Zirkus

Corona: Essener Zirkus hofft auf Spenden für die Tiere

Diana Sperlich, Hund Lucky, Pferd Remus, die Söhne Joey (13), James (3) und Jesse (18) neben Pferd Rocky (v.l.) harren in ihrem Winterquartier in Essen-Burgaltendorf aus. Sie hoffen auf Spenden aus der Bevölkerung. Zum Dank soll es nach der Krise eine große Vorstellung für alle Helfer geben.

Diana Sperlich, Hund Lucky, Pferd Remus, die Söhne Joey (13), James (3) und Jesse (18) neben Pferd Rocky (v.l.) harren in ihrem Winterquartier in Essen-Burgaltendorf aus. Sie hoffen auf Spenden aus der Bevölkerung. Zum Dank soll es nach der Krise eine große Vorstellung für alle Helfer geben.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Burgaltendorf.  Wegen Corona sind die Auftritte abgesagt: „Circus Holiday“ bleibt vorerst im Winterlager in Burgaltendorf. Vorstellung für Helfer ist geplant.

Gino Sperlich lässt den Mut nicht sinken. „Corona werden wir irgendwie meistern. Wir haben schon viele schlechte Zeiten überstanden“, sagt der 43-Jährige. Er ist Chef von „Circus Holiday“, der mittlerweile in der achten Generation besteht. Die Artistenfamilie harrt derzeit mit einigen für die Saison engagierten Künstlern im Winterlager im Gewerbegebiet in Essen-Burgaltendorf aus.

Die weißen Sattelschlepper stehen in den Hallen an der Worringstraße 285, die zwölf Wohnwagen davor. Die Artisten des „Circus Holiday“ sitzen im Essener Süden fest. Auf der Weide oberhalb der Ruhr grasen die Pferde friedlich in der Sonne. Seit über zehn Jahren sind die Zirkusleute von Ende Oktober bis Anfang März im Stadtteil heimisch. Von dort starten Zwei- und Vierbeiner im Frühling mit dem ganzen Tross zur Tournee. Ist das rot-gelbe Zelt erstmal aufgebaut, kann die Show beginnen: „Hereinspaziert, Manege frei.“

Im Winter haben die Artisten neue Nummern einstudiert

Burscheidt, Troisdorf, Bonn, Ahrweiler und Wuppertal standen diesmal auf der Frühjahrsroute. Lange vor Corona waren die Termine gebucht worden. „Im Winter haben wir neue Nummern einstudiert und die Tiere fit gehalten.“ Dann machten ihnen Corona und die damit verbundenen Einschränkungen einen Strich durch die Planung: Absage um Absage ging beim „Circus Holiday“ ein.

Einziger Hoffnungsschimmer: Das Gastspiel Ende Mai in Zülpich wurde noch nicht storniert. Dort möchte die Familie, zu der neben Gino Sperlich noch seine Frau Diana Sperlich und die Söhne Joey (13), James (3) und Jesse (18) gehören, eine Show mit allerlei Kunststücken geben. Mit dabei sind zudem vier kleine Hunde, einige Ziegen und die von Gino Sperlich und seinem Cousin dressierten Zirkuspferde.

Die Flut an Absagen bringt die Zirkusfamilie in große Not

Finanziell jonglieren die Artisten gerade ohne Netz und doppelten Boden. Die Flut an Absagen bringt sie in Not. Allein anderthalb Rollen Heu plus Kraftfutter brauchen die 16 Pferde täglich. „Alle Vorräte und Gelder des Winters sind aufgebraucht. Wir müssten jetzt wieder spielen, um Einkünfte zu haben und Rücklagen bilden zu können“, ergänzt er.

Ein Aufruf über Facebook brachte erste Sachspenden: Ein Unternehmen aus Willich stiftete eine Tonne Möhren. In der Not etwas anzunehmen, fällt der Familie schwer. „Mein Vater sagte immer, dass man Gutes auf jeden Fall später doppelt vergelten soll“, betont der Zirkusdirektor.

Vor drei Jahren starb Seniorchef Santo Sperlich

Drei Jahre sind vergangen, seit Seniorchef Santo Sperlich gestorben ist und unter großer Anteilnahme in Burgaltendorf beerdigt wurde. Ein schwerer Schlag. 2019 erkrankte Anna Sperlich, Ginos 68-jährige Mutter, an Krebs. Und jetzt Corona. „Ein Zirkusfreund aus Wuppertal hat mich überredet, öffentlich um Hilfe zu bitten.“ Nur mit Unterstützung seien die Kosten für Futter, Steuern, Versicherungen, Miete, Essen und Trinken zu stemmen.

Die Artisten sind sich sicher: Gerade jetzt könnten sie in der Manege die nötige Freude und Ablenkung bieten. „Gerne wären wir in diesen Tagen für die Menschen da. Aber das dürfen wir nicht, aus gutem Grunde“, sagt Sperlich. Wie Schauspieler leben Artisten vom Applaus. So vermissen sie die Anerkennung des Publikums. „Auch die brauchen wir zum Überleben.“

Bis zum ersten Gastspiel üben die Artisten nun täglich zwei Stunden in der Probemanege. Bei allen Helfern wollen sie sich mit einer „Dankeschön“-Vorstellung revanchieren, Seiltanz und Clowns inklusive. Sobald die Krise vorbei ist, geht es im großen Zelt der Sperlichs wieder rund.

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