Abschied

Schulleiterin aus Überruhr nimmt Abschied

Ulrike Leopoldine Esser freut sich, dass auf dem Schulhof wieder eine  Linde wächst. Ein viele Jahrzehnte alter Baum war vor zwei Jahren gefällt worden. Glücklicherweise sorgte die Stadt für Ersatz..

Ulrike Leopoldine Esser freut sich, dass auf dem Schulhof wieder eine Linde wächst. Ein viele Jahrzehnte alter Baum war vor zwei Jahren gefällt worden. Glücklicherweise sorgte die Stadt für Ersatz..

Foto: André Hirtz

Essen-Überruhr-Holthausen.   Ulrike L. Esser, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Überruhr, verabschiedet sich nach 38 Jahren in den Ruhestand. Sie hat ihre Schule geprägt.

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An der Gemeinschaftsgrundschule Überruhr ist es eine schöne Tradition: Viertklässler werden an ihrem letzten Schultag buchstäblich hinausgeworfen, begleitet mit vielen guten Wünschen für ihren weiteren Lebensweg. Familie und Freunde stehen klatschend Spalier. Ob Ulrike L. Esser sich heute hinauswerfen lassen wird? Das will die 63-Jährige spontan entscheiden. Ein paar Tränen werden aber sicher fließen, denn für die langjährige Schulleiterin heißt es, Abschied nehmen – nach 38 Jahren an ihrer Schule.

Ulrike L. Esser stammt aus München. Wer genau hinhört, erkennt es an ihrem Zungenschlag. Das L. steht für Leopoldine. Den Namen hat sie von ihrer Großmutter. Darauf ist sie stolz. 1980 trat sie an der damaligen Suitbertschule in Überruhr-Holthausen ihre erste Stelle als Lehrerin an. Ins Ruhrgebiet war sie der Liebe zu ihrem Mann wegen gekommen. Ein Klassiker. „Meine Freunde haben mich für verrückt erklärt“, erinnert sie sich. „Als ich ihnen dann meine ersten Fotos vom Baldeneysee gezeigt habe, hieß es: Die hast du doch in Österreich aufgenommen.“

Herzlich aufgenommen in Überruhr

Ulrike L. Esser ist schnell heimisch geworden in Überruhr. „Hier ist es einfach schön. Und die Menschen hier haben mich sehr herzlich aufgenommen.“ Die Suitbertschule war damals noch eine katholische Grundschule, die Kinder stammten meist aus bürgerlichen, bildungsnahen Familien. Heute ist die Schülerschaft der Gemeinschaftsgrundschule heterogen. Jedes dritte Kind kommt aus einer Migrantenfamilie. Das soziale Umfeld ist nicht immer einfach.

Nach 25 Jahren an der Suitbertschule war Ulrike L. Esser an die benachbarte Johann-Peter-Hebel Schule gewechselt. Die ehemalige evangelische Grundschule galt wegen des hohen Migrantenanteils als ,Ausländerschule’“, erzählt Ulrike L. Esser. Kinder zu unterrichten, die manchmal kaum Deutsch sprachen, mit Eltern umzugehen, die aus ganz anderen Kulturkreisen stammen – das war und ist eine Herausforderung. „Ich habe es immer als Bereicherung empfunden“, sagt Ulrike L. Esser und ist dabei jeder Multikulti-Romantik unverdächtig. Muslimische Kinder, die in der Fastenzeit in der Schule nichts essen oder trinken wollen, oder Mädchen, die ein Kopftuch tragen – die scheidende Schulleiterin hat das nicht zugelassen. „Kinder brauchen Kraft“, sagt Ulrike L. Esser. Und für ein Kopftuch seien die Mädchen einfach zu jung. Esser war es immer wichtig, dass jedes Kind gefördert wird, auch und gerade in seiner Selbstständigkeit.

Als die Suitbertschule und die Johann-Peter-Hebel-Schule zur Gemeinschaftsgrundschule fusionieren und Ulrike L. Esser Schulleiterin werden sollte, gab es Vorbehalte, auch aus der katholischen Kirchengemeinde. Sie selbst habe sich in Überruhr nichts anderes vorstellen können als eine Schule, die allen Kindern offen steht. So ist es gekommen.

Freude am Lernen bewahren

Wenn Ulrike L. Esser heute zurückblickt auf ihr Berufsleben, dann stellt sie fest: Vieles hat sich verändert: Ganztagsunterricht, Acht-bis-Eins-Betreuung. Nicht nur das: Kinder kommen häufiger aus Patchwork-Familien. Beide Elternteile sind berufstätig oder arbeitslos. „Es gibt Kinder, die können schon lesen, wenn sie in die Schule kommen, andere können nicht einmal einen Stift halten.“ Lehrer müssten damit umgehen, sich auf Neues einlassen und immer wieder dazu lernen, dies sei wichtiger denn je.

Für Ulrike L. Esser heißt es ab heute: loslassen. Die Freude am Lernen will sie sich bewahren, will mit der Freundin noch intensiver musizieren, tanzen, Sport treiben, mit ihrem Mann verreisen. Ihre Schule wisse sie in pädagogisch guten Händen. Das macht es ihr leichter. Viel Glück, Ulrike Leopoldine Esser.

>>EINE SCHULE - ZWEI STANDORTE

Die Gemeinschaftsgrundschule Überruhr ist auf Beschluss des Stadtrates von 2010 durch die Fusion der katholischen Suitbertschule am Hinseler Hof und der konfessionslosen Johann-Peter-Hebel-Schule an der Klapperstraße entstanden. Die Gemeinschaftsgrundschule hat deshalb zwei Standorte.

Ulrike L. Esser war zunächst Lehrerin, dann Konrektorin an der Suitbertschule, bevor sie die Leitung der Johann-Peter-Hebel-Schule übernahm. Mit Gründung der Gemeinschaftsgrundschule wurde sie dort Schulleiterin.

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