Schiedswesen

Zwei Schiedsfrauen schlichten in Altenessen

Claudia Marks (li.) und Manuela Molitor sind in Altenessen als Schiedsfrauen tätig.

Foto: Socrates Tassos

Claudia Marks (li.) und Manuela Molitor sind in Altenessen als Schiedsfrauen tätig.

Essen-Altenessen.   In Essen gibt es 18 Schiedsamtsbezirke. In vier von ihnen sind Frauen tätig. Wiederum zwei davon in Altenessen: Manuela Molitor und Claudia Marks.

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Wer im Essener Norden zum Schiedsamt geht, wird auf eine Frau treffen. Manuela Molitor (63) ist als Schiedsfrau in Altenessen-Süd schon eine Institution. Claudia Marks (54) ist seit Dezember vergangenen Jahres für Altenessen-Nord, Vogelheim und Karnap zuständig.

„Ich bin wie die Jungfrau zum Kind dazu gekommen“, erinnert sich Manuela Molitor, die im Umweltamt der Stadt Essen arbeitet. Vor 18 Jahren war in Altenessen-Süd das Schiedsamt zu besetzen. In der Bezirksvertretung wurde Manuela Molitor gefragt, ob sie nicht wollte. Sie wollte. „Jeder sollte etwas für die Allgemeinheit tun.“

Vereidigung am 15. Dezember

Claudia Marks, zurzeit nicht berufstätig, wollte mal Jura studieren. Es gab aber eine Phase, „da war die Schule nicht mein Ding“. Beruflich bekam sie es als Sekretärin und Rechtsanwalts- und Notar-Gehilfen – wie auch Manuela Molitor – aber mit dem Recht zu tun. Hinzu kam die Aufgabe als Schöffin. Eine Zeitungsanzeige, dass in Vogelheim eine Neu-Besetzung für das Schiedsamt gesucht wurde, weckte ihr Interesse. Sie bewarb sich. Mit Erfolg. Am 15. Dezember wurde sie offiziell vereidigt.

Wenn der Ast des Obstbaumes über den Zaun hängt

Der Ast des Obstbaums, der über den Zaun zum Nachbargrundstück wächst, die „blöde Kuh“, mit der eine Frau bedacht wird, oder die Party-Musik, die nach 22 Uhr dröhnt und die Nachbarn um den Schlaf bringt – sind typische Fälle, die beim Schiedsamt landen. In einigen Fällen schreibt das Gesetz sogar vor, dass eine Zivilklage erst dann zulässig ist, wenn zuvor eine Schlichtung erfolglos geblieben ist. Das hat Vorteile für die Beteiligten, auch wenn diese sie auf Anhieb nicht immer sehen: kurze Verfahrenszeit, geringe Verfahrenskosten (maximal 40 Euro plus Porto, Telefon und Schreibauslagen), weniger Stress.

Jedes Problem wird ernst genommen

Zuständig ist stets das Schiedsamt des Antragsgegners. Fühlt sich A von B beleidigt, ist der Schiedsamtsbezirk, in dem B wohnt, zuständig. „Das ist auch sinnvoll. Denn dann zeigt sich, ob die Sache dem Antragsteller es wert ist, sich dorthin zu begeben“, sagt Manuela Molitor. Und wenn es zu einem Termin kommt – die beiden Schiedsfrauen laden die streitenden Parteien stets in ihre Wohnungen –, gilt es zunächst einmal zuzuhören. „Die Menschen, die zu uns kommen, reden sich oft etwas von der Seele. Ob die Menschen uns sympathisch sind oder nicht, zählt nicht. Wir nehmen jeden und jedes Problem ernst“, sagt Manuela Monitor.

Acht bis zehn Verhandlungen pro Jahr

Acht bis zehn Verhandlungen hat sie im Jahr. Je nach Kompliziertheit kann eine schon mal drei Stunden dauern. Am Ende steht im Idealfall ein Vergleich, den die Schiedsleute als Amtspersonen mit ihrem Stempel bestätigen. Der Vergleich ist wie ein Gerichtsurteil 30 Jahre gültig. Finden die Parteien partout nicht zueinander, bleibt der Weg zum Gericht.

Von 18 Schiedsämtern sind vier in Essen mit Frauen besetzt. Was machen Frauen anders als Männer im Schiedsamt? Nichts – sind sich die beiden Altenessenerinnen einig. Frauen seien genauso geeignet. „Wichtig ist Empathie“, sagt Claudia Marks. Und die könnten Frauen wie Männer haben. Dass es mal richtig laut hergegangen sei, daran kann sich Manuela Molitor in ihrer langjährigen Praxis nicht erinnern.

Ehrenamt mit Vorbildfunktion

In Erinnerung blieb der 63-Jährigen, die auch nach ihrer Pensionierung weiterhin als Schiedsfrau tätig sein will, ein andere, private Begebenheit. Auf einer Feier im Viertel, bei der sie zu Gast war, meinten ein paar Gäste, sie könnten die Musik am späten Abend noch einmal richtig aufdrehen, weil die Schiedsfrau doch dabei sei. Nicht mit Manuela Molitor. „Für mich bedeutet das Ehrenamt der Schiedsfrau eine Vorbildfunktion.“

>>> In Essen gibt es 18 Schiedsamtsbezirke

In Essen gibt es 18 Schiedsamtsbezirke. Zurzeit sind der Bezirk 8 (Bochold, Bergeborbeck) und der Bezirk 18 (Bredeney, Schuir, Kettwig, Werden, Heidhausen, Fischlaken) nicht besetzt. Wer Interesse an der Tätigkeit als Schiedsmann/Schiedsfrau, der kann sich an Stefan Hagemann wenden: 0176 23 35 09 52. Weitere Info auf bds-essen.de

Schiedsperson kann jeder werden, der das 30. Lebensjahr vollendet hat, nicht älter als 70 ist, im Schiedsamtsbezirk wohnt und die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter besitzt.

Kontakt zu den Schiedsfrauen in Altenessen: Manuela Molitor, 32 86 64, und Claudia Marks, 70 20 70.

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