Kunst

Neue Ausstellung in Essen setzt Dramatik des Lichts in Szene

Christa Bremer und Frank Hohmann zeigen ihre Arbeiten unter dem Titel „Twilight“ in der Galerie Klose.

Foto: Socrates Tassos

Christa Bremer und Frank Hohmann zeigen ihre Arbeiten unter dem Titel „Twilight“ in der Galerie Klose. Foto: Socrates Tassos

Frank Hohmann entdeckt die Dramatik der Halden und Industriekulissen im Dämmerlicht. Nils Bleibtreu lässt Lackierpistole und Zufall wirken.

Als Jugendlicher hat er seine künstlerische Fertigkeit auch mal an Hauswänden geschult. Doch das Genre Graffiti hat sich für Nils Bleibtreu bald als kreative Sackgasse entpuppt. Heute trägt er seine Arbeiten, die noch immer die Schroffheit der Straße atmen, hinein ins Atelier.

Im Kunsthaus Essen zeigt der gebürtige Dortmunder, der an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat, nun aktuelle Werke: wandhohe Farbarbeiten, aber auch Skulpturen aus Drahtgeflecht oder imposant verbogenen Autowrack-Teilen. Klassische Kunst-Prinzipien werden dabei gleichzeitig hinterfragt und in einen neuen Kontext gesetzt.

Bleibtreu ist Materialarbeiter, kein herkömmlicher Maler

Bleibtreu will kein herkömmlicher Maler sein, er ist ein Materialarbeiter. Polyester, Kratzputz, Atelierreste und wasserbasierte Autolacke sind der Rohstoff, aus denen die wandhohen Werke entstehen.

Statt der glatten Leinwand benutzt Bleibtreu gewellte Kunststoffflächen, die er zerteilt, überlagert und mit der Lackierpistole besprüht. Intuition und Komposition gehen so fließend ineinander über.

Bleibtreu stellt Eigenständigkeit des Materials in den Mittelpunkt

Statt der genialen Geste stellt der Künstler die Eigenständigkeit des Materials in den Mittelpunkt. Farben, die verlaufen, sich überlagern, die sich hier verdichten und dort Transparenz zulassen. Absicht und Zufall, Komposition und Kontrollabgabe sind Themen, mit denen sich Bleibtreu beschäftigt.

Den Pinsel aus der Hand zu legen, ist für ihn dabei mehr als der Versuch, der traditionellen Malerei etwas Neues hinzuzufügen. Es ist der Entschluss, als Künstler hinter der Präsenz der Objekte zurückzutreten.

Landeplatz für Flugobjekte

Der Inszenierung des Lichts hat sich Frank Hohmann verschrieben. In der Galerie Klose zeigt der Fotograf zusammen mit der Bildhauerin Christa Bremer nun Arbeiten unter dem Titel „Twilight“. Wo Licht ist, da ist bei Hohmann auch Dramatik.

Die nächtlich ausgeleuchtete Halde Hoheward wirkt hier wie ein gewaltiger Landeplatz für außerirdische Flugobjekte. Und das Amphitheater auf der Bottroper Halde Haniel leuchtet wie ein glühender Vulkan inmitten der endlosen Ruhrgebietslandschaft.

Die Kö als Ort der Verlassenen und Verlorenen

Hohmann ist ein „Nighthawk“, ein Nachtfalke unter den Ruhrgebiets-Fotografen. Und nicht von ungefähr erinnern manche Szenerien an die Kunst an Edward Hopper. Einsame Straßenzüge, verschneite Industrieareale, selbst die quirlige Düsseldorfer Kö wirkt in einer regennassen Nacht wie ein Ort der Verlassenen und Verlorenen, während das Bild „Where the streets have noch name“ den Betrachter geradewegs in die Kulissen eines früheren Schimanski-Films zu führen scheint.

Und während Christa Bremer das Licht in ihren schimmernden Bronzen einfängt, richtet Hohmann die Scheinwerfer auf die Wahrzeichen des Reviers. Der Doppelbock-Fördergerüst von Zollverein als Eiffelturm des Ruhrgebiets gleich neben dem Pariser Wahrzeichen – nicht nur in der Dämmerung ein Hingucker.


>>> Infos zu den beiden Ausstellungen

Die Ausstellung von Nils Bleibtreu „Frozen Man, the Sun is not yellow (and not even chicken)“ ist bis zum 4. März im Kunsthaus Essen, Rübezahlstr. 33, zu sehen. Zeiten: Do bis So 15-18 Uhr.


Unter dem Titel „Twilight“ zeigen Christa Bremer und Frank Hohmann bis zum 2. März Arbeiten in der Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221. Mo bis Fr 10-18.30 Uhr, Sa 10 bis 15 Uhr.

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