Tag des offenen Denkmals

Friedhofsrundgang erinnert an Heisinger Geschichte

Henner Höcker (links), und Christian Breuer haben sich mit den bekannten und unbekannten Heisingern beschäftigt, die auf dem Alten Friedhof beerdigt sind. . Foto: Uwe Möller

Henner Höcker (links), und Christian Breuer haben sich mit den bekannten und unbekannten Heisingern beschäftigt, die auf dem Alten Friedhof beerdigt sind. . Foto: Uwe Möller

Essen-Heisingen.  Beim Tag des offenen Denkmals kann der Heisinger Friedhof erkundet werden. Hier ruhen viele Persönlichkeiten, die das Dorf geprägt haben.

Ihrem ersten Bürgermeister Emil Hagmann (1872 bis 1919) haben die Heisinger aus Dankbarkeit direkt ein großes Ehrengrab auf dem alten Friedhof hinter der St. Georg Kirche errichtet. „Von 1910 bis zu seinem Tod hat er die Geschicke Heisingens beeinflusst“, weiß Henner Höcker vom Museumskreis Heisingen, „als Bürgermeister der gerade erst selbstständig gewordenen Gemeinde Heisingen betrieb Hagmann vehement den Neubau des Rathauses und der Jugendhalle voran.“

Rundparcours am Tag des offenen Denkmals führt zu Grabstätten

Höcker hat sich nicht nur mit der Biografie Hagmanns beschäftigt. Auch mit weiteren Heisinger Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, hat er sich auseinandergesetzt. Das hat einen guten Grund: Der alte Friedhof kann dieses Jahr erstmals beim Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 8. September) besucht werden.

Ein Rundweg führt zu ausgewählten Grabstätten, zu denen Henner Höcker und der Historiker Christian Breuer fleißig recherchiert haben. Während sich Henner Höcker den bekannten Heisingern widmet, hat Breuer, mit 37 eines der jüngsten Mitglieder im Museumskreis, sich besonders mit den Opfern des Zweiten Weltkrieges befasst. Dabei behilflich waren ihm das Essener Stadtarchiv und der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Acht Heisinger kamen beim Bombenangriff ums Leben

Aus den Kopien der Sterbeurkunden, die Breuer bei sich trägt, kann man die tragischen Schicksale ablesen: Da ist das Ehepaar Raspe, er 47, sie 48, das im Oktober 1944 gemeinsam bei einem feindlichen Luftangriff ums Leben kam. Sechs weitere Heisinger überlebten den Angriff nicht. Oder der Bergmann Josef Rotthaus der, gerade mal 40, am Eingang zum Luftschutzstollen Carl-Funke kurz vor Kriegsende erschossen wurde. „Schädelzertrümmerung“ steht auf seiner Sterbeurkunde. Gerade 31 Jahre jung war der Lokomotivführer Herrmann Temmler, der am Bahnhof Heisingen bei einem Tieffliegerangriff durch Kopfschuss starb. Sie alle liegen mit 30 weiteren Opfern in einer langen Reihe am Rande des Friedhofes. „Fast alle waren Zivilisten“, weiß Breuer.

Gerne würde er noch mehr erforschen, was während des Zweiter Weltkrieges in seinem Heimatstadtteil Heisingen passiert ist. „Das ist aber immer noch ein unbekanntes Kapitel. Deswegen suche ich dringend noch Zeugen von damals, die mir etwas erzählen können.“

Wohlhabende Heisinger Bauernfamilie

Dagegen sind die Biografien der bekannten Heisinger kein Geheimnis: Da ist die Familie König, die in einem herrschaftlichen Grab beerdigt wurde. Wohlhabende Bauern, die mit viel ehrenamtlichen Engagement die Gemeindepolitik mitbeeinflusst und zum Beispiel den Bau der Bahnhofstraße gefördert haben. Oder der Architekt Wilhelm Rümke (1881 bis 1955), dem die Heisinger ihr Rathaus und die Jugendhalle verdanken.

„Mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten, schließlich hoffen wir auf viele Interessierte“, sagt Höcker, der wie Breuer am Tag des offenen Denkmals natürlich vor Ort sein wird. Die Besucher können dann bei einem Rundparcours die ausgewählten Grabstätten besichtigen. „Von uns bekommen sie den Plan und die Kurzbiografien zu den Verstorbenen“, sagt Breuer. Beide wollen es sich allerdings nicht nehmen lassen, auch selbst über die Begräbnisstätte zu führen, die so viel über die Geschichte Heisingens erzählt.

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