Haftbefehl aufgehoben

Prozess um Gruppenvergewaltigung: Ein Angeklagter kommt frei

Nuri E., der sein Gesicht mit einem Aktenordner verdeckt, legte zum Prozessauftakt eine Art Geständnis ab.

Nuri E., der sein Gesicht mit einem Aktenordner verdeckt, legte zum Prozessauftakt eine Art Geständnis ab.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen.  Im Prozess um die Vergewaltigung minderjähriger Mädchen wurde Nuri E. aus der U-Haft entlassen. Das Gericht würdigte damit sein Geständnis.

Weil sie gemeinsam minderjährige Mädchen vergewaltigt haben sollen, müssen sich derzeit fünf junge Männer in Essen vor Gericht verantworten. Einer der Angeklagten, die bislang in Untersuchungshaft saßen, kam nun auf freien Fuß. Es handelt sich um den 20 Jahre alten Nuri E.

Das Aussetzen des Haftbefehls erklärt das Gericht damit, dass der 20-Jährige aus Wuppertal bereits im Ermittlungsverfahren aber auch in der Hauptverhandlung umfänglich ausgesagt habe. Nuri E. habe die ihm vorgeworfenen Taten eingeräumt und "dabei stets zum Ausdruck gebracht, dass er das durch ihn verwirklichte Unrecht einsieht und auch die Auswirkungen seiner Taten für die Opfer erkennt", heißt es in der Begründung des Essener Gerichts.

Gericht sieht keine Fluchtgefahr und setzt Haftebefehl aus

Weiter heißt es dort: "Der Angeklagte habe offen auf alle Nachfragen geantwortet und seine damalige Sichtweise geschildert - ohne zu beschönigen. Er habe sich bei den betroffenen Mädchen persönlich entschuldigt und sich um einen Täter-Opfer-Ausgleich bemüht sowie Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro angeboten."

Da das Gericht davon ausgeht, dass der Wuppertaler sich auch weiter dem Prozess stellt und keine Fluchtgefahr besteht, hat das Gericht den Haftbefehl zunächst außer Vollzug gesetzt. Am Mittwochnachmittag durfte der 20-Jährige deshalb die Jugendhaftanstalt in Heinsberg verlassen. Laut Spiegel kehrte der junge Mann zurück zu seinen Eltern, bei denen er noch wohnt. Verbunden ist die jedoch mit Auflagen: So muss sich Nuri E. regelmäßig bei der Polizei melden, außerdem musste er seinen Pass abgeben.

Nuri E. belastete Mitangeklagten schwer

In seiner Aussage im Juli hatte Nuri E. zwar umfassend ausgesagt - allerdings mit Hang zur Bagatellisierung. Er selbst will immer freundlich gefragt haben, ob die Mädchen mit ihm schlafen wollten. Nachdem einer der Mitangeklagten ein Mädchen vergewaltigt habe, so erzählt er, sei er an der Reihe gewesen. Er habe die Mädchen aber darum „gebeten“. Zwar hätten sie zunächst abgelehnt, nach seinem Hinweis, er werde sie danach auch nach Hause fahren, hätten sie dann doch eingewilligt. Die Mädchen hätten zudem seine "langen Wimpern“ gelobt, ihm Komplimente gemacht.

Den jüngsten der Angeklagten belastete er in seinem Geständnis schwer. Dieser sei „der Boss“ gewesen, dieser habe bestimmt, was passiert. Sein Anwalt Uwe Krechel hatte sich damals im Namen seines Mandanten entschuldigt: „Es tut ihm leid.“ Im Wesentlichen sei die Anklage richtig, sein Mandant wolle den Opfern ein „angemessenes Schmerzensgeld“ zahlen.

Treffen über WhatsApp-Gruppen organisiert

Den fünf jungen Männern wird vorgeworfen, in sieben Fällen Schülerinnen, mit denen sie mehr oder weniger eng befreundet waren, ins Auto gelockt zu haben. Über WhatsApp-Gruppen mit den Titeln „Spinnen GE“ und "Scorpions MC 1%“ sollen die Angeklagten die Verabredungen getroffen haben.

Dass sie die Gruppen eingerichtet hätten, um sich mit zum Teil menschenverachtenden Worten über die Mädchen auszutauschen hatte der Angeklagte Gianni H. in seiner Vernehmung bestritten. Er selbst habe die Gruppen gegründet. Sie seien wichtig gewesen, um sich zum Dart- oder Billardspielen zu verabreden. „Spinnen GE“ spiele darauf an, dass „wir alle dünn sind“. Und Scorpions beschreibe einen „coolen Typen“.

Laut Anklage sollen die jungen Männer mit den Mädchen in abgelegene Waldgebiete vor allem in Essen gefahren sein. Unter einem Vorwand hätten sie ihnen die Handys abgenommen. Mit der Drohung, sie auszusetzen, sollen die fünf in wechselnder Beteiligung dann sexuelle Handlungen verlangt haben. In einigen Fällen bekamen sie, was sie wollten, in anderen nicht. (mawo/ette)

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