Prozesse

Milde Strafen für Attacke mit dem Auto auf Disco-Türsteher

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Mit milden Strafen reagierte das Landgericht Essen auf eine Attacke mit dem Auto, die gegen Türsteher Essener Diskotheken gerichtet war.

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Laut Anklage ging es um einen gefährlichen Brandanschlag auf die Diskothek Essence an der Viehofer Straße in der Essener Innenstadt. Doch die VI. Essener Strafkammer sah offenbar eher eine Kurzschlusshandlung der fünf Angeklagten aus Hamm. Sie verhängte am Donnerstag Haftstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten Dauer sowie einem Jahr und acht Monaten. Alle bekamen Bewährung.

Staatsanwältin Julia Schweers-Nassif hatte den Fall weiterhin gravierender eingestuft und bis zu drei Jahren und zwei Monaten Haft gefordert. Ein Streit bei einer türkischen Feier im Essence war am 3. Oktober 2017 Ausgangspunkt der Tat. Die türkischstämmigen Männer aus Hamm galten als Rädelsführer und waren nachts herausgeflogen. Draußen schimpften sie weiter, einer soll mit dem Messer gedroht haben.

Molotow-Cocktail in der Hand

Einige Zeit später sahen Türsteher anderer Lokale in der Nähe des Essence einige der Hammer, die Molotow-Cocktails und ein Feuerzeug in der Hand hielten. Kurzerhand überwältigten sie eine der Personen und riefen die Polizei. Der Rest der Angeklagten flüchtete. Sie setzten sich in ihren VW Touareg und fuhren mit hohem Tempo durch die Kleine Kronenstraße, wo die Türsteher standen. Diese retteten sich hinter Poller, der Touareg knallte gegen Poller und Mülltonne. Kurz darauf wurden die Hammer festgenommen.

Rechtlich stufte das Gericht die Fahrt als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr ein und verurteilte den Fahrer. Den geplanten Brandanschlag sah das Gericht als Verabredung zum Verbrechen an. Es erinnerte daran, dass die Diskothek zum Zeitpunkt der Tat schon lange geschlossen hatte. Richterin Jutta Wendrich-Rosch nannte die Strafen „sehr milde“, immerhin handele es sich um nicht vorbestrafte Angeklagte, die alle Arbeit hätten. Einer hatte sich im letzten Wort über seinen am Niederrhein sitzenden Anwalt beschwert. Der habe 10 000 Euro kassiert und sei nach zwei Tagen nicht mehr erschienen. Der Angeklagte, rechtstreu: „Ich gab ihm das bar und weiß nicht, ob er es versteuern wird.“

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