Traditionsbäckerei

Bäcker Lindner: Nachfolge-Firma soll nun auch insolvent sein

Die Essener Traditionsbäckerei Lindner wurde vergangenes Jahr von einer türkischen Firma übernommen. Alle vier Filialen in Holsterhausen und Rüttenscheid sind geschlossen.

Die Essener Traditionsbäckerei Lindner wurde vergangenes Jahr von einer türkischen Firma übernommen. Alle vier Filialen in Holsterhausen und Rüttenscheid sind geschlossen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen/Rüttenscheid.  Die „Nur GmbH“, die die Traditionsbäckerei Lindner übernommen hat, soll nun auch insolvent sein. Alle vier Filialen in Essen sind geschlossen.

Die Firma „Nur GmbH“, die Ende des Jahres die insolvente Traditionsbäckerei Lindner in Essen übernommen hat, soll nun auch insolvent sein. Das teilt Petra Lindner, die ehemalige Inhaberin der Bäckerei, mit. „Die haben den Laden vor die Wand gefahren“, sagt sie.

Seit einigen Tagen hängt in der Filiale an der Gemarkenstraße 74 ein Schild: „Liebe Kunden, aus privaten Gründen bleibt der Laden vorübergehend geschlossen.“ Nun ist klar: Alle vier Filialen an der Gemarken-, Kepler- und Rüttenscheider Straße sind geschlossen und bleiben es auch. Das Unternehmen sei nun auch insolvent, sagt Lindner. Das Insolvenzgericht Essen will sich zu dem Fall nicht äußern.

Kunden vermissen die alte Qualität der Lindner Bäckerei

Die neuen Besitzer der Bäckerei seien beratungsresistent gewesen und hätten alles falsch gemacht, was man nur hätte falsch machen können. „Sie haben zu teuer eingekauft und langjährige Mitarbeiter vergrault, so dass kein adäquates Personal mehr da war“, sagt Petra Lindner. Sie und ihre Tochter arbeiteten noch bis vor wenigen Monaten in der Bäckerei mit. Petra Lindner hatte sich im Mai auf Grund ihres Ruhestandes aus dem Betrieb zurückgezogen. Ihre Tochter habe Anfang Juli auf Grund der Umstände das Unternehmen endgültig verlassen.

Auch die Qualität der Backwaren habe sich in den letzten Monaten massiv verschlechtert. „Statt Mehl für Brötchen wurde Mehl für Fladenbrot gekauft“, so Lindner. Ihren Unmut über die schlechte Qualität der Brötchen äußerten viele Kunden im Internet. „Das, was da zum Schluss über den Tresen ausgegeben wurde, hatte mit der Qualität von vor 20 Jahren nichts mehr zu tun“, äußerte sich beispielsweise ein Kunde bei Facebook.

Ebenso seien die Lieferanten nicht immer bezahlt worden, weiß Lindner. Trotz vieler Hinweise und guter Ratschläge seitens der Familie, sollen sich die neuen Besitzer nicht davon überzeugt haben lassen, etwas an ihrem Vorgehen zu ändern.

Verantwortlicher wolle sich ins Ausland absetzen

Der Geschäftsführer der „Nur GmbH“ war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie es mit den Läden weitergeht, weiß Lindner nicht. Einer der Verantwortlichen habe vor, sich ins Ausland absetzen. Das jedoch wolle die Familie mit Hilfe des Hauptzollamtes versuchen zu verhindern.

Der türkischstämmige Gastrobetrieb, der in Dortmund ansässig ist und auch eine Filiale im Zentrum von Kray betreibt, wollte zunächst das bewährte Sortiment und die gewohnte Qualität der Lindner-Bäckereien weitgehend erhalten, sagte damals Stefanie Lindner dieser Zeitung.

„Eigentlich sind wir froh, dass das Spiel nun ein Ende hat“, sagt Petra Lindner. Denn die aktuelle Situation sei für die Familie unangenehm gewesen. „Wir werden natürlich direkt mit der schlechten Qualität in Verbindung gebracht – da traut man sich kaum noch auf die Straße.“

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