Straßenserie

Norbertstraße in Rüttenscheid ist bereit für die Zukunft

Die Norbertstraße in Essen-Rüttenscheid im Jahr 1926.
  

Foto: Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster

Die Norbertstraße in Essen-Rüttenscheid im Jahr 1926.   Foto: Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster

Essen-Rüttenscheid.   Früher gehörte die Norbertstraße in Rüttenscheid zu Essens Vergnügungsviertel Nummer eins. Heute haben sich hier Dax-Unternehmen angesiedelt.

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Bewegte Zeiten liegen hinter der Norbertstraße – „und wohl ebensolche noch vor ihr“, sagt Rolf Krane. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Rüttenscheid haben wir uns auf den Weg gemacht: in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Straße.

Die Norbertstraße verläuft auf einem alten Handelsweg von Essen nach Kettwig, der von der heutigen Rüttenscheider Straße beginnend mit dem Wehmenkamp abzweigte. Vermutlich entstanden deshalb viele prominente Gebäude an dieser Weggabelung: Die im 14. Jahrhundert erbaute Siechenhauskapelle, die erste Schule Rüttenscheids, das alte Rathaus oder „die Kunsthandwerkerschule, aus der sich die Folkwang-Hochschule entwickelte“, sagt Krane.

Den Abzweig markierte einst das wegen seiner Form sogenannte Bügeleisenhaus. Zuvor stand an dieser Stelle das von vielen als „Stüsselhaus“ bekannte Möbelhaus am Parkplatz Martinstraße.

Aus der Gewerbeschau wurde die Messe Essen

„Dass die Norbertstraße noch entlang der A52 bis zur Karstadt-Hauptverwaltung verläuft, ist vielen gar nicht bewusst“, so Krane. „Hier gibt es ja aktuelle Entwicklungen mit großem Potenzial. Man denke nur an die alte Polizeischule.“

Ihren Namen trägt die Norbertstraße, die früher Nikolausstraße hieß, seit Mai 1906, bedingt durch die Eingemeindung. „Wir sind hier im Jungsviertel westlich der Rü. Das Mädchenviertel liegt östlich.“ An den Gleisen des nahen Bahnhofs lag die Lersch Kesselschmiede, wo heute die ehemalige Zentrale des Energie-Dienstleisters Ista renoviert wird. Gegenüber entstand 1913 die Gewerbeschau, aus der die Messe wurde.

Dort entwickelte sie die Große Ruhrländische Gartenbauausstellung – den Grugapark. „Sein ursprünglicher Haupteingang lag an der Lührmannstraße, etwa dort, wo jetzt die Messegalerie zu finden ist“, erklärt Krane.

Der alte Prater: Vergnügungspark mit Achterbahn

Wo heute die Messehallen die Norbertstraße säumen, waren früher ein Kloster, eine Polizeikaserne und die städtische Gärtnerei. Von 1926 bis 1930 gab es den Vergnügungspark „Prater“ mit Achterbahn, später ein bayrisches Bierzelt und in den 40er Jahren eine Eisbahn samt Restaurant in den Messehallen. Krane: „Rüttenscheid war eben schon immer ein Vergnügungsviertel.“

Auf der anderen Straßenseite werkelten zur Jahrhundertwende die Vereinigten Essener Dampfziegelwerke. Schon im 14. Jahrhundert gab es hier, lange vor dem Kohlebergbau im Ruhrgebiet, Blei- und Silberbergbau, wovon der Name des Restaurants Silberkuhlshof zeugt, das vor Jahren schloss. Der Fabrik sollte in den 40er Jahren das größte Stadion Deutschlands folgen, wozu es nicht kam. Nach dem Krieg ruhte der Ball, weil dort die Grugabahn Trümmer ablud, doch bald kickten wieder die ersten Amateure.

Abriss vom Grugastadion im Jahr 2001

Zum Deutschen Turnfest im Jahr 1963, der größten Sportveranstaltung Deutschlands nach dem Krieg, wurden das Stadion, die Festwiese und die Turnfesthalle sowie auf der anderen Seite der Norbertstraße das Grugabad gebaut. Das wurde 1965 Teil der Bundesgartenschau in der auf das Doppelte erweiterten Gruga. „Messe, Gruga und Sportanlagen an einem Ort ermöglichten die gemeinsame Nutzung der Verkehrsinfrastruktur“, sagt Krane.

Die Bus- und Straßenbahnhaltestelle an der Ecke Lührmannstraße, an die sich Ältere noch erinnern, und die großen Parkplätze sind Beispiele dafür. Diese Synergien wurden jedoch zum Teil verspielt, als Rüttenscheid – noch vor allen anderen Stadtteilen – Opfer für die desolaten Finanzen der Stadt bringen musste: Festwiese, Stadion und Turnfesthalle wurden 2001 abgerissen.

Daxfirmen tummeln sich im Quartier

Heute ist hier mit Gruga-Karree und Rüttenscheider Tor ein Viertel mit Daxfirmen wie Eon, Hochtief, Brenntag, Atos und eben Ista neben modernen Wohngebäuden entstanden. „Mischbebauung, wie sie für Rüttenscheid typisch ist, aber leider bei aktuellen Bauvorhaben teilweise aufgegeben wurde“, bedauert Krane. Die Norbertstraße entwickelte sich mehr und mehr zu einem modernen Gewerbestandort mit anspruchsvoller Architektur.

Dazu zählt Krane auch die laufende Modernisierung der Messe mit dem neuen Foyer am Osteingang, das im November 2017 eingeweiht wurde, was er als „städtebaulichen Impuls und als Aushängeschild für die ganze Stadt Essen“ wertet. Nicht nur der Messebetrieb, sondern auch das Kongresswesen mit dem CCE sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zuvor bekam die Messe, zusammen mit der 1958 entstandenen Grugahalle, dem Atlantic Congress Hotel von 2010 und dem Haupteingang des Grugaparks eine neue, repräsentative Adresse. Aus der Norbert-straße 2 wurde der Messeplatz.

Gute Aussichten für die Zukunft

Schon die markante Halle 3 und der gegenüberliegende, als Stadttor gestaltete Eon-Doppelturm stehen für die Entwicklung des Standortes, in dem noch weiteres Potenzial schlummert: Auch für das Grugabad werden Pläne geschmiedet. „Dabei gingen die Workshops zur Bürgerbeteiligung weit über die überfällige Sanierung des Bades hinaus. Sogar die Vision eines neuen Quartiers an der Schnittstelle zur A 52 wurde diskutiert.“ Gute Aussichten also für die Norbertstraße.

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