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Runder Umwelttisch Essen: Stabwechsel zum 25-Jährigen

Dieter Küpper (li.) übergibt die Moderation am Runden Umwelttisch Essen an Georg Nesselhauf.

Dieter Küpper (li.) übergibt die Moderation am Runden Umwelttisch Essen an Georg Nesselhauf.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Der Runde Umwelttisch Essen (Rute) vollzieht den Generationswechsel: Georg Nesselhauf (57) löst Dieter Küpper (77) als Sprecher ab.

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Generationswechsel beim Runden Umwelttisch Essen (Rute): 17 Jahre lang war Dieter Küpper Sprecher und Moderator des Rute. Nun hat der 77-Jährige den Staffelstab weitergegeben an einen Jüngeren: Georg Nesselhauf vom Verein „Mobilität-Werk-Stadt“ übernimmt. Der Wechsel fällt zusammen mit dem 25-jährigen Bestehen des Runden Umwelttisches Essen, der in Land und Bund seinesgleichen sucht.

Die Interessengemeinschaft gegen Luftverschmutzung Essen-Dellwig gab mehr als drei Jahrzehnte zuvor den Anstoß. Essener Ärzte machten seinerzeit auf die Gefahren der Luftverschmutzung aufmerksam. Heute sitzen 30 Initiativen am Runden Umwelttisch: von Greenpeace über den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, den Bund für Umwelt- und Naturschutz bis zum Stadtverband der Kleingartenvereine.

Zum Meinungsaustausch beim OB und bei der SPD

Längst findet der Rute Gehör in Politik und Verwaltung, auch weil die Sprecher eher moderate Töne anschlugen. „Eine Bürgerinitiative kann renitenter Auftreten“, sagt Dieter Küpper. Rute will Türen nicht zuschlagen, sondern öffnen – in alle Richtungen. Mit Oberbürgermeister Thomas Kufen trifft man sich zweimal im Jahr zum Meinungsaustausch. Ein Gespräch mit Oliver Kern, dem OB-Kandidaten der SPD, sei vereinbart.

Diesen Stil will Georg Nesselhauf als neuer Moderator fortführen. Der 57-jährige Diplom-Ingenieur der Landespflege ist bei der Stadt Gelsenkirchen beschäftigt, arbeitet dort bei der Unteren Landschaftsbehörde, ist also vom Fach. Mit seinem Vorgänger verbindet ihn aber Folgendes: Beide fanden durch Verkehrsthemen zum Rute. Küpper engagierte sich in der Bürgerinitiative gegen den Weiterbau der „DüBoDo“ und das letztlich erfolgreich. Der Ausbau der A 44 von Düsseldorf über Bochum bis nach Dortmund wurde aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen. Nesselhauf machte sich 2010 auf, als der Bau des Ruhrallee-Tunnels diskutiert wurde und wirbt für eine Verkehrswende.

Luftreinhaltung, RS1... „Uns geht das alles zu langsam“

„Uns geht das alles viel zu langsam“, kritisiert der neue Rute-Sprecher. Von der Grünen Hauptstadt hatten sich die Initiativen mehr Tempo versprochen und wurden enttäuscht. „Warum reagiert die Politik so zaghaft?“, fragt Nesselhauf. Das gelte nicht nur für den Weiterbau des Radschnellweges RS1 und für den geplanten Straßenbahnanschluss für Essen 51, das neue Wohn- und Geschäftsquartier, das im Kruppgürtel zwischen Pferdebahnstraße und Bottroper Straße entsteht. Die EU-Richtlinie zur Luftreinhaltung sei 2008 verabschiedet worden. Elf Jahre sei nichts passiert. Heute droht in weiten Teilen des Stadtgebietes ein Fahrverbot für Diesel und ältere Benziner. Auch die Stadt Essen habe wertvolle Zeit vertan.

Der umstrittene Ausbau der A 52 durch den Essener Norden dagegen, den sie am Runden Tisch so gerne beerdigen würden, beschäftigt die Verkehrs- und Umweltinitiativen immer noch. Auch wenn der aktuelle Bundesverkehrswegeplan den Ausbau unter ferner liefen führt.

Alternativen gebe es, davon sind sie am Runden Umwelttisch überzeugt: Mehr Nahverkehr, mehr Radverkehr. Ein ganzes Paket hatte der damalige Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) schon vor Jahren geschnürt. „Viele Ideen kamen von uns“, sagt Nesselhauf. Die Einrichtung einer Umweltspur auf dem Innenstadtring, die aktuell von der Verwaltung geprüft wird, sei eine weitere. „Warum soll die Stadt nicht mutig sein, und es einmal ausprobieren?“

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