Verbrechen

Prostituierte lag zwei Tage tot in Essener Wohnung

In dieser Dachgeschosswohnung an der Kerckhoffstraße arbeitete die 62-Jährige als Domina. Das Haus wird überwiegend als Bordell genutzt.

In dieser Dachgeschosswohnung an der Kerckhoffstraße arbeitete die 62-Jährige als Domina. Das Haus wird überwiegend als Bordell genutzt.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Nach dem gewaltsamen Tod einer Prostituierten (62) in Essen-Frohnhausen fehlt jede Spur vom Täter. Die Behörden ermitteln im Rotlichtmilieu.

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Nach dem gewaltsamen Tod einer 62 Jahre alten Prostituierten in einer Bordell-Wohnung an der Kerckhoffstraße in Essen-Frohnhausen geben sich die Behörden bedeckt: Nachdem die Obduktion der Leiche am Montagabend die erste vorsichtige Vermutung der Polizei bestätigt hatte, dass die Frau Opfer eines Verbrechens geworden ist, wollte Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens am Dienstag noch keine weiteren Details preisgeben.

Es habe sich zwar „ein klarer Anhaltspunkt für ein Tötungsdelikt ergeben, doch wir haben noch keine Vorstellung, wer dahinter steckt“, begründete Jürgens ihre Zurückhaltung. Einiges spricht jedoch dafür, dass die Frau weder erschlagen, erstochen noch erschossen wurde. Denn dann hätte die Polizei wohl ein eindeutigeres Spurenbild in der Wohnung gefunden und nicht die Obduktion abwarten müssen, um von einem Kapitalverbrechen zu sprechen. Und wenn es schon jetzt einen „klaren Anhaltspunkt für ein Tötungsdelikt“ gibt, dürfte ein Gift-Tod ebenfalls ausscheiden. Eine für einen solchen Nachweis notwendige toxikologische Untersuchung braucht mehr Zeit.

Ein besorgter Bekannter rief die Polizei

Was auch immer die genaue Todesursache gewesen sein mag: Nach ihren Untersuchungen gehen die Rechtsmediziner davon aus, dass die 62-Jährige bereits am Samstag umgebracht worden ist. Zwei Tage später fand die Polizei ihre Leiche nach einem Anruf eines besorgten Bekannten des Opfers in der Dachgeschosswohnung des Altbaus, dessen Räume bis auf ein Döner-Restaurant im Erdgeschoss komplett an Prostituierte vermietet ist.

Dort, im Döner-Restaurant, sind vor allem Schüler die Stammkunden – Berufskollegs und eine Realschule sind nur einen Steinwurf entfernt. Nein, er habe nichts mitbekommen, sagt der Imbiss-Betreiber am Dienstagmorgen. Und die Prostituierten in den Wohnungen des Hauses schweigen auch – wie nicht anders zu erwarten.

Im Flur des Hauses wird sofort klar, dass dies ein Bordell ist: Ein Plakat mahnt die Nutzung von Kondomen an. Plastikpflanzen und schummrige LED-Beleuchtung verdecken notdürftig, dass in diesem Haus seit Jahren nicht renoviert wurde. Selbst der Keller wird offenbar für Prostitution genutzt: An einem Klingelschild zum Treppenabgang steht „Thai-Nancy“.

Erfahrungsgemäß wird im Rotlicht-Milieu wenig geredet

Die Mordkommission der Polizei ermittelt jetzt im Kunden- und Kolleginnen-, aber auch Bekanntenkreis der Getöteten, um Hinweise auf einen Täter zu bekommen, von dem bislang jede Spur fehlt. Erfahrungsgemäß ist die Bereitschaft im Rotlichtmilieu nicht allzu ausgeprägt, mit der Polizei zu reden. Doch der eine oder andere, der den Fahndern womöglich weiterhelfen könnte, sollte sich gut überlegen, ob er durch sein Schweigen aus Scham riskiert, dass die Ermittler eines Tages unangekündigt bei ihm auf der Matte stehen, heißt es bei der Polizei.

Was nicht heißen soll, dass sich die Ermittlungen allein gegen potenzielle Kunden der 62-Jährigen richten, die bereits seit etlichen Jahre im Sex-Gewerbe aktiv gewesen sein soll. Die Blondine stellte sich als Domina dar, warb mit extravaganten Diensten um ihre Freier wie die übrigen Frauen und Transsexuellen auch, die ihre Angebote in dem Haus an der Kerckhoffstraße ganz offen in einschlägigen Internet-Foren verbreiten.

800 bis 1000 Frauen sind in Essen als Sex-Arbeiterinnen tätig

Die Stadt Essen hat noch keine Erlaubnis für das Prostitutionsgewerbe in dem Haus an der Kerckhoffstraße erteilt. Eine Genehmigung sei beantragt worden, es fehlen aber noch notwendige Unterlagen, heißt es.

In Essen sind geschätzt 800 bis 1000 Frauen als Sex-Arbeiterinnen tätig: in Bordellen und auf dem Straßenstrich, in Clubs und Massagestudios oder auch wie im Frohnhauser Fall in Wohnungen.

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