Rockergang

„Osmanen“-Rocker verängstigen viele Anwohner in Essen

Die Kutte der Rockergruppe „Osmanen“.

Die Kutte der Rockergruppe „Osmanen“.

Foto: picture alliance / dpa

Essen.   In Essen-Frohnhausen hat sich die Rockertruppe „Osmanen Germania“ eingerichtet. Anwohner berichten von Drohungen.

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Das massive Auftreten der Kuttenträger muss martialisch gewirkt haben: Entlang der Mülheimer Straße und in einigen Nebenstraßen Frohnhausens bauten sich unter den argwöhnischen Augen der Anwohner am Osterwochenende dunkle Gestalten auf. Mit verschränkten Armen, so berichten Beobachter, stand alle paar Meter ein finster dreinblickender Mann mit dem stillen Charme eines Wandschranks. Offensichtlich gehörten sie allesamt einer Organisation an. „Osmanen Germania“ stand in großen rot-weißen Lettern auf den Rücken ihrer Lederjacken.

Osmanen: Rockerpräsident feierte in Shisha-Bar Geburtstag

Seitdem etwa 70 Mitglieder der Rockertruppe, die sich selbst als Box-Club bezeichnet, nach Erkenntnissen der Polizei über zwei Tage den Geburtstag eines der Ihren und die Inthronisation eines Clubpräsidenten vor und in einer Shisha-Bar im nördlichen Abschnitt der Mülheimer Straße gefeiert haben, sind Anwohner und ansässige Geschäftsleute zutiefst verunsichert. Ja, verängstigt.

Aus diesem Grund will niemand seinen Namen in der Zeitung lesen. Nicht der Immobilienbesitzer, der darüber klagt, dass das Auftreten der „Osmanen“ am 26. und 27. März nur der Höhepunkt mehrerer versuchter Demonstrationen zweifelhafter Macht im Stadtteil gewesen sei. Er berichtet, dass ein Mieter seines Ladenlokals schon vor Wochen nur deshalb ausgezogen ist, weil er bedroht worden sei. Einem potenziellen Nachmieter sei unmissverständlich bedeutet worden, dass eine Bombe hochgehe, wenn er im unteren Abschnitt der Mülheimer Straße ein Café eröffne. Der Mietvertrag sei daraufhin nicht zustande gekommen. Ein weiterer Betreiber eines kleinen Geschäfts, der darüber klagt, dass seine Kundschaft, „die auf der Straße beschimpft wird“ seit November ausbleibt, ist mit Sack und Pack einige hundert Meter weiter gezogen, um an anderer Stelle der drohenden Pleite hoffentlich noch einmal entgehen zu können.

Polizeisprecher: „keine Anzeigen und keine Hinweise auf Straftaten“

Das Ordnungsamt habe man mehrfach alarmiert. Danach habe ein städtischer Wagen „mal eine Runde gedreht“. Mehr passierte nicht. Die Polizei sei ebenfalls informiert und der zuständige Bezirksbeamte engagiere sich sehr. „Der versucht alles für unseren Stadtteil“, sagen sie. Doch, was soll der Hauptkommissar schon machen, außer die direkte Ansprache zu üben und ab und an den Zeigefinger zu heben, wenn es „keine Anzeigen und keine Hinweise auf Straftaten“ gibt, wie Polizeisprecher Ulrich Faßbender auf Nachfrage sagt.

Man habe die Entwicklung aber im Blick, beteuert Faßbender, und landesweit ein Auge auf die Rockertruppe „Osmanen“, die nach Beobachtungen des Landeskriminalamtes in NRW Fuß fassen will, um sich Marktanteile an den Geschäften anderer Rockergruppen sichern zu wollen. Inzwischen gibt es nach Erkenntnissen der Behörden bundesweit etwa 20 neue „Osmanen“-Niederlassungen, doch noch keins dieser so genannten Chapter in Essen. Zehn Rocker der Organisation sind nach Erkenntnissen der Polizei vor Ort gemeldet. Womöglich hatte einer von ihnen den Kontakt zu dem Betreiber der Shisha-Bar in Frohnhausen geknüpft, sagt Faßbender.

Auch „Hells Angels Turkey“ neu in Essen?

Denn für ihre Feier hatten die „Osmanen“ nach Erkenntnissen der Polizei im ganzen Ruhrgebiet vergeblich versucht, einen Treff zu finden. Bis sie dann in Essen landeten. Ihr massives Auftreten in Frohnhausen sei deshalb vermutlich ein Einzelfall ohne Zwischenfall. Über den plötzlichen Besuch der Rocker klagt einer jedenfalls nicht: der Betreiber einer Pizzeria an der Mülheimer Straße konnte sich über ein besonders umsatzreiches Osterwochenende freuen. Dort gingen die Rocker essen, weiß die Polizei: „Und sie haben alles bezahlt.“ Für die Anwohner dürfte dies ein schwacher Trost sein, zumal sie in ihrem Viertel bereits Vertreter einer anderen Organisation gesichtet haben wollen: die „Hells Angels Turkey“.

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