Handwerkskunst

Porzellanmalerin Gabriele Gilbach tritt langsam kürzer

Augenmaß und Fingerspitzengefühl: Wenn Gabriele Gilbach in ihrer Werkstatt an der Glashüttenstraße im Ostviertel liebevoll Porzellanfiguren oder Vasen restauriert, dann ist in erster Linie ein ruhiges Händchen gefragt.Foto:Stefan Arend

Augenmaß und Fingerspitzengefühl: Wenn Gabriele Gilbach in ihrer Werkstatt an der Glashüttenstraße im Ostviertel liebevoll Porzellanfiguren oder Vasen restauriert, dann ist in erster Linie ein ruhiges Händchen gefragt.Foto:Stefan Arend

Essen-Ostviertel.   Gabriele Gilbach ist die vielleicht letzte Glas- und Porzellanmalerin der Stadt. Früh verlegte sie sich aufs Restaurieren, bald tritt sie kürzer.

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Handwerk und Kunst. Zwei, die viele Berührungspunkte haben und nicht selten sogar miteinander verschmelzen. Viele Künstler sind auch handwerklich begabt, viele Handwerker haben eine künstlerische Ader. Wie Gabriele Gilbach, die seit über 50 Jahren als Glas- und Porzellanmalerin arbeitet und eigenen Einschätzungen zufolge damit mittlerweile wohl die letzte ihrer Art in der Gegend ist.

An der Glashüttenstraße im Ostviertel, da steht die urige Werkstatt, da setzt Gabriele Gilbach fort, was ihr Vater Georg und ihr Onkel Erich einst kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angefangen hatten. Aber das Berufsbild hat sich gewandelt, weil sich die Zeiten einfach geändert haben und mit ihnen auch die Vorlieben der Menschen. Glas ist so gut wie kein Thema mehr, heute verdient die 65-Jährige ihr Geld damit, Dinge aus Porzellan, Keramik oder Steingut zu restaurieren.

Das gute Sonntagsgeschirr

Früher, da war wirklich vieles anders, vor allem in den Jahren nach dem Krieg. 1948, vor 70 Jahren, da schlug Georg Gilbach den Weg zum Glas- und Porzellanmalermeister ein und nahm seinen Bruder Erich mit ins Boot, der als gelernter Konditor ein echter Verzierungskünstler war. Die Fünfziger Jahre, das war die Zeit, als viele Dinge noch eine andere, weitaus größere Bedeutung hatten. Es gab noch Sonntagskleidung oder Besteck und Geschirr für den besonderen Anlass. „Für gut“, wie man auch gerne sagte.

„Wer es sich leisten konnte, der kaufte sich Porzellan etwa aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin KPM, von der Manufaktur Nymphenburg oder sogar aus Meißen“, bekommt Gabriele Gilbach noch heute glänzende Augen. „Man gab mehrere tausend Mark aus oder ließ sich über die Aussteuer Teil für Teil schenken.“

Brauereien stehen Schlange

In Essen war die Geschirrmacherfirma Brommenschenkel ganz groß, und viele Hotels und natürlich auch die Brauereien hatten eigene Wappen und Embleme, was gut auch für die Firma Gilbach war. Es gab noch Stauder-Export, Kloster-Pilsener oder die längst verschwundene Kronen-Brauerei Essen. „Damals in den Sechzigern wurden in großem Stil Abziehbilder auf Biergläser geklebt, dann bei etwa 600 Grad im Ofen gebrannt, später noch mit einem Rand aus flüssigem Gold verziert – und schon war das typische Bierglas fertig“, erinnert sich Gilbach noch gut an die Zeit, in der sie beim Vater ihre Ausbildung machte und die Brauereien bei ihnen nahezu Schlange standen.

Dann jedoch kam der große Umbruch. Mit Beginn der 1970er Jahre wurde der maschinelle Direktdruck immer beliebter, was auch an der Firma Gilbach nicht spurlos vorbeiging.

Umbruch in den Siebzigern

Mehrere Jahre arbeitete Gabriele Gilbach fortan in einem Ingenieurbüro in der Fernmeldetechnik, bevor sie 1981 zurückkehrte an die Glashüttenstraße 56 und dort vom Vater das Geschäft übernahm.

Längst stand die Restaurierung im Vordergrund, überwiegend brachten die Kunden Porzellan oder die berühmten Hummel-Figuren aus Keramik. Abgeplatzte Arme oder Ohren, zerbrochene Teller, Kannen ohne Henkel, Schwäne ohne Schnäbel. In gewisser Weise waren es fortan die Scherben, die Gabriele Gilbach Glück brachten und die sie in feinster Kleinarbeit wieder zusammensetzte.

Heutzutage aber ist es mühsam geworden, und nicht mehr lange, dann geht Gilbach auch in Rente. „Ganz aufhören aber will ich nicht, aber schon deutlich kürzer treten.“ Und all denen, die etwa Geschirr aus Porzellan achtlos wegwerfen, weil es alt ist, nicht in die Spülmaschine darf und Ersatz ja auch schon für kleines Geld zu bekommen ist, rät sie: „Irgendwann kommt alles wieder. Stellt es lieber in den Keller, als es zu verramschen. Vermacht es euren Kindern oder Enkeln. Es frisst ja kein Brot.“

>>TERMINE NACH VEREINBARUNG

Derzeit hat Gabriele Gilbach ihre urige Glaswerkstatt an der Glashüttenstraße 56mitten im Ostviertel wie bereits seit vielen Jahren immer von montags bis freitags und von etwa 10 bis etwa 20 Uhr geöffnet. Ab April aber geht die 65-Jährige in Rente, vereinbart fortan Termine, um Aufträge abzustimmen. Kontakt: 0201 23 16 98

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