Corona

Essen: OB schließt Maskenpflicht in der Innenstadt vorerst aus

In der Essener Innenstadt gibt es keine Maskenpflicht, viele tragen aber freiwillig den Mund-Nasen-Schutz.

In der Essener Innenstadt gibt es keine Maskenpflicht, viele tragen aber freiwillig den Mund-Nasen-Schutz.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Essen.  Essens OB Kufen kritisiert voreilige Verbote, die wenig zum Infektionsschutz beitrügen. Eine Maskenpflicht in der City schließt er aktuell aus.

Oberbürgermeister Thomas Kufen hat vor einem hektischen Vorgehen bei der Pandemie-Bekämpfung gewarnt und für die Stadt Essen angekündigt, man werde sich von dem Grundsatz, Maß und Mitte zu wahren, nicht abbringen lassen. Kufen wollte zwar nicht ausschließen, dass bei weiter steigenden Infektionszahlen auch in Essen weitere Einschränkungen des Alltagslebens nötig sein könnten, „aktuell sehe ich dazu aber keine Veranlassung“, so der OB.

Nach Ansicht des OB bieten Essens Einkaufsstraßen genügend Möglichkeit, Abstand zu halten

Das gelte auch für das Tragen von Masken in Geschäftsstraßen, das in vielen Städten mittlerweile verpflichtend ist, etwa in Dortmund, Köln oder Gladbeck. Die Straßen in der Innenstadt, auch die Steeler Fußgängerzone oder die Rüttenscheider Straße bieten nach Ansicht des Oberbürgermeisters aber alle genügend Möglichkeiten, Abstand zu wahren. Die Zeiten, da man im Winterschlussverkauf auf der Kettwiger Straße dicht an dicht ging, seien lange vorbei. „Wir schauen uns das in den nächsten Wochen genau an, aber vorläufig verschärfen wir nichts.“

Der OB betonte erneut, er sei weiterhin kein Freund einer Politik, die auf Verbote setzt, zumal diese zumeist nur schwer zu kontrollieren sind. „Man muss auch hin und wieder mal fragen, was muten wir uns da eigentlich zu?“ Wenn jeder ein paar ganz einfache Regeln beherzige, „dann brauchen wir diese ganzen komplizierten Details doch gar nicht“. Abstand halten, Hygiene beachten und Masken da, wo der Abstand nicht möglich ist – das böte genügend Schutz.

Weiterhin gegen die Sperrstunde – „aber wenn es alle machen...“

Noch vor einer Woche hatte Kufen erklärt, eine Sperrstunde für die Gastronomie ergebe keinen Sinn, da die Restaurants, Bars und Kneipen im Gegensatz zu den privaten Feiern keine Infektions-Schwerpunkte seien. Seit Samstag gibt es die Sperrstunde – vom Land NRW angeordnet - nun allerdings doch: ab 23 Uhr müssen alle Gastronomien schließen. „Ich habe meine Meinung dazu nicht geändert, aber wenn es alle machen, können und wollen wir nicht ausscheren“, so der OB.

Er sei aber froh, dass die Stadt Essen zunächst abgewartet hat, bis das Land einen Erlass herausgab. Tatsächlich hatten Nachbarstädte wie Duisburg schon auf die bloße Nachricht hin, es seien Änderungen geplant, eigene Sperrstunden erlassen – nur um diese dann einen Tag später wieder erneut ändern zu müssen. „Mit solchen Aktionen vergrößern wir die Akzeptanz der Maßnahmen nicht“, sagt Kufen, der eine zunehmende Befremdung bei den Bürger wahrnimmt. Besonders die planlos verkündeten „Beherbergungsverbote“ in einigen Bundesländern hätten Schaden angerichtet.

Versetzungen aus anderen Stadtämtern ins Gesundheitsamt stößt an Grenzen

Kufen machte andererseits klar, dass es für Entwarnung keinen Anlass gibt. Auch das Essener Gesundheitsamt stoße bei der Nachverfolgung von Infektionen an Grenzen, wenn es in sieben Tagen mehr als 50 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner gebe. Bis jetzt ließen sich alle Fälle, auch dank der engagierten Aushilfskräfte, noch nachvollziehen. Man könne aber nicht beliebig viele Mitarbeiter aus anderen Stadtämtern ins Gesundheitsamt versetzen. „Es gibt noch andere Anliegen von Bürgern und auch die müssen bearbeitet werden.“ Teilweise sei dies schon jetzt nur mit Verzögerungen möglich.

Sorge macht dem OB die Lage der Kulturanbieter – die neuen Höchstzahlen bei den Besuchern seien eine existenzielle Bedrohung. „Viele sagen mir, das ist faktisch ein Lockdown.“ Und auch beim Breitensport müsse zu Beginn der Hallensaison einiges erneut auf den Prüfstand.

Die Sieben-Tage-Inzidenz des Robert-Koch-Instituts für die Stadt Essen stellte sich für den 18. Oktober etwas freundlicher dar als zuletzt: Demnach gab es in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner 54,7 Fälle von Neuinfektionen. Der Inzidenzwert gilt als wichtiger Indikator für die Gefahren durch das Virus, ab 50,0 gilt die Gefährdungsstufe 2, wodurch besondere Einschränkungen in Kraft treten.

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