Integration

Geballter Einsatz für Bewohner in Essens Hochhaussiedlungen

Sie laden zum „Markt der Möglichkeiten“ ins Bürgerhaus Oststadt ein: (v.li.)  Lea Schaffeld, Stabstelle Integration Stadtbezirk VII des Jugendamtes, Eva-Maria Schwers-Hecker, Bereichsleitung Jobcenter-Ost in Steele, und Anne Burzlaff, Stadtteilmoderation von der Uni Duisburg-Essen.

Sie laden zum „Markt der Möglichkeiten“ ins Bürgerhaus Oststadt ein: (v.li.) Lea Schaffeld, Stabstelle Integration Stadtbezirk VII des Jugendamtes, Eva-Maria Schwers-Hecker, Bereichsleitung Jobcenter-Ost in Steele, und Anne Burzlaff, Stadtteilmoderation von der Uni Duisburg-Essen.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Freisenbruch.  Viele Akteure kümmern sich ums Zusammenleben und die Integration im Bergmannsfeld und Hörsterfeld, wo rund 30 Nationalitäten aufeinander treffen.

Als der „Markt der Möglichkeiten“ vor einigen Jahren Premiere feierte, da waren vor allem Spätaussiedler aus dem Bergmannsfeld und dem Hörsterfeld angesprochen. Bei der Neuauflage am 16. September im Bürgerhaus Oststadt werden erneut Jobcenter, Wohlfahrtsverbände, Sportvereine und Jugendamt sich und ihre Angebote vorstellen. Die Zielgruppe sind nun aber Menschen aller Nationalitäten, eingeladen sind Bürger aus dem gesamten Stadtgebiet. „Über allem steht das Zusammenleben in Vielfalt“, sagt Anne Burzlaff, die seit rund einem Jahr als Stadtteilmoderatorin vor Ort arbeitet. Für das Ziel sind zahlreiche Akteure im Einsatz.

Die Einsatzgebiete sind das Bergmannsfeld mit seinen rund 4800 Bewohnern und das benachbarte Hörsterfeld, in dem etwa 4600 Menschen leben – in den Hochhaussiedlungen treffen rund 30 Nationalitäten aufeinander. „Es ist schon eine besondere Form von Nachbarschaft“, sagt Anne Burzlaff, meint das sowohl im positiven Sinne, verschweigt aber auch nicht die Konflikte. Die beginnen mitunter bei Alltagsthemen wie der Mülltrennung. Sie kennt ähnliche Wohnsituationen aus Bratislava, wo sie eine Arbeit über Hochhaussiedlungen verfasst hat.

Treffen mit libanesischen Frauengruppen und Senioren beim Bingo

In Horst und Freisenbruch hat sich die Stadtteilmoderatorin in den Quartieren umgeschaut, hat afrikanische wie libanesische Frauengruppen und auch den Bingo-Treff der Senioren angesteuert. Und sie hat die Kollegen kennengelernt, die sich vor Ort um das Miteinander und die Integration kümmern. „Meine Aufgabe ist es, vorhandene Themen und das aufzugreifen, woran die Akteure vor Ort arbeiten“, erklärt Anne Burzlaff, die als Stadtteilkoordinatorin an der Universität Duisburg-Essen angesiedelt ist (Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung).

Nun hat sich ein noch recht junges Team zusammengefunden, da die Beteiligten mitunter erst seit ein oder zwei Jahren im gesamten Bezirk oder auch den Quartieren beschäftigt sind. Mit ihrem neuen Blick auf die Viertel, ihren Eindrücken und der Erfahrung aus der täglichen Arbeit haben sie nun den „Markt der Möglichkeiten“ auf die Beine gestellt. Besucher können sich über Sprachförderung, Weiterbildung und die Ansprechpartner im Stadtteil informieren, wo sie individuelle Unterstützung erhalten.

Jobcenter möchte auf seine Netzwerke hinweisen

„Wir stellen unsere Angebotspalette vor und möchten vor allem deutlich machen, dass wir zahlreiche Kooperationspartner für unterschiedliche Belange haben“, sagt Eva-Maria Schwers-Hecker, die seit zweieinhalb Jahren das Jobcenter-Ost in Steele leitet. Da ihre Kunden, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, aus den Vierteln kämen, beteiligt sie sich als Mitveranstalterin, auch mit der Hoffnung, den Menschen eine weitere Kontaktmöglichkeit anzubieten.

Mit dabei ist auch Lea Schaffeld vom Jugendamt. Sie ist zuständig für die Stabsstelle Integration im Bezirk VII mit den Stadtteilen Kray, Leithe, Freisenbruch, Horst und Steele. Als Ansprechpartnerin für die pädagogischen Fachkräfte, deren Aufgabe die Betreuung von Flüchtlingen ist, erfährt sie von den Sorgen, Nöten wie Anliegen und Aufgaben. Als Geschäftsführerin des Kompetenzteams im Bezirk – zu diesem gehören alle Organisatoren des Markt-Formates – bringt sie sich mit ihren Kontakten und ihrem Wissen ein.

Ein Stadtteilfest für alle Kulturkreise

Benjamin Rönnfranz beteiligt sich nicht nur als Stadtteilsozialarbeiter für das Bergmannsfeld, sondern kümmert sich derzeit auch federführend um das anstehende „kunterbunte Stadtteilfest“. Im Alltag sorgt er dafür, dass sich Schulen, Kitas, Gemeinden und Vereine vernetzten, am 7. September laden sie alle auf den Schulhof der Schule im Bergmannsfeld ein. „Wir möchten alle Kulturkreise aufs Fest bekommen“, formuliert er seinen Wunsch, hinter dem ebenfalls die Vielfalt und das Miteinander unter den Menschen steckt.

Die Bewohner, ob Bergmannsfeld oder Hörsterfeld, sie begegneten sich im Alltag bei der Wohnsituation ohnehin häufig, sagt Anne Burzlaff. Und da es die Bewohner gibt, die bereits in den 1980ern etwa als Spätaussiedler gekommen seien, und nun seit 2015 die zuletzt hinzugezogenen Bewohner aus Ländern wie Irak oder Syrien, „möchten wir dazu beitragen, dass sich die Menschen nicht verschließen und Verständnis statt eine Kluft zwischen ihnen entsteht“.

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