Spritmangel ließ Flugzeug notlanden

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PROZESS. Der Pilot, der im August dieses Jahres die Piper auf der Krupp-Baustelle zu Boden brachte, steht nun vor Gericht.

In einem Punkt sind sich die Prozessbeteiligten einig: Es war Spritmangel, der dazu führte, dass eine Piper PA 28 am 5. August dieses Jahres auf dem Flug von Trier nach Essen -Mülheim um 18.05 Uhr auf der Großbaustelle Thyssen-Krupp eine spektakuläre Notlandung hinlegte. Mögliche Ursachen für den mangelnden Treibstoff konnten gestern in der Amtsgerichtsverhandlung gegen den 48-jährigen Piper Piloten wegen Gefährdung des Luftverkehrs nicht restlos aufgeklärt werden. Deshalb gab es kein Urteil, vielmehr soll ein Gutachter beauftragt werden, der womöglich Licht in die Landung bringt.

Drei Passagiere hatte Alfred S. auf dem Privatflug in Bonn aufgenommen. Man wollte nach Essen, Immobilien anschauen. Zum Glück blieben alle bei der Landung unverletzt. Der 48-jährige Kaufmann ist ein erfahrener Pilot mit 2400 Flugstunden. Seit 1994 ist er sogar für seinen Club in Trier Fluglehrer und Sachverständiger. Zu wenig getankt? Falsch berechnet? Alles hat er richtig gemacht, ist der Angeklagte sicher und "fassungslos", als es plötzlich zum Sprit-Schwund kam. Denn das ist sicher: Nur zwei Liter fand man in den Tanks und ausgelaufen ist nichts. Untersuchungen der Maschine brachten keine Hinweise auf Fehler.

Einspruch gegen einen Strafbefehl von 2400 Euro

In allen Einzelheiten wird durch den Angeklagten und fachmännischen Zeugen dargelegt, wie man den Verbrauch berechnet, man erfährt, dass ein Flugzeug dieser Art rund 40 Liter Treibstoff pro Stunde braucht. Bei Alfred S., der gegen einen Strafbefehl von 2400 Euro (80 Tagessätzen zu 30 Euro) Einspruch einlegte und deshalb auf der Anklagebank sitzt, schien das nicht funktioniert zu haben. "Ich erkenne jetzt, das ich knapp kalkuliert und einen Rechenfehler gemacht habe, den ich nicht erklären kann", sagte er der Polizei. Das sieht er jetzt anders, ist überzeugt, dass eine falsche Einstellung den Treibstoff schluckte. Noch in Celle, bei einer Zwischenlandung, will er sich überzeugt haben, dass noch 20 Gallonen (eine Gallone entspricht rund 35 Litern) Sprit in den Tanks sind, genug um locker nach Essen- Mülheim zu fliegen. Zum Ärger des Gerichts rückt der Verteidiger erst nach fast dreieinhalbstündiger Verhandlung mit einem Beweisantrag heraus, den man hätte vorher stellen können. Den Bordcomputer hatte bislang niemand untersucht. Der Angeklagte tat es, und fand angeblich seine Angaben bestätigt. Der Gutachter soll es prüfen. Für Alfred S. steht einiges auf dem Spiel: der mögliche Entzug der Fluglizenz. Nicht zuletzt ist ihm die Versicherung auf den Fersen, die schon 150 000 Euro für die Reparatur zahlte und das Geld von Alfred S. zurückhaben möchte.

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