Modellflugsport

Modellflieger: Diese Piloten bleiben immer am Boden

Seine Modell baut Axel Höpner steht selbst: Er ist der Vorsitzende des Modellflug-Sportclub (MFSC) Dädalus, hier auf dem Vereinsgelände Im Helf in Leithe.

Seine Modell baut Axel Höpner steht selbst: Er ist der Vorsitzende des Modellflug-Sportclub (MFSC) Dädalus, hier auf dem Vereinsgelände Im Helf in Leithe.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen-Leithe.  Mit Leidenschaft und viel Verständnis seiner Frau widmet sich Axel Höpner der Modellfliegerei – und möchte den Nachwuchs für das Hobby gewinnen.

Die Zahl seiner Flugzeugmodelle ist lediglich der Kellerkapazität geschuldet: Denn hätte Axel Höpner (74) mehr als 30 Quadratmeter zur Verfügung, würden im Untergeschoss ganz bestimmt mehr Flieger stehen. Mit großer Leidenschaft für sein Hobby und viel Verständnis seiner Frau hat er es immerhin auf sechs Flugzeuge gebracht: Seit 27 Jahren ist er Vorsitzender des Vereins Modellflug-Sportclub (MFSC) Dädalus. Seine Flugkarriere startete der gebürtige Freisenbrucher schon als Schüler und hofft nun selbst auf Nachwuchs für seinen Club.

Rund 70 Mitglieder gehören zum Verein, der seit 1963 besteht. Die Piloten sind zwischen 40 und 89-Jahre alt, sind Handwerker, Verwaltungsangestellte oder Ärzte. „Damals trafen sich ein paar Flugbegeisterte auf einer Wiese in Eiberg“, berichtet der Vorsitzende von den Anfängen, da es längst ein eigenes Gelände samt Genehmigung des Regierungspräsidenten gibt mit exaktem Luftraum, den die Piloten am Boden mit den Fliegern am Himmel nicht verlassen dürfen. Die Mitglieder haben das Grundstück vom Bauern gepachtet, zahlen zudem eine Pauschale für Flurschäden, die immer dann entstehen, wenn ein Flieger im Maisfeld landet und die Suche beginnt.

Manche Elektromodelle fliegen mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde

Meistens aber bleiben die bis zu 4,5 Meter großen und bis zu 25 Kilogramm schweren Flugzeuge und Hubschrauber durchaus in der Luft. Dank der Technik, des Wissens um Flugphysik, Wetterkunde, der Lage im Raum und höchster Konzentration fliegen etwa Elektromodelle mit bis zu 250 Km/h über Leithe und Wattenscheid, wo sich der Platz des Clubs befindet – Flugmanöver wie Loopings oder extreme Wendungen inklusive. Verbessert habe sich im Laufe der Jahre auch die Technik, denn früher habe immer nur einer den Kanal nutzen können: „Wenn sich ein weiterer Pilot zugeschaltet hat, war der Absturz programmiert.“

Gefährlich sei das Hobby aber nicht. „Ernste Unfälle sind die absolute Ausnahme“, sagt Axel Höpner. Was es durchaus gebe, seien eben Abstürze und kleinere Blessuren, wenn etwa die Finger beim Anschmeißen des Motors in den Propeller gerate. Spätestens nach einer Bruchlandung hilft vor allem handwerkliches Geschickt, um sein Modell wieder flugtauglich zu machen. Bauen müsse man diese zuvor nicht unbedingt selbst: „Es gibt seit etwa zehn Jahren hervorragende Fertigmodelle“, weiß Axel Höpner, obwohl ein solches für ihn niemals in Frage käme. Und so verbringt er den Winter im Keller, überträgt Pläne aufs Holz, konstruiert, fräst und klebt, um dann wie jedes Jahr im März abheben zu können.

Ohne das Verständnis der Frau wäre das Hobby nicht möglich

„Ich habe bewusst auf alle anderen Freizeitbeschäftigungen verzichtet“, sagt der 74-Jährige, um bei gutem Wetter Zeit für die Fliegerei zu haben. Als Rentner trifft der frühere Versicherungsvertreter nun beinahe täglich mit seinen Vereinskollegen auf ihrem Gelände. Zu anderen Flugplätzen geht es heute mit dem Wohnmobil. „Das ist deutlich komfortabler als früher im VW-Bus mit Matratze“, erinnert er sich an Plätze in der Pampa ohne jegliche Infrastruktur wie etwa Duschen und dankt vor allem seiner Frau, die sein Hobby mitträgt. „Ansonsten wäre das nicht möglich.“

Entdeckt hat er das Modellfliegen als Zehnjähriger („zum Leidwesen meiner Eltern, da meine Schulnoten damals gelitten haben“). Eine Pause legte er nur ein, als er zunächst zur Bundeswehr musste und dann die Familie im Vordergrund stand. Nach der Geburt des zweiten Kindes aber stand der Vater wieder auf dem Flugplatz, machte auch einen Flugschein und stieg ins Cockpit.

Mit der Cessna europaweit unterwegs

„Wir haben uns mit mehreren Piloten eine Cessna angeschafft, mit der ich europaweit unterwegs gewesen bin“, berichtet Axel Höpner, der für die Stadt Essen zudem Rundflüge für Kinder angeboten hat. „Inzwischen bleibt er am Boden, wenn etwa sein Doppeldecker abhebt. Es ist ein Modell aus den 1930er Jahren: „Meine Vorliebe gilt den Oldtimern, das älteste Modell stammt von 1909“, sagt er. Und es gibt noch jede Menge weitere Modelle, die er gern bauen würde, wie den englischen Doppeldecker (Sopwith Pup), dafür müsste er sich von einem seiner sechs Flugzeuge trennen, sagt er und schüttelt den Kopf: „Das werde ich nicht tun.“

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