Bildung

Private Schulen in Essen erwarten Anmelde-Ansturm

Werden eine siebte Eingangsklasse bilden: Benedikt Bahrfeck (Konrektor) und Adelheid Bohn (Schulleiterin) vor der Sekundarschule in Stoppenberg. Foto:Alexandra Roth

Werden eine siebte Eingangsklasse bilden: Benedikt Bahrfeck (Konrektor) und Adelheid Bohn (Schulleiterin) vor der Sekundarschule in Stoppenberg. Foto:Alexandra Roth

Essen.   Am Wochenende starten die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen in privater Trägerschaft. Die Rückkehr zu „G9“ könnte einen Run auslösen.

Essens private Schulen blicken mit einiger Spannung auf das kommende Wochenende: Mit der Rückkehr zum längeren Abitur nach neun Jahren dürften die Warteschlangen am Samstag beim offiziellen Anmeldetermin noch länger werden, „weil sich manche Eltern jetzt wieder bessere Chancen für ihren Nachwuchs ausrechnen“, sagt beispielsweise Lothar Hesse, Leiter des Don Bosco Gymnasiums in Borbeck. Die Salesianer als Träger des traditionsreichen Bildungshauses im Essener Westen werden auf die Nachfrage nach Schulplätzen reagieren: „So wie es aussieht, werden wir wohl auf vier Eingangsklassen erhöhen.“

Die Entscheidung liegt jetzt bei den Salesianern

Die Entscheidung sei beim Salesianer-Orden noch nicht abschließend gefallen, „aber ich gehe doch sehr davon aus. In den Gesprächen hat sich die Sichtweise durchgesetzt, dass wir bei einem Festhalten an der gewohnten Dreizügigkeit sicher 50 Kindern absagen müssten.“ Denn anders als andere Schulen weiß Hesse bereits, was da am Samstag ab 9 Uhr auf ihn zukommt: „Wir haben 142 Gesprächstermine vergeben.“ Und bis zum Wochenende, vermutet er, werden wohl noch ein paar hinzukommen: „Sicher werden sich ein paar Eltern spontan entscheiden“.

Es muss nicht einmal der Titel „Gymnasium“ über dem Portal stehen, der die Anmeldezahlen explodieren lässt: Essens einzige Sekundarschule, Teil des Bischöflichen Schulzentrums in Stoppenberg, kann sich vor Nachfrage kaum retten. Bereits vor dem zentralen Anmeldetag am 9. Februar hat die Schule Aufnahmewünsche von 260 (!) Eltern notiert. Und das für gerade einmal 150 Schulplätze in sechs Eingangsklassen. Über die Grenze von 25 Jungen und Mädchen pro Klasse will das Bistum nicht gehen, dies sieht das pädagogische Konzept vor.

Das Konzept der Schule ist verlockend

Doch genau dieses Konzept ist es, dass die Sekundarschule für die Grundschüler so verlockend macht. Die neue Schuldezernentin des Ruhrbistums, Eva Lingen, hat vor diesem Hintergrund bereits entschieden, im neuen Schuljahr eine 7. Eingangsklasse zu bilden. Auch hier das Argument: „Wir müssten sonst fast 100 Schüler abweisen. Das geht nicht.“ Mehr sei aber beim besten Willen nicht zu stemmen: „Uns sind in Stoppenberg einfach räumliche Grenzen gesetzt. Wir können nicht mehr Klassenräume zur Verfügung stellen.“ Und an den Klassengrößen soll sich laut Eva Lingen nichts ändern, zumal die Sekundarschule für ein ausgeprägtes inklusives Profil steht: „Wir werden uns als Schulträger der Verantwortung stellen, das ist klar.“

Erfolg hat Folgen fürs Gymnasium

Der Erfolg der Sekundarschule wirkt sich auch auf das angrenzende Bistums-Gymnasium aus. Anders als andere Gymnasien verzeichnete die „Penne“ am Stoppenberg nicht weniger, sondern deutlich mehr Schüler in der Oberstufe – weil sie die erfolgreichen Absolventen der Sekundarschule aufnimmt: „170 Mädchen und Jungen mussten wir in der Einführungsstufe unterbringen. Das hat uns unsere letzten Raumkapazitäten gekostet.“ Sogar der „Selbstlernraum“ musste wieder in zwei Klassenräume umgebaut werden: „Wir sind voll.“ Deshalb ist hier auch keine weitere Aufstockung der dreizügigen Schule geplant, auch wenn Rainer Hogrebe als stellvertretender Schulleiter eine rege Nachfrage erwartet.

Bauliche Grenzen, pädagogische Konzepte, die man nicht vollends über Bord werfen will: Am BMV-Gymnasium in Holsterhausen will man Klassengrößen von 30 Jungen und Mädchen zwar akzeptieren, „doch bei fünf Eingangsklassen und 150 Schülern ist wirklich Schluss“, sagt BMV-Direktorin Schwester M. Ulrike. Mehr gebe das Schulhaus an der Bardelebenstraße nicht her.

„Es wird viele erboste Eltern geben“

Ähnlich lautet die Botschaft des Mariengymnasiums in Werden: „Wir werden zwei Klassen für Jungen, zwei für Mädchen bilden“, sagt Schulleiterin Christiane Schmidt. Die Grenze wird bei 28 Kindern pro Klasse sein. „Bereits am Montag werden wir den Eltern mitteilen, ob wir ihr Kind aufnehmen.“ Da in Velbert bereits am Montag die Anmeldungen zu den Regelschulen laufen, sei Eile geboten: „Es wird viele erboste Eltern geben“, befürchtet die Schulleiterin. „Das sind leider harte Entscheidungen.“

>>> ANMELDUNGEN AUCH AN DEN GESAMTSCHULEN

Auch die sieben Essener Gesamtschulen nehmen am Wochenende die Anmeldungen entgegen. Hier können Eltern allerdings bis zum 12. Februar (9 - 12 Uhr) ihr Interesse an einem Gesamtschul-Platz bekunden.

An den Gesamtschulen Nord, Borbeck, Bockmühle, Gustav-Heinemann, Erich Kästner, Frida-Levy und Holsterhausen stehen 1080 Plätze zur Verfügung. Vor einem Jahr meldeten sich dafür 1272 Jungen und Mädchen an. Fast 200 mussten abgewiesen werden.

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