Literatürk-Festival

Literatürk-Festival fragt nach dem „typisch Deutschen“

Marvin Oppong, Ferda Ataman und die Germanistik-Wissenschaftlerin Dr. Karin Yeşilada führen beim Literatürk-Festival in Essen in ihrem Programm „Typisch deutsch?" ein Gespräch über Zugehörigkeit und Rassismus.

Marvin Oppong, Ferda Ataman und die Germanistik-Wissenschaftlerin Dr. Karin Yeşilada führen beim Literatürk-Festival in Essen in ihrem Programm „Typisch deutsch?" ein Gespräch über Zugehörigkeit und Rassismus.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Essen.  Was ist typisch deutsch und wer entscheidet das? Das Festival Literatürk beschäftigt sich im Kulturwissenschaftlichen Institut mit der „Heimat“.

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Was ist typisch deutsch? Wer gehört dazu? Wer nicht? Und wer entscheidet das? Diesen Fragen gingen die beiden deutschen Autoren Ferda Ataman und Marvin Oppong bei einer Lesung mit anschließendem Gespräch im Rahmen des Festivals Literatürk nach, das sich in diesem Jahr mit dem Thema „Heimat“ beschäftigt. Wie aktuell das Thema ist, zeigt die Resonanz: Fast ausverkauft ist die Veranstaltung im Kulturwissenschaftlichen Institut, die von der promovierten Germanistin Karin Yeşilada launig moderiert wird.

Viele Beispiele für den latenten Rassismus

„Woher kommst Du?“, diese Frage mussten sich die beiden Publizisten schon oft anhören. Genauso wie „Sie sprechen aber gut Deutsch!“ „Bei diesen Bemerkungen habe ich das Gefühl, die Leute halten mich aufgrund meiner Hautfarbe für dumm“, empört sich Marvin Oppong, der in seinem Buch „Ewig Anders. Schwarz, deutsch, Journalist“ viele Beispiele für den latenten Rassismus gibt, dem er immer wieder begegnet.

Ein echter Deutscher muss auch echt deutsch aussehen - das sei so ein klassisches rassistisches Vorurteil. „Dabei entsprach ja schon das Idealbild eines Deutschen, dass die Nazis propagierten, nicht der Wirklichkeit“, sagt Ferda Ataman, „Hitler sah ja eher aus wie ein Anatolier.“ Ausländer erkenne man eben nicht an der Physiognomie, „das ist ein ziemlich primitiver Blick auf die Menschen“, ist die Autorin, die für ihre Heimatkunde-Kolumnen im Spiegel-Magazin bekannt ist, überzeugt. Und fragt sich, warum wir in Deutschland so fixiert sind auf die geografische Herkunft des Menschen.

Muslime und Migranten werden gleichgesetzt

Humorvoll, ironisch und sprachlich präzise setzt sie sich in ihrem Buch „Hört auf zu fragen: Ich bin von hier!“ mit den Themen Einwanderung, Integration und Heimat auseinander. Deutsche und Migranten würden als sich ausschließende Gruppen wahrgenommen, genauso wie Muslime und Migranten gleichgesetzt werden, lautet eine ihrer Beobachtungen. „Wir müssen doch irgendwann dahin kommen, dass es kein Anders mehr gibt“, wünscht sich die gebürtige Stuttgarterin und verweist auf das Gleichheitsprinzip, das im Grundgesetz verankert ist.

„Im Grunde haben wir nämlich kein Migrationsproblem, sondern ein Demokratieproblem“, lautet demnach ihre Konklusion, die sie dem Publikum nach zwei spannenden Stunden mit auf den Nachhauseweg gibt.

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