auch um die Ecke; Vorbehalte gegen die nördliche Innenstadt wird man ihm kaum unterstellen können. „Aber der Weberplatz ist halt nicht so prominent wie der Willy-Brandt-Platz oder der Burgplatz. Und wir wollen uns ja nicht selbst feiern, sondern auch mit anderen Menschen in Dialog treten.“

Das könne am Burgplatz gut gelingen, wo die Veranstalter am 20. September von 10 bis 22 Uhr Programm bieten wollen: Geplant seien knappe Wortbeiträge mit Experten von Umweltinitiativen, Wetterdienst oder der Gewerkschaft Verdi, eine Demo bis vor die Zentrale des Energiekonzerns RWE – und Musik.

Am Abend sollen die 257ers auftreten

Als Topact sollen am Abend die 257ers auftreten, die bundesweit bekannten Hip-Hopper aus Kupferdreh: „Die können klimafreundlich anreisen, ohne ein Segelboot zu nehmen“, sagt Bussler in Anspielung auf Umweltaktivistin Greta Thunberg, die zum UN-Klimagipfel nach New York gesegelt ist. Die Musiker verzichteten auf ihre Gage, benötigten jedoch eine professionelle Technik plus Team. Um das zu finanzieren, werden noch Sponsoren gesucht.

Dass er altersmäßig gar nicht in eine Schülerbewegung passe, ficht den 51 Jahre alten Bussler nicht an. „Fridays for Future ist längst breiter aufgestellt.“ Seit einiger Zeit gebe es eine Vernetzung verschiedener Generationen und Initiativen sowie eine Professionalisierung der Bewegung mit Pressesprechern und „Welcome-Managern“, die neue Mitglieder an die Hand nehmen.

Eltern und Großeltern schließen sich der Schülerbewegung an

Er selbst fühle sich bei Fridays for Future gut aufgehoben, weil sein Konsumreform-Shop schon lange auf Nachhaltigkeit setze: Wer bei ihm ein Regal mietet, kann darauf aussortierte Gegenstände feilbieten, „die dadurch nicht auf dem Müll landen“. Und die Forderung, die Pariser Klimaziele von 2015 umzusetzen, liege nicht nur Jugendlichen am Herzen.

Den Spott, die Bewegung bröckle längst, will Bussler so nicht stehen lassen: Erstens laufe „Fridays for future“ seit vielen Monaten, da könne man nicht jeden Freitag mit dem maximalen Zulauf rechnen. „Zweitens kommen zu besonderen Aktionen wie der Demo vor der RWE-Hauptverwaltung immer zahlreiche Teilnehmer.“ Einen gleichen Effekt erhoffe er sich für den 20. September.

„Parents for Future“ schreiben an die Schulleiter

Dafür trommeln auch die Essener „Parents for Future“, die jetzt zum zweiten Mal einen Offenen Brief an die Leitungen der weiterführenden Schulen geschickt haben. Darin erläutern sie das Ziel des Klimastreiktages und bitten die Rektoren „um besondere Nachsicht mit eventuell teilnehmenden Schülerinnen und Schülern Ihrer Schule“. Zu lange habe die Diskussion über verpasste Schulstunden die wichtigen Anliegen von Fridays for Future überlagert.

Dirk Bussler kann das nur unterschreiben. Er habe im Organisationsteam engagierte Schüler kennengelernt, die viel Freizeit opferten und nach der freitäglichen Demo noch in den Unterricht zurückkehrten – denen gehe es gewiss nicht um Schulfrei und Chillen. „Ich bin entsetzt, wie viel Häme über diese Jugendlichen ausgegossen wird. Am 20. September haben die Spötter die Chance, mit den bösen Schulschwänzern ins Gespräch kommen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben