Gastronomie

Kontaktlisten: Essener Wirte kritisieren 250-Euro-Strafregel

In eine Namensliste müssten sich Gäste von Cafés und Restaurants eintragen, seitdem im Frühjahr die ersten Gastro-Betriebe wieder vorsichtig öffneten.

In eine Namensliste müssten sich Gäste von Cafés und Restaurants eintragen, seitdem im Frühjahr die ersten Gastro-Betriebe wieder vorsichtig öffneten.

Foto: Marijan Murat / dpa

Essen.  Wer falsche Daten in die Kontaktliste eines Gastro-Betriebs einträgt, soll künftig Strafe zahlen. Wirte fragen, wie das kontrolliert werden soll.

Mit Skepsis reagieren Essener Gastronomen auf die neue Corona-Maßnahme, dass Gäste 250 Euro Strafe zahlen sollen, wenn sie in den Kontakt-Listen der Cafés und Restaurants falsche Angaben machen. Ab 1. Oktober gilt diese neue Vorschrift. Zu oft hatten Restaurant-Besucher bundesweit die Kontaktlisten mit Phantasie- oder Nonsens-Namen ausgefüllt. Die Listen sind aber wichtig, um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen und wirkungsvoll zu unterbrechen. NRW-Gesundheitsminister Laumann hatte die neue Regel am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt. Kämen Gastronomen Zweifel, hatte Laumann erklärt, sollten sie nicht zögern, ihre Gäste anzusprechen.

Was ist, wenn einer Meier heißt, aber Müller hinschreibt?

Wie eine Kontrolle der Namenslisten im Alltag funktionieren soll, ist für Essener Gastronomen aber ein ungelöstes Rätsel: „Soll ich jetzt meine 18-jährige Auszubildende die Pässe von gestandenen Gästen kontrollieren lassen?“, fragt sich Thomas Stolle, Inhaber des „Kiepenkerls“ an der Teichstraße (Innenstadt). Wer spaßeshalber „Donald Duck“ in die Namensliste einträgt, der sei ja noch leicht zu überführen – aber was, wenn einer Meier heißt, aber Müller hinschreibt? „Da fühlen sich die Gäste doch auf den Schlips getreten, wenn sie jetzt von uns kontrolliert werden“, befürchtet Stolle. „Ein Großteil der Gastronomie wird mit dieser nötigen Kontroll-Maßnahme überfordert sein.“

„Wir können doch jetzt nicht auch noch Polizei spielen“

Ähnlich argumentiert eine Mitarbeiterin der Trattoria „Lo Spuntino“ in Kupferdreh: „Wir können doch jetzt nicht Polizei spielen und uns die Ausweise zeigen lassen.“ Ganz abgesehen davon: „Die Zeit haben wir überhaupt nicht.“

Thomas Stolle vom „Kiepenkerl“ hält die neue Verordnung im Grundsatz zwar für richtig, aber „nicht zu Ende gedacht“, so lange die Kontrollmaßnahmen bei den Gastronomen hängen bleiben würden. Das sieht auch Stefan Romberg so, Betreiber des Ausflugslokals „Heimliche Liebe“ im Schellenberger Wald: „Wir Gastronomen machen ja schon viel, aber dass wir jetzt auch die Arbeit des Ordnungsamts übernehmen sollen, das würde wohl doch zu weit gehen und ist im Alltag überhaupt nicht umsetzbar.“

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