Caritas Video Award

Rasanter Clip stellt inklusives Hotel Franz in Essen vor

Die Rezeption im Essener Hotel Franz ist der Arbeitsplatz von Vanessa Düllberg. Jüngst hat die 29-Jährige einen Videoclip über das Team des inklusiven Hotels gedreht.

Die Rezeption im Essener Hotel Franz ist der Arbeitsplatz von Vanessa Düllberg. Jüngst hat die 29-Jährige einen Videoclip über das Team des inklusiven Hotels gedreht.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Im Essener Hotel Franz hat die Hälfte der Mitarbeiter ein Handicap. Nun gewann das Team mit einem rasanten Clip den Caritas Video Award.

Vanessa Düllberg arbeitet im Hotel Franz in Essen, ist Hotelkauffrau und neuerdings auch Filmemacherin. So würde sie das selbst nie sagen, aber immerhin hat ihr Erstling gerade den „Caritas Video Award“ gewonnen: Ein kurzer Clip, der auf rasante Art die Arbeit in dem inklusiven Hotel zeigt, in dem über die Hälfte der gut 50 Mitarbeiter ein Handicap hat. „Ich wollte das ganze Spektrum unserer Arbeit und unseres Teams zeigen“, sagt die 29-Jährige Düllberg.

Und so treten in dem Film „Putzteufel“ und „Saugroboter“ auf, „Frau Holle“ macht die Betten, in der Küche arbeiten „Pfannenwender“ und „Erbsenzähler“ und an der Bar schüttelt ein „Schaumschläger“ den Cocktail-Shaker. Das Drehbuch für sie hat Vanessa Düllberg geschrieben, das Casting lief problemlos: „Viele wollten mitmachen, und wir konnten alle einbauen.“ Sie spielen sich selbst, und die meisten dachten sich die Spitznamen für ihre Tätigkeiten selbst aus.

Die Hälfte der Mitarbeiter hat ein Handicap

Der Hotelbetrieb unter dem Dach des Franz Sales Hauses zählt zum Caritasverband Essen und konnte sich als solcher am Caritas Video Award beteiligen. Ziel des zum zweiten Mal vergebenen Preises ist es, die Vielfalt der Caritas zu zeigen und nebenbei auf humorvolle Weise für soziale Berufe zu werben. Insofern sticht der Hotel-Clip unter den anderen Videos heraus, in denen viele Sozialarbeiter, Erzieher oder Altenpfleger auftreten. Im Hotel Franz arbeiten Küchenhilfen, Köche, Servicehelfer, eine Hausdame, Reinigungskräfte, Zimmermädchen, Hotel-, Restaurant- und Veranstaltungskaufleute. Wie in jedem Hotel. Nur dass einige von ihnen wegen ihrer Einschränkungen von Mitarbeitern aus dem Franz Sales Haus betreut werden.

Als Inklusionsbetrieb muss das Hotel mindestens 40 Prozent Mitarbeiter mit Handicap beschäftigen, tatsächlich liege die Quote sogar bei fast 50 Prozent, sagt die Sprecherin des Franz Sales Hauses, Valeska Ehlert. Unter den Kollegen gebe es wenig Fluktuation, aber wechselnde Praktikanten probierten im Hotel Franz, ob sie sich den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zutrauten.

Im Alltag gebe es keine Unterschiede zwischen den Mitarbeitern, betont Gerlinde Prätorius, die wie Vanessa Düllberg viel an der Rezeption arbeitet. Der nun prämierte Film zeige, dass das Team bunt und vielfältig ist – und schnell. Das wird durch die schnellen Schnitte unterstrichen, die allerdings nicht allein künstlerisch begründet sind, wie Vanessa Düllberg gesteht: „Ich hätte sonst nicht alle Kollegen unterbringen können.“

Zur Preisverleihung fuhren die Hotelmitarbeiter in Limousinen vor

Anfangs wollte die junge Frau, die seit sieben Jahren im Hotel Franz arbeitet, den Film an einem Stück drehen. „Doch egal, wie gut ich das vorbereitet habe, an irgendeiner Stelle lief immer ein Hotelgast ins Bild.“ Also musste sie sich doch mit der Schneidetechnik vertraut machen, unterstützt von ihrem Kollegen Marcos Smid und durch einen Workshop, den die Caritas ihren Handy-Filmern anbot. „Vanessa ist technik-affin und kreativ, betreut auch unsere Facebook-Seite“, sagt Gerlinde Prätorius. „Trotzdem habe ich mich manchmal gefragt, was ich mir da angetan habe“, sagt die 29-Jährige.

Vier Wochen habe sie an dem Clip gearbeitet – in ihrer Freizeit. Belohnt wurden sie und ihre Mitstreiter bei der stilvollen Preisverleihung im Oktober. „Wir wurden alle mit Limousinen beim Filmstudio Glückauf vorgefahren, schritten über den roten Teppich – und waren furchtbar aufgeregt“, erzählt Gerlinde Prätorius. Hobby-Regisseurin Düllberg, die einen Platz auf dem Treppchen fest angestrebt hatte, verließ doch die Hoffnung, als die Plätze zwei und drei vergeben waren. „Dass wir sogar auf Platz eins gelandet sind, war eine solche Überraschung – wir haben laut geschrien!“

Den nächsten positiven Schub für das Team gibt es, wenn sie den 1000-Euro-Gutschein für Platz 1 in eine Freizeitaktion umsetzen, gemeinsames Paddeln zum Beispiel.

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