Filmpalast

Lichtburg Essen: Kaputte Bestuhlung soll erneuert werden

Hausmeister Klaus Roloff hat mit der Reparatur der Kinostühle viel zu tun. Bis zu 70 Sessel müssen im Monat aufgearbeitet werden.

Hausmeister Klaus Roloff hat mit der Reparatur der Kinostühle viel zu tun. Bis zu 70 Sessel müssen im Monat aufgearbeitet werden.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Samtrote Kinositze der Lichtburg müssen dauernd repariert werden. Nun sollen alle 1250 Sessel erneuert werden. Rat entscheidet über Investition.

Die Lichtburg ist das größte und für die allermeisten Besucher auch das definitiv schönste Lichtspielhaus der Republik. Nur in puncto Sitzkomfort musste das 1928 eröffnete Traditionskino in den vergangenen Jahren immer wieder nachbessern. Die samtroten Sitze, die 2002 im Zuge der Grundrenovierung des Kinos angeschafft worden waren, gelten zwar nicht als unbequem, aber als ungewöhnlich reparaturanfällig. Durchschnittlich 70 Stühle pro Monat müssten in der filmtheatereigenen Werkstatt instandgesetzt werden. „Tendenz steigend“ heißt es in einer Vorlage, über die der Bauausschuss am Donnerstag beraten hat.

Sollte sich auch der Rat im Februar für die Generalüberholung entscheiden, dürfte es mit den dauernden Reparaturen bald ein Ende haben. Für die avisierten Kosten in Höhe von 670.000 Euro stehen außerplanmäßige Mittel bereit.

Lichtburg wird mehr und mehr auch zum gefragten Konzertsaal

Optisch ändert sich nicht viel in dem denkmalgeschützten Filmpalast, der mit seinen auch künftig samtroten 1.250 Sitzen längst nicht nur ein gefragter Standort für große Kinopremieren ist. Auch die Konzertveranstalter der Republik haben das Kinojuwel auf der Kettwiger Straße mehr und mehr als idealen Auftrittsort entdeckt. Stars wie zuletzt Sinéad O’Connor, Joe Jackson oder Punk-Ikone Patti Smith spielen ihre wenigen ausgewählten Deutschland-Konzerte gerne in der Essener Lichtburg mit ihrer ganz besonderen Atmosphäre. Um die Attraktivität des Kinos auch künftig zu sichern, will man sich sitztechnisch deshalb nicht länger mit Provisorien abfinden. Zumal die Stadt am langfristigen Bestand des schönsten deutschen Kinos mehr denn je Interesse hat, nachdem sie 2018 den Pachtvertrag von ihrer Grundstückstochter GVE übernommen hat.

Auch wenn Unfälle und Beeinträchtigungen des Spielbetriebs durch den Einsatz von Reservestühle bislang abgewendet werden konnten: Die Reparaturressourcen des Kino-Betriebs hätten mittlerweile ihre Kapazitätsgrenze erreicht, heißt es in der Ausschussvorlage. Vor allem an der Klappmechanik, an der stählernen Bodenverankerung und am inneren hölzernen Bestuhlungsgerüst müsse immer wieder nachgebessert werden. Mit der Erneuerung der Stuhl-Mechanik werden aber auch Polsterung und Sitzbezüge ausgetauscht. Die infrage kommenden Stoffe wurden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz bereits gesichtet. Neben Farbe und Form der Stühle macht der Denkmalschutz auch Vorgaben zur Beschaffenheit des hölzernen Stuhllehnen.

Lichtburg-Chefin Marianne Menze hofft, dass die Generalüberholung der Kinostühle im laufenden Spielbetrieb sukzessive vorgenommen werden kann. Aus Kinobetreiber-Sicht sei die Sommerzeit ideal, wenn die Kinos gemeinhin weniger frequentiert sind, sagt Menze. Außerdem ist eine Neuauflage des 2019 überaus erfolgreichen Open-Air-Kinos geplant. Und dann dürfen es auf dem Burgplatz ausnahmsweise auch mal Plastikstühle sein.

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