Stadtteil-Historie

Als Heisingen noch einen Bahnhof hatte

Kurz nach dem Bau des Baldeneysees entstand diese Luftaufnahme (in den 1930ern): Sie zeigt den Heisinger Bahnhof, die ehemalige Gaststätte Fährhaus mit Biergarten (das heutige Wohnhaus Lanfermannfähre 90) und den Schiffsanleger der heutigen Weißen Flotte.

Kurz nach dem Bau des Baldeneysees entstand diese Luftaufnahme (in den 1930ern): Sie zeigt den Heisinger Bahnhof, die ehemalige Gaststätte Fährhaus mit Biergarten (das heutige Wohnhaus Lanfermannfähre 90) und den Schiffsanleger der heutigen Weißen Flotte.

Essen-Heisingen.   Knapp 100 Jahre lang hatte der Stadtteil einen Bahnhof und war mit dem Zug erreichbar. Neues Buch von Klaus Dattenberg erinnert an diese Zeit.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Würde nicht Heisingen auf der Schwarz-Weiß-Postkarte stehen, könnte man den abgebildeten Bahnhof auch irgendwo im Wilden Westen verorten. Aus Holz gebaut, mit überdachter Veranda wirkt das Gebäude wie eine Kulisse aus dem Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“. Tatsächlich war der 1895 erbaute Haltepunkt in Höhe der heutigen Lanfermannfähre fast 100 Jahre lang die Verbindung Heisingens zur großen, weiten Welt. Über diese Zeit hat jetzt Klaus Dattenberg vom Museumskreis ein umfangreiches und reich bebildertes Buch geschrieben: „Als Heisingen noch einen Bahnhof hatte“, lautet der Titel des Werkes, das ab sofort über den Museumskreis erhältlich ist.

Durch die Archive gewühlt

Drei Jahre lang hat sich der Eisenbahn-Fan, der in Steele geboren ist und seit Jahrzehnten in Heisingen lebt, durch diverse Archive gewühlt. Er hat alte Postkarten, Fotos, Fahrpläne, Fahrscheine und Zeitungsartikel aufgespürt. Sein größter Fund sind die alten Baupläne der 1871 in Betrieb genommenen Eisenbahnbrücke zwischen Kupferdreh und Heisingen, die der 75-Jährige nach langer Recherche im rheinisch-westfälischen Wirtschaftsarchiv in Köln entdeckte.

„Die Brücke war zur damaligen Zeit ein architektonisch-kunstvolles Bauwerk, das größte Beachtung fand“, sagt Dattenberg, der selbst Elektroingenieur ist. Dass überhaupt ab 1869 eine Eisenbahnstrecke durch das Ruhrtal gebaut wurde, hatte natürlich etwas mit dem Bergbau zu tun. „Man wollte schnell und zuverlässig zum Rhein kommen, um dort die Kohle zu verladen.“ Bereits ab 1874 gab es in Heisingen einen Haltepunkt, doch erst 23 Jahre später, nach langen Verhandlungen zwischen der Gemeinde und der Königlichen Direktion der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, wurde ein Bahnhofsgebäude mit getrennten Warteräumen für die 1. und die 2. Klasse errichtet. Von nun an, so schreibt Dattenberg, bestimmte in Heisingen nicht mehr die Kirchturmglocke die Zeit, sondern die Bahnhofsuhr. Und der Fahrplan bestimmte den Takt. Personenzüge fuhren bis 1964 nach Düsseldorf oder, in die Gegenrichtung, nach Steele.

Bahnhofsgebäude wurde mehrfach umgebaut

Das Bahnhofsgebäude wurde mehrfach umgebaut, renoviert und erneuert.

Auch die Eisenbahnbrücke musste 1925 neu erbaut werden, weil die alte die Lasten nicht mehr tragen konnte. Im Zweiten Weltkrieg gesprengt, wurde sie wieder errichtet. Sie ist nach der Stilllegung der Strecke im Jahr 1973, die parallel zur Schließung der Zeche Carl Funke erfolgte, neben ein paar Kilometersteinen der einzig übrig gebliebene bauliche Beweis für die Eisenbahn, die einst durch Heisingen führte. Denn das Bahnhofsgebäude, in dem Helmut Keimling von 1966 bis 1993 seine Gaststätte „Zum alten Bahnhof“ führte, wurde 1995 durch ein Feuer verwüstet und anschließend abgerissen. Bemühungen, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterten. Denn das ehemalige Bahntrassengelände nah am See galt schon damals als wertvolles Bauland. Heute stehen dort schmucke Einfamilienhäuser.

Aber es gibt noch einen Hinweis aus der Zeit, als Heisingen per Zug an den Rest der Welt angeschlossen war: „Wir sind in ganz Essen der einzige Stadtteil, der eine Bahnhofsstraße hat.“

>>DAS NEUE BUCH ZUM BAHNHOF

Das Buch „Als Heisingen noch einen Bahnhof hatte“ kostet 16,95 Euro.

Es ist ab sofort im Paulushof (Empfang), Stemmering 18, erhältlich. Die erste Auflage ist bereits vergriffen, eine zweite wird gerade gedruckt.

Der Museumskreis Heisingen freut sich immer über engagierte Mitstreiter. Infos unter www.museum-heisingen.de

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik