Öffentlicher Dienst

Politik ist wichtiger: Essener Lehrerin geht kaum zur Schule

Walburga Isenmann, umweltpolitische Sprecherin der CDU, in Burgaltendorf mit dem örtlichen Bezirksvorsteher  Manfred Kuhmichel. Die stellvertretende Leiterin des Alfred-Krupp-Gymnasiums hat seit Februar 23 Französisch-Stunden ausfallen lassen und nur fünf gegeben, berichten Eltern, deren Kinder in zwei Jahren das Abi machen sollen.

Walburga Isenmann, umweltpolitische Sprecherin der CDU, in Burgaltendorf mit dem örtlichen Bezirksvorsteher Manfred Kuhmichel. Die stellvertretende Leiterin des Alfred-Krupp-Gymnasiums hat seit Februar 23 Französisch-Stunden ausfallen lassen und nur fünf gegeben, berichten Eltern, deren Kinder in zwei Jahren das Abi machen sollen.

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Lehrerin und Ratsfrau Walburga Isenmann (CDU) lässt große Teile des Unterrichts ausfallen für Politik-Sitzungen. Eltern sauer, Behörde machtlos.

Eltern am Alfred-Krupp-Gymnasium beklagen massiven Stundenausfall in einem Französischkurs, den die Lehrerin und CDU-Ratsfrau Walburga Isenmann erteilt. Die 61-Jährige ist derzeit hauptamtlich als Pädagogin und stellvertretende Schulleiterin am Alfred-Krupp-Gymnasium beschäftigt. Sie sorgt aber seit Jahren für erhebliche Verstimmung an verschiedenen Schulen und bei der Schulaufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Düsseldorf.

Die Studiendirektorin aus Byfang erscheint kaum zum Unterricht und begründet das mit ihrem Engagement als Politikerin. Jetzt klagen Eltern erneut: Der Unterrichtsausfall könnte die Kinder im schlimmsten Fall das Abitur kosten, fürchten sie.

Sie kündigte ihr Fehlen den Schülern an

„Als Frau Isenmann 2017 den Französischkurs meiner Tochter übernahm, teilte sie den Schülern bereits in der ersten Unterrichtsstunde mit, dass sie als Vertreterin der CDU im Rat der Stadt Essen tätig ist und dass sie deswegen den Unterricht sehr oft nicht übernehmen könne“, berichtet Mutter Andrea Horstmann.

Walburga Isenmann bekleidet am Alfred-Krupp-Gymnasium eine volle Stelle: 25,5 Stunden, Besoldungsstufe A15 – was geschätzt mindestens 6000 Euro brutto im Monat ausmacht plus Zulage. Sie ist aber in diesem Jahr nur für vier Stunden Französisch pro Woche eingesetzt. Doch auch die finden regelmäßig nicht statt: „Seit Februar sind im Kurs von Frau Isenmann 23 Stunden ausgefallen und nur fünf wurden bislang gegeben“, berichtet Andrea Horstmann. Und das in der Einführungsphase (EF), dem ersten Jahrgang der Oberstufe, in dem es inhaltlich schon um das Abi geht.

Drei Parlamente, mehrere Fachausschüsse

Walburga Isenmann sitzt im Essener Rat, dem Umwelt-, dem Sportausschuss, ist beratend in der Bezirksvertretung VIII tätig und für drei weitere Ausschüsse als Stellvertreterin eingetragen.

Sie sitzt außerdem für die CDU in den Parlamenten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), dort auch in mehreren Fachausschüssen, und sie sitzt im Parlament des Regionalverbandes Ruhr (RVR).

Im Februar 2019 richtete sich die Schulpflegschaft der Alfred-Krupp-Schule schriftlich an Walburga Isenmann, „um zu eruieren, wie das Kursziel dieses Kurses trotz der zu erwartenden Unterrichtsausfälle sichergestellt werden kann.“ Die Eltern baten um einen Gesprächstermin.

Anwalt der Politikerin antwortete den Eltern

Die Antwort kam von Isenmanns Anwalt Christoph Pipping: Nicht die Politikerin sei Schuld an den Unterrichtsausfällen, sondern die Schule und die Schulaufsicht, die „trotz mehrfacher Bitten, Hinweise und Alternativvorschläge“ seitens der Politikerin offenbar nicht dazu in der Lage sei, ihren Unterricht in der Stundentafel so einzuplanen, dass dieser nicht mit Politik-Terminen kollidiert, die vorher lange feststehen.

So gesehen, argumentiert der Jurist: Nicht seine Mandantin, sondern die Schule provoziere den Unterrichtsausfall „ohne personelles und sonstiges sachliches Erfordernis“. Der Schulleiter darf sich zum Fall nicht äußern.

Fall füllt bei der Schulaufsicht viele Akten

Doch der Fall Isenmann füllt bei der Schulaufsicht in Düsseldorf längst Akten: Mehrfach führte sie in den letzten Jahren Gerichtsprozesse gegen die Bezirksregierung – mit Erfolg: Die Politikerin handelt rechtens. Rats- und Versammlungsmitglieder haben laut Gesetz einen Anspruch darauf, für die Zeit, in der sie ihr Mandat ausüben, von ihrer Verpflichtung zur Arbeit freigestellt zu werden. „Diese Vorschriften schaffen für Landesbeamte einen zwingenden Freistellungsanspruch, der durch beamtenrechtliche Regelungen nicht eingeschränkt ist“, teilt die Schulaufsicht mit. „Diese Rechtslage ist vom Gesetzgeber so gewollt, denn dadurch wird die Stärkung des Ehrenamtes bezweckt.“ Der Dienstherr habe keine Einflussmöglichkeit.

Doch der Bezirksregierung ist es offenbar längst zu bunt geworden: Im vergangenen Jahr verfügte die Aufsichtsbehörde, dass Walburga Isenmann von der Alfred-Krupp-Schule ans Viktoria-Gymnasium versetzt wird. Diese Schule nahm im Sommer 2017 zum letzten Mal Fünftklässler auf und läuft derzeit aus, ihr Ende als eigenständige Schule ist besiegelt.

Anwalt findet: Walburga Isenmann wird „gemobbt“

Doch die CDU-Politikerin blieb nur wenige Wochen dort und klagte sich erfolgreich durch zwei Instanzen zurück an die Alfred-Krupp-Schule. Dem Vernehmen nach sei es ihr „ausdrücklicher Wunsch“, an der Krupp-Schule zu bleiben, soll sie vor Kollegen gesagt haben.

Walburga Isenmann möchte zur Sache keine Stellung beziehen und verweist an ihren Anwalt. Christoph Pipping findet, das Ganze erreiche langsam die Grenze „zum Mobbing“ gegen seine Mandantin.

Auf der Ratsfraktions-Seite der CDU im Internet erklärt Walburga Isenmann, warum sie sich politisch engagiert: „Politik machen heißt an der Zukunft arbeiten“, antwortet sie da. Die Zukunft ihrer Schüler kann sie damit nicht gemeint haben.

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