Kriminalität

Messer-Angriff wirkt wie Einbruch in eine Essener Idylle

Monika B. und Hund „Ifi“  im Wald an der Margarethenhöhe. Das Unsicherheitsgefühl ist nach dem Messer-Überfall begreiflicherweise gewachsen.

Foto: Kerstin Kokoska

Monika B. und Hund „Ifi“ im Wald an der Margarethenhöhe. Das Unsicherheitsgefühl ist nach dem Messer-Überfall begreiflicherweise gewachsen. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  Der brutale Angriff auf einen Jogger, der einer Frau half, erschüttert die Margarethenhöhe. Warum die Frau sich nicht meldet, ist ein Rätsel.

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Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, Frühling liegt in der Luft im Wald auf der Margarethenhöhe. Da ist es schwer vorstellbar, was am Montag Abend hier passierte: Als ein 24-jähriger Jogger einer überfallenen Frau zu Hilfe eilte, wurde er von einem der beiden mutmaßlichen Täter niedergestochen und erlitt schwere Verletzungen. Im Vergleich zu manchen anderen Essener Stadtteilen, wirkt die Margarethenhöhe wie eine „heile Welt“. Was bewirkt ein solches Verbrechen gerade hier?

Polizei hat noch keine Hinweise auf Räuber

Andrea Stempka (50) geht mit ihrer großen, braunen Hündin Ashley auf dem Waldweg zwischen der Lührmannstraße und dem Hohlweg. Sie hat nach dem Vorfall bei ihrem gewohnten Spaziergang ein ungutes Gefühl. „Die Gefahr kommt immer näher. Erst die Terrorwarnung in der Innenstadt, jetzt hier direkt vor der Haustür. Man ist nirgendwo mehr sicher“, sagt sie.

Nachts gehe sie sowieso nie durch den Wald. „Es gibt ja auch keine Beleuchtung. Da gehe ich lieber an der Straße entlang, wo mehr Menschen unterwegs sind“, sagt die 50-Jährige. Der niedergestochene Jogger habe viel Mut bewiesen, als er der Frau helfen wollte. „Wenn sich die Frau nicht meldet, fände ich das traurig.“

Bis Mittwoch hat die Polizei noch keine Hinweise auf die Täter bekommen. Auch die Frau, der der 24-Jährige half, hat sich trotz des dringenden Aufrufs noch nicht gemeldet, sagte Polizeisprecher Lars Lindemann. Warum die Unbekannte verschwand, bevor die Einsatzkräfte am Tatort eintrafen, kann die Polizei nicht sagen.

Hypothese der Polizei: Überfallene Frau steht unter Schock

Möglicherweise stand die Überfallene unter Schock und war froh, das Weite suchen zu können, als sich die beiden Täter auf den jungen Mann konzentrierten. Denkbar ist allerdings auch eine zweite Variante: dass die Frau als eine Art Lockvogel diente und der Überfall im Wald vorgetäuscht war, um den Jogger in eine Falle zu locken. Doch dafür, sagt Lindemann, gebe es bislang keinerlei Anhaltspunkte.

Auch Altfrid Koßmann, Vorsitzender der Bürgerschaft Margarethenhöhe, hat beim gestrigen Gang über den Wochenmarkt festgestellt, dass das Verhalten der betroffenen Frau Gesprächsthema Nummer eins ist. Gewiss sei die Margarethenhöhe eine Idylle, „aber dass man Kinder nicht mehr so einfach allein in den Wald gehen lässt wie früher, ist schon länger Thema“, sagt er. Von großer Angst wisse er allerdings nichts. „Die meisten Frauen, die zum Beispiel mit ihren Hunden regelmäßig im Wald unterwegs sind, wollen das auch weiter so machen“, so Koßmann.

Blutige Tupfer und Gummihandschuhe auf dem Waldweg

Monika B. (58) ist eine dieser Frauen, und sie hat ein mulmiges Gefühl. „Wir wohnen direkt an dem Weg. Ab jetzt passe ich auf jeden Fall noch mehr auf“, erklärt die 58-Jährige, während sie für Hündin „Ifi“ einen Tennisball wirft. Noch am Mittwoch morgen sah sie blutige Tupfer und Gummihandschuhe auf dem Waldweg. „Vielleicht waren die noch von dem Notarzt.“ Kein schöner Anblick jedenfalls, wenn man bei einem Spaziergang entspannen will.

Auch die Frohnhauserin Claudia Schug (48) ist zwei bis drei mal die Woche im Lührmannwald. Der Vorfall vom Montag Abend überrasche sie nicht. „Ich habe das Gefühl, dass solche Überfälle immer häufiger vorkommen.“ Bei ihr zuhause im Gerviniuspark werde die Lage auch immer schlimmer. Eher überrascht von der Tat ist hingegen ein älterer Herr, der anonym bleiben will. „Auf der Margarethenhöhe passiert sonst nie etwas. Hier kennt man sich und alles ist friedlich. Ich glaube nicht, dass die Täter aus der Umgebung kommen.“

Das Opfer ist in stabilem Zustand, aber noch nicht vernehmungsfähig

Neben Hundebesitzern sind im Wald viele Jogger unterwegs. Auch Jörg Miller (45) macht dort regelmäßig Sport. „Es ist schrecklich, aber solche Sachen passieren einfach.“ Er lasse sich nicht einschüchtern und werde weiterhin joggen gehen. Seine Frau mache sich allerdings mehr Sorgen. „Sie denkt, dass ich genauso gut in dieser Situation hätte sein können.“

Der gesundheitliche Zustand des Opfers sei stabil, sagte die Polizei am Mittwoch. Vernehmungsfähig ist der junge Mann aber noch nicht.

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