Kleidung

Paris in arabischer Schrift – Essener Schule verbietet T-Shirt

Anass – hier mit Mutter Naoual el Faouzi –  darf das Paris-Shirt am Gymnasium Borbeck nicht mehr tragen. Foto: Knut Vahlensieck / FUNKE Foto Services

Anass – hier mit Mutter Naoual el Faouzi – darf das Paris-Shirt am Gymnasium Borbeck nicht mehr tragen. Foto: Knut Vahlensieck / FUNKE Foto Services

Foto: FUNKE Foto Services

Essen.   Die arabische Schrift löste am Gymnasium Borbeck offenbar die Sorge aus, es handele sich um eine versteckte Terror-Anspielung. Mutter des Schülers empört.

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Ein modisches Kleidungsstück wird am Gymnasium Borbeck zum Politikum: kein Kopftuch oder Ganzkörperschleier, sondern ein trendiges weißes Paris-T-Shirt aus der angesagten Street-Fashion-Boutique „Snipes“ am Limbecker Platz. Umstritten ist die Aufschrift: arabische Schriftzeichen, die nichts anderes bedeuten als Paris – so steht’s auch genau darunter: in lateinischer Schrift.

Das T-Shirt sei von der Schulleitung als „nicht angemessene Kleidung deklariert“ worden, bestätigt die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf die Beschwerde der Borbecker Mutter, deren Sohn am Montagvormittag in der Schule mit dem T-Shirt-Verbot belegt wurde. „Der Schüler wurde gebeten, das T-Shirt zu verdecken“, sagt die Behördensprecherin. Begründung: „Seitens der Schüler- und Lehrerschaft bestand auf Grund des T-Shirts Unbehagen, da die Bedeutung der arabischen Schrift nicht ermittelt werden konnte.“ Die Schulleitung möchte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

„Seit Paris und Brüssel ist die Stimmung sensibel“

Naoual el Faouzi ist die Mutter von Anass (16), der die 9. Klasse des Borbecker Gymnasiums besucht und am Montag nicht zum ersten Mal das Paris-T-Shirt trug. „Er hat es von seinem Cousin geschenkt bekommen und schon dutzende Male angezogen, auch in der Schule“, berichtet die empörte Mutter. Sie findet ihrerseits „nicht angemessen“, ja empörend, wie Schulleiterin Heike Walbrodt-Derichs ihren Sohn behandelt habe. „Er hatte Sport und wurde danach plötzlich per Lautsprecher ausgerufen, darüber hat er sich sehr geschämt.“

Die Borbecker T-Shirt-Affäre macht deutlich, wie dramatisch die von islamistischen Terroristen verübten Anschläge in Paris und Brüssel auch in den Alltag hierzulande hineingreifen – und bisherige Verhaltens- und Sichtweisen umstoßen. „Seit Paris und Brüssel ist die Stimmung sensibel“, erläutert die Sprecherin der Bezirksregierung. Auch am Borbecker Gymnasium geht offenbar die Angst um, die arabischen Schriftzeichen auf Anass’ Brust könnten gefährliche, ja subversive Botschaften enthalten, schlimmstenfalls sogar Sympathiebekundungen für Massenmörder.

Die eine Seite mag das T-Shirt deshalb als Provokation und sein Verbot als politisch korrekt begreifen, die Mutter hingegen empfindet dies als überzogen, ja kränkend. „Mein Sohn fühlt sich als Sympathisant des Terrors abgestempelt und ausgestoßen“, klagt Naoual el Faouzi. Die Empfehlung der Schule, Anass solle das umstrittene T-Shirt mit seiner – gut gefütterten – Jacke verdecken, nennt sie absurd. „Sollte er stundenlang so im Klassenraum sitzen?“ Anass sei daraufhin nach Hause gegangen und habe sich umgezogen. Während Düsseldorf das „verständnisvolle“ Verhalten des Schülers hervorhebt, spricht die Mutter von Gängelung.

Anlass: Deutscher Schüler trug Paris-T-Shirt – ohne Folgen

Sie sei eine liberale Muslimin und trage kein Kopftuch, betont sie. „Religion ist Privatsache, ich bin multikulturell.“ Die 38-Jährige, schon seit 14 Jahren alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen, hat marokkanische Wurzeln, aufgewachsen ist sie in Barcelona. Seit 16 Jahren lebt sie in Deutschland, fühlt sich wohl hier und auch akzeptiert. Dass sie, die Supermarkt-Verkäuferin, ihre Familie alleine durchbringt, erfülle sie mit Stolz. „Ich habe eine Umschulung gemacht und möchte bald am Flughafen arbeiten.“

Anass berichtet unterdessen, dass ein – deutscher – Schüler der Stufe 12 (Q1) am Dienstag ebenfalls solch ein Paris-T-Shirt getragen habe - „grün mit weißer Schrift“. Ihm sei nichts geschehen. „Ein weiterer Vorfall an dieser Schule ist uns nicht bekannt“, erklärt dazu die Behörde.

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