Gastronomie

Restaurant „Jade“ vor dem Aus: Koch muss zurück nach China

Yin Yu, Besitzerin des Restaurants „Jade" im Essener Südviertel, hofft, dass die Aufenthaltserlaubnis von Koch Benchi Chen doch noch mal verlängert wird. Wenn das nicht geschieht, muss sie ihr Restaurant schließen.

Yin Yu, Besitzerin des Restaurants „Jade" im Essener Südviertel, hofft, dass die Aufenthaltserlaubnis von Koch Benchi Chen doch noch mal verlängert wird. Wenn das nicht geschieht, muss sie ihr Restaurant schließen.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Südviertel.  Die Aufenthaltserlaubnis des Kochs wird nicht verlängert. Eine Petition ist die letzte Hoffnung für das chinesische Restaurant in Essen.

Die Aufenthaltserlaubnis vom Koch des Lokals „Jade“ ist ausgelaufen und soll nicht verlängert werden. Der Chinese muss Deutschland verlassen und zurück in sein Heimatland reisen. „Unser Restaurant im Essener Südviertel steht kurz vor dem Aus“, sagt die Betreiberin Yin Yu. Denn der 36-jährige Koch sei Spezialist für Gerichte, die es so nur selten im Ruhrgebiet gebe.

Dim Sum nennen sich die kleinen Vorspeisen, die den spanischen Tapas ähneln. Meist gedämpft oder frittiert. Genau das ist Chens Stärke. Seit über sechs Jahren zaubert er im „Jade“ diese traditionellen kantonesischen Gerichte. Benchi Chen ist über den Vater von Yin Yu, der als Arzt in China tätig war, nach Deutschland gekommen. „Er war ein Patient meines Vaters und ist nach Essen gekommen, um mich als Spezialist für Dim Sum zu unterstützen“, so Yu.

Seit 1997 hat das Restaurant im Essener Südviertel seinen Platz. „Ich werde keinen Koch mehr finden, der das Handwerk so gut beherrscht“, sagt Yu. Mit weniger möchte sie sich nicht zufrieden geben, „schließlich sind wir durch die Dim-Sum-Spezialitäten bekannt geworden“. Sollte die Aufenthaltserlaubnis von Chen definitiv nicht verlängert werden, würde sie deswegen den Laden schließen müssen.

Petition soll das Restaurant im Essener Südviertel retten

Die erste Aufenthaltserlaubnis von Benchi Chen als „Spezialkoch“ wurde nach vier Jahren verlängert. Danach war er als sogenannte„Führungskraft“ tätig. Nun soll aber endgültig Schluss sein – sagen Stadt und Oberverwaltungsgericht, bei dem Yin Yu Klage eingereicht hat – und gescheitert ist. Der Grund: Die Beschwerde gegen die Abschiebungsandrohung sei nicht begründet. Das Oberverwaltungsgericht schreibt in seinem Beschluss: „Die dargelegten Gründe [...] geben keinen Anlass, den angefochtenen Beschluss abzuändern oder aufzuheben.“

Die letzte Hoffnung von Yin Yu: Dass das Verfahren doch noch einmal aufgenommen wird. Eine Petition hat die Chefin vor wenigen Tagen gestartet, die ersten Unterschriften wurden bereits gesammelt. Vor allem von vielen Stammkunden – wie Peter Jansen. Er kommt seit Jahren aus Haarzopf in das Restaurant, hat dort die speziellen Dim-Sum-Gerichte lieben gelernt. „Sowas ist wirklich einzigartig im Ruhrgebiet“, sagt Jansen. „Wenn der Laden schließen müsste, wäre das definitiv nicht nur ein Verlust für die Stadt.“

Auch Regine Walter, Nachbarin von Yin Yu und ebenfalls seit Jahren Stammgast im Restaurant, befürchtet eine große Lücke, die eine Schließung mit sich bringen würden. „Nicht nur wegen des Essens – auch für die Mitarbeiter wäre das ein harter Schlag.“

Stammgäste helfen bei Formalitäten

Die beiden Stammgäste helfen Yin Yu und Benchi Chen bei den anfallenden Formalitäten. „Die deutsche Sprache ist einfach zu schwierig“, sagt Yin Yu, die seit über 20 Jahren in Deutschland lebt. Benchi Chen spricht kein Wort Deutsch. „So kann er sich gar nicht wehren“, sagt Peter Jansen.

Yin Yu setzt alles darauf, dass die Aufenthaltserlaubnis doch noch einmal verlängert wird. „Denn bald tritt in Deutschland das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft“, so Yu. „Ich hoffe, dass er dann die Chance bekommt, endgültig hier zu bleiben.“ Sollte das nicht der Fall sein, werde Yu den Laden schließen müssen – und selbst zurück nach China zu ihrer Familie ziehen.

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