Literatur im Ruhrgebiet

Literaturveranstalter wollen Kontinuität statt Feuerwerk

Neues Bündnis: Semra Uzun-Önder (Literatürk), Norbert Wehr (Schreibheft), Beate Scherzer, Peter Kolling (Buchhandlung Proust), Johannes Brackmann (Literatürk).

Foto: Knut Vahlensieck

Neues Bündnis: Semra Uzun-Önder (Literatürk), Norbert Wehr (Schreibheft), Beate Scherzer, Peter Kolling (Buchhandlung Proust), Johannes Brackmann (Literatürk). Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   Neues Essener Literatur-Bündnis will der Konkurrenz der im Oktober startenden „Lit. Ruhr“ ein Programm mit großen Namen und Themen entgegensetzen

Wenn es um literarische Großereignisse geht, dann haben Schreibheft-Herausgeber Norbert Wehr und Literatur-Fachfrau Beate Scherzer in den vergangen Jahren einiges vorgelegt. Auftritte von Günter Grass bis Paul Auster, von Peter Handke bis Herta Müller haben eindrucksvoll Beweis geführt, dass das Ruhrgebiet alles andere als literarische Diaspora ist.

Entsprechend enttäuscht zeigen sich die Macher der Literarischen Gesellschaft Ruhr, aber auch die Veranstalter des Literaturfestivals Literatürk über den „Alleingang“ der Essener Kulturverwaltung und ihres Dezernenten Andreas Bomheuer, der mit der „Lit. Ruhr“ in diesem Oktober einen Ableger der Lit. Cologne nach Essen holt. Statt die Akteure vor Ort einzubinden, Kompetenzen abzurufen und Kooperationen anzuregen, habe man den Machern des Lesefestes aus Köln „den roten Teppich ausgerollt“, so Schreibheft-Herausgeber Norbert Wehr und die Macher vor Ort übergangen. Bitter für die Literatur-Szene, die mit geringen fünfstelligen Summen ganze Jahresprogramme stemmen muss: Während die „Lit.Ruhr“ dank gehobener Eintrittspreise und großzügiger Stiftungs-Unterstützung mit einem Etat von 500 000 Euro in fünf Tagen mit rund 75 Veranstaltungen ein Feuerwerk der großen Autoren und prominenten Vorleser abbrennen könne, müsse die langfristige literarische Versorgung weiterhin mit den Brosamen der Kultur-Förderung auskommen, bedauert Johannes Brackmann.

Doch weil Konkurrenz bekanntlich auch das Geschäft belebt, haben sich eine Reihe von Essener Literaturveranstaltern nun zusammengetan und ebenfalls für einen literarischen Coup gesorgt. Mit Orhan Pamuk, Literaturnobelpreisträger 2006, kommt am 19. Oktober einer der großen Autoren in die Lichtburg und liest aus seinem neuen Buch „Die rothaarige Frau“. Auch das weitere Programm der „Literatur in Essen“ kann sich in diesem Herbst sehen lassen. Mit Natascha Wodin kommt am 14. September die Preisträgerin der diesjährigen Leipziger Buchmesse nach Essen. Der scheidende Chef des Kulturwissenschaftlichen Instituts, Claus Leggewie, präsentiert sein Buch „Europa zuerst“, Christoph Marx hat über den afrikanischen Machthaber Robert Mugabe geschrieben, Osteuropa-Historiker Karl Schlügel rekapituliert „Das sowjetische Jahrhundert“.

„Wir sind gewillt, anspruchsvoll weiterzumachen“

Später als zunächst geplant startet im November dann auch das Literaturfest „Literatürk“ – unter anderem mit einem Auftritt von Schauspielerin Maria Schrader, die zum Auftakt aus dem neuen Buch von Zeruya Shalev liest (6. November, Filmstudio). Weitere Gäste sind der Autor Ilija Trojanow, der türkische Journalist Can Dündar oder die junge, iranischstämmige Autorin Shida Bazyar. Danach müsse man sehen, welche Auswirkungen die „Lit. Ruhr“ auf das eigene Festival habe, so die Literatürk-Veranstalter Semra Uzun-Önder und Johannes Brackmann.

„Wir sind gewillt, anspruchsvoll weiterzumachen“, sagt Norbert Wehr, und bedauert doch die verpasste Chance eines stadtweiten Zusammenschlusses. Auch die Lit.Cologne sei aus der Kölner Literaturszene hervorgegangen und nicht „eingekauft worden“.

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