Urheberrechts-Streit

Stadtwerke Essen opfern ihr Maskottchen

Sein letzter Einsatz? Stadtwerke-Maskottchen „Karlo“ neben dem AfD-Bundestagskandidaten Stefan Keuter.

Foto: Stefan Arend

Sein letzter Einsatz? Stadtwerke-Maskottchen „Karlo“ neben dem AfD-Bundestagskandidaten Stefan Keuter. Foto: Stefan Arend

Essen.   Im Streit mit der rechtspopulistischen AfD hat das Unternehmen juristisch die Nase vorn, doch Maskottchen „Karlo“ habe seine Unschuld verloren.

Dem forschen Wahlkampf der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist nicht nur manche Geschmacksgrenze zum Opfer gefallen, sondern jetzt auch ein Süßigkeiten verteilender Schlaks mit dunkelbraunen Pommes-Haaren, Hornbrille und weißer Fliege: „Karlo“, das Maskottchen der Stadtwerke Essen, das beim Heisinger Wottelfest offenbar aus Versehen fleißig für die AfD die Daumen hob, geht vorerst nicht mehr auf die Straße. „Dass er jemals wieder zum Einsatz kommt, würde ich mal zu bezweifeln wagen“, sagt einer bei den Stadtwerken, der es wissen muss.

Es ist wohl die verlorene politische Unschuld „Karlos“, die dem beliebten Markenträger am Ende den strubbeligen Kopf kostete. Dabei ging der Streit um das Maskottchen, das die Stadtwerke durch die AfD instrumentalisiert und parteipolitisch missbraucht sehen, in der ersten Runde offenbar zugunsten des Versorgungsunternehmens aus: Im Wege der Einstweiligen Anordnung teilte das Landgericht Hamburg dieser Tage dem Vernehmen nach die Sicht der Stadtwerke, die sich in ihren Urheberrecht verletzt fühlen.

AfD sieht ein „klares Mitwirken“ des Werbe-Teams

Dass man empört die Überrumpelung des eigenen Werbe-Teams beklagte, dürfte nicht zuletzt vor dem Hintergrund zweier eidesstattlicher Versicherungen als glaubwürdig eingeschätzt worden sein. Diese haben „Karlo“ und Co. als Mitarbeiter einer Essener Agentur im Vorfeld abgegeben – sehr zur Verwunderung von AfD-Vorstandssprecher und Bundestags-Kandidat Stefan Keuter, der auf noch nicht veröffentlichtes Videomaterial verweist, wenn er sagt: „Nach unserer Meinung liegt hier ein ganz klares Mitwirken vor.“ Die von der AfD beauftragte medienerfahrene Kölner Rechtsanwalts-Kanzlei Höcker solle, so Keuter, den Stadtwerken deshalb weiter Paroli bieten.

Für wie sinnvoll man derlei juristische Scharmützel noch hält, wenn die Bundestagswahl in zehn Tagen erst einmal passé ist, steht auf einem anderen Blatt. Bis zum Beweis des Gegenteils winkt ein Verfahren in der Hauptsache, auch wenn dies Monate dauern kann.

Nach zehn Jahren ist Feierabend

„Karlo“ wird diesen Streit dann nur noch in der Rückblende verfolgen – zehn Jahre nachdem der blau-rot gewandete Kinderliebling das Licht der Welt erblickte. 2007 aus der Taufe gehoben, um den damals neu eingeführten Stufentarif beim Stadtwerke-Erdgas zu bewerben, hatte das Maskottchen die Einstellung desselben vor einiger Zeit überlebt. Heute gibt’s bei den Stadtwerken nur noch „Essen Gas“, „Klaro“ ist verschwunden, und „Karlo“ jetzt auch.

Die Stadtwerke sind wieder solo.

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