Zeugnisse

Schulpsychologen: Zahl der Fälle in Essen deutlich gestiegen

Psychologin Hubertina Falkenhagen leitet die schulpsychologische Beratungsstelle der Stadt Essen.

Psychologin Hubertina Falkenhagen leitet die schulpsychologische Beratungsstelle der Stadt Essen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Im Schuljahr, das jetzt zu Ende geht, haben Schulpsychologen in Essen 550 Mal Eltern, Lehrer und Schüler beraten – 100 mehr als im Vorjahr.

Nummern gegen Zeugnis-Kummer haben in diesen Tagen die Stadt Essen und die Schulaufsicht geschaltet. Sie richten sich an Eltern, die mit Noten ihrer Kinder nicht einverstanden sind, und auch Schüler können sich an die Beratung wenden, die wegen ihres Zeugnisses Sorgen haben. Ein Gespräch mit der Leiterin der schulpsychologischen Beratungsstelle, Hubertina Falkenhagen, über schlechte Noten, Cybermobbing, und was Eltern tun können.

Frau Dr. Falkenhagen, ist bei Ihnen Hochkonjunktur, wenn Zeugnisse verteilt werden?

Nein. Schlechte Noten auf Zeugnissen kündigen sich in der Regel an, beziehungsweise die Lehrer kündigen sie an. Entsprechend bekommen wir die meisten Anfragen rund um die Elternsprechtag-Termine.

Wer fragt an – Eltern oder Lehrer?

Meistens die Schulen, sie bitten um einen Gesprächstermin.

Und dann?

Dann gibt es ein Gespräch mit einem unserer Berater, den Eltern und dem Klassenlehrer der Schule. Dann schauen wir als erstes, wo das Problem liegt – ob es einen plötzlichen Leistungsabfall gibt oder sich eine Entwicklung zum Guten nicht wie erwartet einstellt. Wir schauen nach, woran das liegen kann: Stimmt die Lern-Atmosphäre zu Hause? Oder gibt es womöglich Mobbing in der Schule? Es gibt sehr viele Ursachen für schlechte Noten. Wir versuchen, herauszufinden: Wer kann helfen, und was können wir als erstes verändern?

Was können Eltern tun bei schlechten Noten?

Ein Schüler mit schlechten Noten sollte zu Hause am besten regelmäßig und in kurzen Einheiten lernen. So, dass Erfolgserlebnisse entstehen. Das ist besser als selten zu lernen und lange Zeit. Der Stoff sollte den Schüler nicht überfordern. Nur so kann man Lücken schließen, die während des Schuljahres entstanden sind.

Wie viele Fälle betreuen Sie im Jahr?

Die Zahl der jährlichen Einzelfallberatungen hat zugenommen von etwa 450 im letzten Schuljahr auf 550 Fälle im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr.

Wie erklären Sie sich das?

Die Schulen haben heute wesentlich mehr Aufgaben als früher - zum Beispiel Inklusion und Integration, um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch auch die neuen Medien können große Rollen spielen.

Sie meinen, Smartphones führen zu Schulversagen?

Nicht direkt. Aber wenn sich Jugendliche in sozialen Netzwerken tummeln, sind sie schnell abgelenkt. Cyber-Mobbing ist ein Thema an den Schulen. Und die Darstellung von Gewalt oder Pornographie überfordert die Jugendlichen schnel, auch wenn sie vorgeben, das alles cool und harmlos zu finden. Eltern sollten bei der Handy-Nutzung gute Vorbilder sein.

Wie denn?

Wenn sie die Geräte auch mal aus der Hand legen können. In einer Familie sollte die Regel gelten, dass die Geräte abends ausgeschaltet und weggelegt werden. Von jedem.

Woran merken Eltern, dass ihre Kinder gemobbt werden, auch im Internet?

An Verhaltensänderungen wie totalem Rückzug oder anderen Auffälligkeiten. Oft müssen Eltern sehr lange bohren, bis sie herausfinden, was wirklich los ist. Kinder müssen das Gefühl haben, ihren Eltern vertrauen zu können, um sich ihnen öffnen zu können.

Und dann?

Sollte auf jeden Fall die Schule eingeschaltet werden in einem Mobbing-Fall. Die Schulen reagieren besonders in diesen Internet-Zeiten häufig wesentlich sensibler als früher und haben entsprechende Programme entwickelt.

Zeugnis-Hotline der Stadt für Eltern und Schüler von Grund-, Haupt- und Förderschulen: 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr. Freitag, 12. Juli: . Montag, 15. Juli: . Dienstag, 16. Juli: . Zeugnis-Hotline der Bezirksregierung für Eltern und Schüler von Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs: 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr, , am Freitag, 12. Juli, Montag, 15. Juli, und Dienstag, 16. Juli. Schulpsychologische Beratungsstelle der Stadt Essen: 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr, , an den gleichen Tagen.

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