Prozess beim Arbeitsgericht

Lkw-Auflieger gestohlen: Fahrer soll den Schaden mitbezahlen

Einen solchen Lkw-Auflieger stellte der Lastwagen-Fahrer in der Ostuferstraße ab. Darin Ware für fast 97.000 Euro, die sich unbekannte Diebe unter den Nagel rissen.

Einen solchen Lkw-Auflieger stellte der Lastwagen-Fahrer in der Ostuferstraße ab. Darin Ware für fast 97.000 Euro, die sich unbekannte Diebe unter den Nagel rissen.

Foto: Foto: Manuela Schwerte/press

Essen.  Rund 14.500 Euro soll ein Essener Berufskraftfahrer seinem Arbeitgeber zahlen – Ersatz für einen Diebstahlsschaden. Doch der Fahrer wehrt sich.

Für gewiefte Diebe geht’s wohl kaum bequemer: Sie fahren mit einer eigenen Zugmaschine unter abgestellte Lkw-Auflieger und reißen sich auf diese Weise mitunter in einem Rutsch Ware für Zehntausende Euro oder mehr unter den Nagel. Bitter fürs Unternehmen; noch bitterer in diesem Fall für einen Essener Berufskraftfahrer: Er soll einen Teil des Schadens berappen, immerhin 14.502 Euro.

Das ist nicht nur für einen Kraftfahrer viel Geld, weshalb man sich an diesem Donnerstag vor Gericht sieht, und das zum wiederholten Male. Das Arbeitsgericht Essen hatte sich im Dezember 2018 auf die Seite des Fahrers geschlagen: Der sah kein Versäumnis darin, den Auflieger mit Kosmetik- und Hygieneartikeln im Wert von knapp 97.000 Euro, den er da von Köln nach Essen transportiert hatte, ungesichert auf einem Grünstreifen an der Ostuferstraße im Bergeborbecker Gewerbegebiet „Econova“ abzustellen.

Ein Telefonat – und zwei unterschiedliche Inhaltsangaben

Was habe er auch machen sollen: Der umzäunte Betriebshof seines Arbeitgebers war an jenem Abend halt zugeparkt, und für diesen Fall sei es betriebsüblich gewesen, den Auflieger in einer ruhigen Nebenstraße abzustellen.

Der Disponent erinnert sich gänzlich anders: Ausdrücklich habe er darauf hingewiesen, den beladenen Auflieger ausschließlich auf dem Betriebshof zu parken. Der sei nicht überfüllt gewesen, und selbst wenn: Bei Platzmangel sei die Disposition oder das Notfallhandy anzurufen, dann würde man im Zweifel umparken. Zwar berappte die Haftpflichtversicherung einen Großteil des entstandenen Schadens. Einen Anteil von 15 Prozent aber, eben jene 14.502 Euro, soll der Fahrer blechen.

Arbeitsgericht Essen erkannte nur eine „mittlere Fahrlässigkeit“

Muss er nicht, fand das Arbeitsgericht an der Zweigertstraße. Zwar habe der Fahrer „pflichtwidrig gehandelt“, indem er den Auflieger ungesichert abstellte. Die sogenannte „privilegierte Arbeitnehmerhaftung“ schwächt aber die Verantwortung der Arbeitnehmer bei Schäden im Arbeitsprozess ab – nicht zuletzt wegen des Risikos hoher Schäden.

Übrig bleibe nur eine „mittlere Fahrlässigkeit“. Zudem habe das Unternehmen seinen Betriebshof offenbar nicht so organisiert, dass alle Lkw Platz finden. Es sei nicht Aufgabe der ankommenden Fahrer, durch Umparken Platz zu schaffen. Ob das Landesarbeitsgericht dies in der Berufungsverhandlung auch so sieht, muss sich jetzt erweisen. (Az: 13 Sa 1171/18)

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben