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Rund 600 Jugendliche in Essen ignorieren das Jobcenter

Gemeinsam mit der Jugendberufshilfe hat das Essener Jobcenter vor vier Jahren das Projekt „Easi Ap“ gestartet. Dadurch sollen junge Menschen wieder an das Sozialsystem angeschlossen werden. Wurden anfangs 20 Jugendliche betreut, konnten mittlerweile 175 Plätze geschaffen werden.

Gemeinsam mit der Jugendberufshilfe hat das Essener Jobcenter vor vier Jahren das Projekt „Easi Ap“ gestartet. Dadurch sollen junge Menschen wieder an das Sozialsystem angeschlossen werden. Wurden anfangs 20 Jugendliche betreut, konnten mittlerweile 175 Plätze geschaffen werden.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Ohne Schulabschluss und Perspektive: Das trifft nach Schätzungen des Essener Jobcenters auf rund 600 Jugendliche zu. Ein Projekt macht Hoffnung.

Nach Schätzungen des Jobcenters leben rund 600 junge Menschen in Essen, die weder einen Schulabschluss haben noch eine Ausbildung beginnen. „Diese jungen Menschen verstricken sich in scheinbar endlose Konflikte und (...) entziehen sich den bestehenden Hilfsangeboten“, heißt es auf Anfrage bei der Stadt und dem Jobcenter.

Um Abhilfe zu schaffen, haben Stadt und Jobcenter in Zusammenarbeit mit der Jugendberufshilfe das Projekt „Easi Ap“ ins Leben gerufen. Vorausgegangen war die Einführung des Paragrafen 16h im Sozialgesetzbuch II. Es regelte die „Förderung schwer zu erreichender junger Menschen“ unter 25 Jahren neu. Dadurch sind auch unkonventionellere Wege möglich, um junge Arbeitslosen eine Perspektive zu geben. „Easi Ap“ steht dabei für „Erreichen, Aufbauen, Sichern der Anschlussperspektive.“ Zwölf Monate lang arbeiten Sozialarbeiter mit den Jugendlichen daran, sich ein Leben aufzubauen.

Zahl der betreuten Jugendlichen stieg in vier Jahren von 20 auf 175

Nach einer kurzen Pilotphase gab der Erfolg des Projekts den Verantwortlichen Recht: Konnten zu Beginn von „Easi Ap“ 20 Jugendliche betreut werden, wurde die Zahl der Plätze auf aktuell 100. Im Frühjahr kommen nochmal 75 weitere Plätze hinzu, „weil das Projekt so erfolgreich ist“, wie es beim Jobcenter heißt. So gelinge es bei etwa der Hälfte der jungen Menschen, sie wieder in das Regelsystem einzubinden.

Wenn Anrufe, Briefe und andere Versuche der Kontaktaufnahme ins Leere laufen, teilt das Jobcenter den beteiligten Sozialarbeitern die „Härtefälle“ mit. „Wir laden die Jugendlichen dann schriftlich zu uns ein, werfen außerdem unsere „Hömma“-Postkarte in den Briefkasten und kündigen einen Besuch an. Wenn all das nicht fruchtet, kommen wir auch unangekündigt vorbei“, erklärt Sozialarbeiterin Britta Reuter das Procedere. „Wir waren anfangs selbst skeptisch. Dann haben wir jedoch die Erfahrung gemacht, dass die meisten Jugendlichen froh sind, dass jemand vorbei kommt, um ihnen zu helfen“, sagt Reuter.

Das Essener Projekt gilt auch über die Stadtgrenzen hinaus als Erfolgsprojekt und hat bereits das Interesse benachbarter Kommunen geweckt.

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